"Alltag in Berlin" : Neues Buch zeigt Berlin in 1000 Bildern
von Andreas ConradDas Wort „Alltag“ – haftet ihm nicht stets eine Spur von Langeweile an? Denn das Alltägliche, das ist die Routine, das immer Wiederkehrende. Das ist die Schrippe zum Morgenkaffee, nicht das Gourmetmenü am Abend eines Festtages. Es ist die Ordnung des Vertrauten, das schon, beruhigend, aber nicht gerade spannend.
Eine mögliche Sicht, aber nicht die einzig mögliche. Vielleicht gar nicht mal die richtige. Denn um bei der Schrippe zu bleiben: Der allmorgendliche Gang zum Bäcker, in der Gewissheit, dass die Schrippen wieder nicht wirklich knusprig sind, mag den heutigen Frühaufsteher langweilen. Aber wie empfindet er beim Betrachten eines Fotos aus den Mangeljahren 1919/20, das einen Straßenhändler beim Verkauf von Schrippen zeigt, deklariert als „Friedensware“, also etwas damals Besonderes, qualitativ Herausragendes?
Der Verkäufer dürfte seinen Arbeitsalltag als öde, auch körperlich anstrengend empfunden haben. Sein Foto aber löst heute alles andere als Langeweile aus, bewirkt eher Empathie mit dem jungen Mann in seinem Jackett mit den viel zu kurzen Ärmeln und der armseligen, aus einem Pappkarton und Schnüren gebastelten Verkaufstheke. Das Foto, gar nicht mal mit allen Finessen dieser Kunst aufgenommen, erzählt von der bitteren Armut, die im Berlin nach dem Ersten Weltkrieg herrschte, aber auch von dem Willen seiner Bewohner, ihr hartes Los zu meistern.
Badenixen am Wannsee, Juli 1922
Foto: privatEin Straßenhändler verkauft Schrippen (1919/20).
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 00136701, Fotograf: k. A.Fahrgäste in der U-Bahn, um 1930
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 0214800, Fotograf: Hans CaspariusSchüler in einer Grundschule in Britz, 1933
Foto: privat
Berufsschule für Schneiderinnen in Prenzlauer Berg, Winter 1944/45
Foto: privatFamilie in ihrem Wohnzimmer in Schöneberg
Foto: privatFamilie im ihrem Garten in einer Frohnauer Laubenkolonie, 1953
Foto: privatGeburtstagsfeier bei der AEG in der Brunnenstraße in Wedding, 1956
Foto: privat
Kontrollpunkt Dreilinden Zehlendorf, Juli 1959
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 0065739, Fotograf: Gert Schütz
Kneipe in der Naunynstraße in Kreuzberg, September 1968
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 0004336_C, Fotograf: Horst Siegmann
Am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg, Juli 1970
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 0005956_C, Fotograf: Horst SiegmannStraßenszene in der Auguststraße in Mitte, 1992
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 0375933, Fotograf: Rolf ZöllnerHinter diesem Einband stecken etwa 1000 Fotos.
Foto: promoEin typisches Foto in dem neu erschienenen Bildband „Alltag in Berlin. Das 20. Jahrhundert“. Eines von rund 1000 Aufnahmen, mit denen das Leben in Berlin quer durch dessen helle, dunkle wie tiefschwarze Phasen der jüngeren Stadtgeschichte dokumentiert und nun vor dem Betrachter ausgebreitet wird. Zusammengestellt und kommentiert wurde das dickleibige Werk von Hans-Ulrich Thamer und Barbara Schäche, er Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Münster und Kurator verschiedener Ausstellungen, auch am Deutschen Historischen Museum; sie Leiterin der Fotosammlung des Berliner Landesarchivs und schon insofern eine hervorragende Kennerin der Bestände, aus denen solch ein opulenter Bilderreigen zusammengestellt werden kann.
Berlin-Charlottenburg, Breitscheidplatz, in den 70er Jahren. Der Reihe nach: der Tunnel ist geschlossen, die Fahrspuren links im Bild sind verschwunden (wie auch das Hochhaus hinten im Bild).
Foto: Imago/Gerhard LeberGropiusstadt, 1971. Die Häuser entstehen, die Bäume kommen später, die U-Bahn ist schon da: der Bahnhof Lipschitzallee.
Foto: Gerhard MeyerPlatz der Republik, 1970. Kleine Bäumchen, Skulpturen, ein Fußweg.
Foto: Gerhard MeyerNeukölln, 1971. Am Grenzübergang Rudow an der Waltersdorfer Chaussee. Hier, zwischen Schönefeld und Rudow, fiel zuerst die Grenze - noch vor dem Übergang an der Bornholmer Brücke war die Mauer im Süden Berlins offen.
Foto: Gerhard Meyer
Philharmonie, Tiergarten, 1970. Das Haus wurde Anfang der 60er erbaut. Das Foto zeigt die damalige Vorfahrt an der Herbert-von-Karajan-Straße.
Foto: Gerhard Meyer
Neukölln, Gropiusstadt, 1975. Der West-Müll wird am dafür geschaffenen Grenzübergang am Kölner Damm gen Großziethen gebracht.
Foto: Gerhard MeyerGropiusstadt, Neukölln, 1975. Hier in der neuen Großsiedlung wurde 1970 der U-Bahnhof Lipschitzallee eröffnet.
Foto: Gerhard MeyerCharlottenburg, 1975. Das Foto machte Tagesspiegel-Leser Gerhard Meyer auf der Fußgängerbrücke, die es damals gab. Man konnte noch vor dem Europacenter mit dem Autofahren (links); unten gab es einen Tunnel. Dieses Konstrukt hieß "Schnalle".
Foto: Gerhard MeyerCharlottenburg, 1975, Budapester Straße. Der Tunnel wurde 2005 zugeschüttet.
Foto: Gerhard MeyerLeipziger Platz, 1978. Die Straßenbahngleise liegen noch im Niemandsland. Das Foto entstand vermutlich vom Holzpodest am Potsdamer Platz.
Foto: Gerhard MeyerKreuzberg, 1978, Checkpoint Charlie. So unspektakulär sah das aus von West-Seite. Das Bild verdanken wir Tagesspiegel-Leser Gerhard Meyer.
Foto: Gerhard MeyerKreuzberg, 1978, Checkpoint Charlie.
Foto: Gerhard MeyerBrandenburger Tor, Ebertstraße, 1978. Dichtes Grün vor der Mauer zum Ostsektor Berlins.
Foto: Gerhard MeyerUrban-Krankenhaus, Kreuzberg, 1975. Da war der Neubau am Urbanhafen erst fünf Jahre alt.
Foto: Gerhard MeyerTeltowkanal, 1972, Neukölln. Das Foto entstand am Heizkraftwerk Rudow, das bis 2004 in Betrieb war. Auf der anderen Seite - hinter der DDR-Grenze - liegt Treptow.
Foto: Gerhard MeyerCharlottenburg, 1975, Blick vom Europacenter. Heute gucken wir auf zwei Hochhäuser.
Foto: Gerhard MeyerKrankenhaus Britz, 1974, Neukölln, Blaschkoallee - heute ein Bürgeramt.
Foto: Gerhard MeyerNeukölln, 1973. Wunderschöne Autos in einer wunderschönen Straße.
Foto: Gerhard MeyerPotsdamer Platz, 1970. Wie hoch so mancher Ausguck gen Ostsektor doch wahr, oder?
Foto: Gerhard MeyerKreuzberg, 1970. An der Kochstraße, hinten das Springer-Haus.
Foto: Gerhard MeyerGropiusstadt, 1970. Tagesspiegel-Leser Gerhard Meyer schreibt: "Das Foto entstand am Sollmannweg - links befindet sich jetzt ein Sportplatz."
Foto: Gerhard MeyerPlatz der Luftbrücke, 1970, großes Gedenken vor dem Flughafen Tempelhof.
Foto: Gerhard MeyerSchöneberg, 1970. Der berühmte Sportpalast - Goebbels rief hier einst zum "totalen Krieg" auf - wurde wenig später abgerissen. Er befand sich bis 1973 an der Potsdamer Straße 172.
Foto: Gerhard MeyerTiergarten, 1970. Das Sowjetische Ehrenmal in West-Berlin. Warum dort Stacheldraht auf der anderen Straßenseite lag? Tagesspiegel-Leser Horst Völksen erinnert sich: "Der Stacheldraht lag dort, weil jemand auf die sowjetischen Wachsoldaten oder die britischen Bewacher geschossen hatte und man weitere Anschläge verhindern wollte." Wer mehr lesen möchte - hier ist der entsprechende Wikipedia-Link.
Foto: Gerhard MeyerSchloss Bellevue, 1970.
Foto: Gerhard MeyerDie Straße des 17. Juni vor der TU. Truppenparade des West-Alliierten. Randnotiz: Die Parkbuchten sahen damals ganz anders aus in der Straßenmitte. Laut Fotograf entstand das Bild Anfang der 80er. Tagesspiegel-Leser sagen: Könnte auch früher sein, die Polizeiuniform sei "untypisch für die 80er, eher ganz früher 70er". Und: "Parkverbotsschilder mit durchgestrichenem P gab es nur bis 1971". Danke für die Hinweise.
Foto: ImagoWest-Alliierten-Parade, Ernst-Reuter-Platz. Auf der Straße dürften noch die alten Straßenbahngleise zu erkennen sein. Allerdings gilt auch bei diesem faszinierenden Bild: Die Angabe "1980" dürfte falsch sein - wahrscheinlich sind die Anfänge der 70er Jahre, ggf. sogar Ende der 60er Jahre.
Foto: ImagoTruppenparade, West-Berlin - erkennen Sie, wo? Das war unsere Frage. Tagesspiegel-Leser Marc S. antwortet prompt: "Die Blickrichtung ist aus der Leibnizstraße über die Otto-Suhr-Allee in die Cauerstraße. Die Ansicht würde heute durch die Scientology-Zentrale dominiert werden." Stimmt, Danke! Allerdings gilt auch bei diesem faszinierenden Bild: Die Angabe "1980" dürfte falsch sein - wahrscheinlich sind die Anfänge der 70er Jahre, ggf. sogar Ende der 60er Jahre.
Foto: ImagoWest-Berliner erinnern sich: Die Panzer rollten auch im Westen über die Straßen, hier vor der TU nahe Tiergarten. Allerdings gilt auch bei diesem faszinierenden Bild: Die Angabe "1980" dürfte falsch sein - wahrscheinlich sind die Anfänge der 70er Jahre, vielleicht sogar Mitte der 60er Jahre - zu erkennen an der grauen Polizeiuniform.
Foto: ImagoDer Ernst-Reuter-Platz, aufgenommen laut Fotograf "1980". Ganz links auf dem planierten Baugrundstück fehlt aber noch ein Hochhaus an der Einmündung zur Bismarckstraße (wo sich die Polizeiwache befindet). Und daher kann die Jahresangabe nicht stimmen. Das Foto müsste Anfang der 70er entstanden sein, weil 1974 dort das markante Eckhaus am Ernst-Reuter-Platz 6 eröffnet wurde (und bald später wieder abgerissen wird).
Foto: ImagoNicht ganz einfach, das zu gliedern. Zunächst einmal wurde die Fotoflut in zwei durch historische Essays eingeleitete Großkapitel kanalisiert. Der größere ist dem Thema „Leben und Arbeiten“ gewidmet und unterteilt sich in Unterabschnitte wie „Arbeitswelten“, „Familie und Freizeit“ oder „Konsum und Vergnügen“. Der kleinere ist „Die Hauptstadt der Deutschen“ überschrieben und behandelt die politische Seite des Alltags unter Überschriften wie „Preußens Gloria und der Niedergang“, „Das braune Berlin“ oder auch „Mauerfall und neuer Aufbruch“. Innerhalb der Abschnitte folgen die bis auf wenige Ausnahmen der Fotothek des Landesarchivs entstammenden Bilder weitgehend der Chronologie.
Als Betrachter könnte man sich nun von vorne nach hinten durch das Buch blättern, aber es legt eigentlich eine andere Nutzung nahe: ein eher dem Lustprinzip und der historischen Neugier als der Seitenzählung folgendes Stöbern in den Schätzen, die häufig gar nicht mal von besonderer Finesse beim Fotografieren zeugen, aber eine Authentizität besitzen, die sie trotz Überwiegen des Schwarz-Weiß-Films zu farbigen Zeugnissen längst vergangenen Großstadtlebens werden lässt. Nicht immer scheint sich im Alltag trotz dazwischenliegender Jahrzehnte allzu viel verändert zu haben.
März 1983, Alt-Pichelsdorf. Das Restaurant (heute "Büdnerhaus") vor dem Neubau. Sieht heute genau so aus, nur die Sträucher sind höher.
Foto: Tsp-Archiv80er Jahre, Bernauer Straße. Tagesspiegel-Leser Detlef Bertling aus Münster ("Ich war in den 80ern mehrmals als junger Wessi in Berlin") fotografiert gen Osten den Todesstreifen.
Foto: Detlef Bertling80er Jahre, Berlin. Die Grenze auf dem Wasser der Havel. Auf der weißen Boje stand "Sek.Grenze"; vorn die Boje mit der DDR-Emblem. Tagesspiegel-Leser Günter Abraham weiß, wo das Bild entstand - nämlich im Norden von Spandau (Bürgerablage): "Das Gebäude hinten links war die Pumpstation für das 2002 stillgelegte und ab 2005 abgebaute Kraftwerk Oberhavel. Hier wurde Havelwasser für die Kühlung angesogen."
Foto: Detlef BertlingCity West, 80er. Blick vom Europacenter. Heute stehen hier zwei Hochhäuser.
Foto: Detlef BertlingKladow, Bezirk Spandau, 1981. Die Polizei sperrt den Ritterfelddamm - die Schafherde kommt durchs Gutstor und wandert zum Flughafen Gatow.
Foto: Tagesspiegel-AltarchivKreuzberg, 1983, Oberbaumstraße Ecke Bevernstraße. Das "Oberbaumeck" gibt's noch heute. Das Foto erreicht uns von Tagesspiegel-Leser Asger Hunov aus Dänemark ("Ich war damals 22 Jahre alt").
Foto: Asger Hunov/http://www.sigtekorn.dk/berlin83Kreuzberg, 1983, am Checkpoint Charlie. Das Foto erreicht uns von Tagesspiegel-Leser Asger Hunov aus Dänemark.
Foto: Asger Hunov/http://www.sigtekorn.dk/berlin83Berlin, 1983. Das Foto erreicht uns von Tagesspiegel-Leser Asger Hunov aus Dänemark - aber wo? Viele Tagesspiegel-Leser haben uns prompt geholfen - herzlichen Dank! Das Foto entstand vom U-Bahnhof Schlesisches Tor und zeigt die Schlesische Straße in Kreuzberg
Foto: Asger Hunov/http://www.sigtekorn.dk/berlin83Unter den Linden, 1983. Das Foto erreichte uns von Tagesspiegel-Leser Asger Hunov aus Dänemark.
Foto: Asger Hunov/http://www.sigtekorn.dk/berlin83Budapester Straße, 1983, Charlottenburg. Die Stützpfeiler gehören zum Hutmacherhaus. Das Foto erreicht uns von Tagesspiegel-Leser Asger Hunov aus Dänemark.
Foto: Asger Hunov/http://www.sigtekorn.dk/berlin83Das Haus der IG Metall, 1983. Das Haus befindet sich an der Lindenstraße Ecke Alte Jakobstraße in Kreuzberg.
Foto: Asger Hunov/http://www.sigtekorn.dk/berlin83Kreuzberg, 1983, Oranienstraße. Das Häuschen rechts steht immer noch auf dem Platz.
Foto: Asger Hunov/http://www.sigtekorn.dk/berlin83Kreuzberg, Görlitzer Park, 1988. Bis 1985 rollten hier noch wenige Güterzüge. Hinten die Emmaus-Ölberg-Kirche. Das Foto verdanken wir Tagesspiegel-Leserin Esther Bertele.
Foto: Esther Bertele1988, Kreuzberg, Görlitzer Bahnhof (wo sich seit den 80ern der Görlitzer Park befindet).
Foto: Esther BerteleKreuzberg, 1988, das Tor zum Görlitzer Bahnhof, der aber damals schon drei Jahre nicht in Betrieb war.
Foto: Esther Bertele1988, Kreuzberg, am Ende des heutigen Görlitzer Parks - hier war West-Berlin zu Ende. Die Fabrik hinter der Mauer steht in Treptow. Das Foto verdanken wir Tagesspiegel-Leserin Esther Bertele.
Kreuzberg, 1988, am Spree-Ufer. Das Foto entstand an der Pfuelstraße.
Foto: Esther BerteleGlienicker Brücke, 1989. Die Menschen schieben sich aus Potsdam am Tag nach der Mauereröffnung gen Berlin-Wannsee. Absperrgitter lenken die Massen. Das Bild entstand vermutlich am 11. November - die Brücke wurde erst am 10. November, 17 Uhr, geöffnet, da war's aber schon dunkel (Dank für den Hinweis an Tagesspiegel-Leser Wolf S.)
Foto: Martin KrämerGlienicker Brücke, vermutlich am sonnigen 11. November 1989. Das Bild vom Tag nach der Maueröffnung verdanken wir Tagesspiegel-Leser Martin Krämer. Hinten die Kolonnaden mit dem Militär-Übergang.
Foto: Martin KrämerPrenzlauer Berg, Ende der 80er. Das Foto zeigt die Straßenkreuzung Schönhauser Allee Ecke Eberswalder Straße mit der heutigen Straßenbahnlinie M10. Hinten links geht die Kastanienallee ab.
Foto: ImagoPrenzlauer Berg, Schönhauser Allee, 1988. Links geht die Stargarder Straße ab.
Foto: ImagoS-Bahnhof Schönhauser Allee, 1988 (geschätzt). Hinten ist der U-Bahnhof zu erkennen. Das Einkaufszentrum fehlt noch.
Foto: ImagoKreuzberg. Ende der 80er. Hier war West-Berlin zuende. Die andere Seite - rechts die Türmchen-lose Oberbaumbrücke - lag in Friedrichshain.
Foto: ImagoKreuzberg, Naunynstraße, Mitte der 80er.
Foto: ImagoKreuzberg, 80er Jahre. Hinten rechts geht die Waldemarstraße ab; ganz hinten ist die Mauer zu erkennen. Das Foto müsste demnach auf der Adalbertstraße entstanden sein.
Foto: ImagoDer wichtigste West-Berliner Kontrollpunkt in Wannsee/Dreilinden - Blickrichtung West-Berlin (rechts die drei Fahnen der West-Alliierten).
Foto: ImagoPan Am in Tegel - die Airline ist Geschichte, der Flughafen soll es bald sein. Tagesspiegel-Leser Matthias Barz: "Das Bild zeigt einen Airbus der PanAm - den ersten Airbus erhielt die Fluggesellschaft 1984."
Foto: ImagoDas Tacheles in den 80ern, eine Ruine. Man beachte auch die Fassaden auf der anderen Straßenseite. Tagesspiegel-Leser Matthias Barz: "Das Bild zeigt das Tacheles während der Abrissarbeiten Ende der 1980er - vorher war noch das gesamte Areal erhalten, zwar stark beschädigt, aber der Abriss begann erst
in der Endphase der DDR. Nur Dank der Wende blieb der heutige Stummel erhalten."
Letzter Berliner Vorposten - Dazwischen lag: nichts. Die Grenze an der Landstraße 5 zwischen Hamburg und Berlin. Hier befand sich der Kontrollpunkt Lauenburg.
Foto: ImagoLetzter Berliner Vorposten - 1983. Zwischen Hamburg und Berlin gibt es jetzt eine Autobahn. Der Kontrollpunkt Gudow wird eröffnet.
Foto: dpaEgal ob die Bilder eine Geburtstagsfeier bei der AEG in der Weddinger Brunnenstraße 1956 zeigen oder zwei Männer in Arbeitskluft bei einer Pause in einer Kreuzberger Kneipe 1968 – Bier und Korn schmecken hier wie dort. Und die Situation in einem gut besetzten U-Bahn-Waggon, dieses geduldig-ungeduldige Warten auf Weiterfahrt und Ankunft, hat sich zwischen 1930 und heute offensichtlich auch nicht groß verändert, von der Kleidermode und der Bauweise des Waggons mal abgesehen.
Anderes dagegen ist unwiederbringlich Vergangenheit – zum Glück: „For the next 2 miles you will be in the Soviet Zone. Do not stop.“ Ein Schild, das dem ursprünglichen Verlauf der Autobahn im Bereich Drewitz-Dreilinden geschuldet war, als die DDR-Grenzer ihre Arbeit noch auf dem Gelände der heutigen Parkplätze Parforceheide und Am Stern erledigten, die Westseite in der Siedlung Albrechts Teerofen. Danach standen den Autofahrern noch einmal rund drei Kilometer DDR bevor, bis sie Zehlendorf erreichten. Erst 1969 wurde der Autobahnverlauf durch die DDR verändert und die Kontrollstelle dorthin verschoben, wo sich heute der Europarc Dreilinden befindet.
Potsdamer Platz, 1958. "Sie verlassen jetzt West-Berlin".
Foto: ImagoHansaviertel, 1958. Ein neuer Stadtteil entsteht.
Foto: ImagoCity West, 1958. Rechts die Straßenbahngleise, hinten rechts das Hutmacherhaus mit der Telefunken-Reklame (Eröffnung: 1957).
Foto: ImagoStuttgarter Platz, 1951, hier war damals der "Zentrale Omnibusbahnhof", ehe er gen Funkturm gezogen ist. Der ZOB befand sich dort, wo heute ein kleiner Park ist.
Foto: ImagoMessegelände, 1959. Der Sommergarten in der Mitte, unten die Nordkurve. Das ICC fehlt, dafür entsteht gerade die Verbindung zur Stadtautobahn (rechts unten).
Foto: ImagoWannsee, 1959. Ganz links müsste der Schlachtensee zu sehen sein, quer durchs Bild laufen Avus, vorn der Kronprinzessinnenweg.
Foto: ImagoCity West, 1959. Die Aufnahme könnte allerdings auch später entstanden sein, weil das Schimmelpfeng-Haus (ganz links) erst in jenem Jahr fertig wurde. Toll: die Käfer im Bildvordergrund. (Und wie uns ein kundiger Leser mitteilte, ist unter den Volkswagen ein VW 1500, der erst ab dem Jahre 1961 ausgeliefert wurde. Also ist das Bild aus den 60er Jahren. Wir lassen es aber jetzt trotzdem in der Fotostrecke.)
Foto: ImagoBerlin-Mitte, 1957. Der Tiergarten, noch immer schwer ausgedünnt nach den Kriegsjahren. Die Aufforstung hat begonnen.
Foto: ImagoBerlin-Halensee, November 1958. Hier entsteht gerade die Stadtautobahn, schreibt der Fotograf. Aber wo wurde das Bild aufgenommen? Wir glauben, dass hinten links die alte Halensee-Brücke (und dahinter der Ku'damm) zu sehen ist. Ein Leser schreibt: Links oben ist die alte Halenseebrücke zu sehen, dahinter der Henriettenplatz. Der hell verputzte Altbau in der Bildmitte oben steht noch heute an der Straße Stockwinkel.
Foto: ImagoBerlin-Charlottenburg, Bahnhof Zoo. 1958 entstand die Röhre der U-Bahnlinie U9, wie wir kundigen Fachseiten entnehmen. Die neue U-Bahnlinie musste den Bahnsteig der U2 unterqueren; die Baustelle mit einem der alten U-Bahnzüge sehen wir hier auf dem Bild (im Hintergrund rechts das Schimmelpfeng-Haus). Und es sieht so aus, als würden die Fahrgäste an einem provisorischen Holzbahnsteig - ohne Dach - auf die Bahn warten.
Foto: ImagoBerlin-Westend, 1958. Ein faszinierendes Bild, wie wir finden, weil es die Entwicklung der Stadt zeigt. Hinten der Theodor-Heuss-Platz (der bis Dezember 1963 noch Reichskanzlerplatz hieß); die SFB-Zentrale wird erst im Jahr 1970 eröffnet. Vor dem Haus des Rundfunks sind die vielen Straßenbahngleise zu sehen. Sie erklären auch den breiten Mittelstreifen, auf dem heute die vielen Autos (unter jungen Bäumen) parken können. Bis 1966 fuhren über die Heerstraße noch Straßenbahnen (auf der rechten Seite, stadtauswärts - deshalb ist der Grünstreifen so breit).
Foto: ImagoBerlin-Prenzlauer Berg, 1958. Unten die Zionskirche mit dem schönen Grünzug, der Swinemünder Straße. Etwas weiter rechts: der Jahnsportpark ohne Tribüne. Dazwischen: der Güterbahnhof Eberswalder Straße, auf dem sich der heutige Mauerpark befindet.
Foto: ImagoBerlin-Mitte, Alexanderplatz, 1951. Rechts ist der Bahnhof zu sehen (mit Dampflok im Anmarsch; vorn feiert die "Jugend der Welt"), dahinter steht das Kaufhaus - wir dachten erst ans "Kaufhaus Tietz", aber dann gaben uns Tagesspiegel-Leser einen Hinweis: Das müsste das alte C&A-Haus sein; die Menschen laufen also am Alexanderhaus vorbei (links) direkt auf den Alexanderplatz. Wir haben auch ein ähnliches Foto gefunden, auf dem das S-Bahnschild an gleicher Stelle zu sehen ist. Vielen Dank für die Hinweise.
Foto: ImagoBerlin-Charlottenburg, 1955. Eine Straßenbahn mit bescheidener Tagesspiegel-Reklame rollt über die Hardenbergstraße am Bahnhof Zoo. Im Hintergrund der Zoo Palast. In diesen Fahrzeugen saß kein Fahrgast - es war ein so genannter "Reklamewagen".
Foto: TspBerlin-Schöneberg, 1958. Vorne die damals neue Radrennbahn Schöneberg (die 2005 abgerissen worden ist), in der Mitte der Sachsendamm, rechts das Gasometer. Auf dem Kleingartengelände in der Mitte entstand später das Autobahnkreuz. Rechts unten ist ein S-Bahnhof zu sehen: der damalige Bahnhof Papestraße (damals noch mit Brücke über die Gleise).
Foto: ImagoBerlin-Tiergarten, Ende der 50er. Flache Bäume, keine Fahrspuren.
Foto: ImagoBerlin-Charlottenburg, 1955. Die Berlinale feiert in der Filmbühne Wien. Im Jahr 2000 lief die letzte Kino-Vorstellung.
Foto: ImagoOstbahnhof, 1952. Ankunft der sozialistischen Brüder und Schwestern aus der Mongolei. Die frischen Blumensträuße haben vermutlich nicht den langen Weg zurückgelegt.
Foto: ImagoBerlin-Charlottenburg, 1950, Messegelände. Diese so genannten "Nissen-Huts", also Nissenhütten, dienten Ausgebombten auch mal als Unterkunft. Hinten ist die Messehalle 25 zu sehen. Diese Hütten müssten auf dem Areal stehen, wo heute die Gleisanlagen der Messe sich befinden.
Foto: ImagoBerlin-Charlottenburg, 1958. Unten ist der Bahnhof Zoo zu sehen mit dem neuen Bikini-Komplex. Man beachte den Hardenbergplatz samt Zoo-Gelände dahinter - ganz schön leer, oder? Ende der 50er begann aber hier der Ausbau und Aufbau neuer Häuser, deshalb ist dort auch eine große Baustelle zu sehen.
Foto: ImagoBerlin-Siemensstadt und Berlin-Jungfernheide, 1958. Rechts entsteht gerade die Autobahn. Unten ist der Fürstenbrunner Weg zu erkennen (mit dem Abzweig zum S-Bahnhof Siemensstadt-Fürstenbrunn). In der Mitte verläuft die Siemensbahn. Ganz oben am Bildrand: der Flughafen Tegel - noch ohne das neue (und heutige Terminal).
Foto: ImagoBerlin-Charlottenburg, 1956. Die Kaiserdammbrücke, damals noch ohne Autobahnunterführung. Hinten rechts, an der großen Häuserlücke, geht's zum Lietzensee.
Foto: ImagoBerlin-Friedenau, 1958, Friedrich-Wilhelm-Platz. Damals wurde der Verkehr noch im Kreisverkehr um die Kirche herumgeleitet.
Foto: ImagoPotsdam, 1958. In der Mitte die Freundschaftsinsel, dahinter das Gelände des heutigen Hauptbahnhofs. Und hinten links die Nuthe.
Foto: ImagoBerlin-Gesundbrunnen, der Rosengarten 1956.
Foto: ImagoBrandenburg, 1956, Grenzübergang Dreilinden. "Bis West-Berlin erneut 3 km durch sowjetische Zone".
Foto: ImagoBerlin-West, 1956, irgendwo an der Grenze zum sowjetischen Sektor. Die Kontrollen werden strenger.
Foto: ImagoBerlin, Messegelände, 1958. Rechts befindet sich der Lietzensee, darunter der Bahnhof Westkreuz (mit Empfangsgebäude). Unten links die Avus-Nordkurve. Die beiden Brücken unten gibt es nicht mehr. Das müsste die alte Trasse der Halenseestraße sein. Dort verläuft die Autobahn. Das ICC wird erst viele Jahre später gebaut.
Foto: ImagoDie Jungfernbrücke, 1955. Links ist das heutige Auswärtige Amt zu sehen, die Gebäude auf der rechten Uferseite - an der Straße Friedrichsgracht - wurden in den 60ern abgerissen und durch Neubauten ersetzt.
Foto: ImagoBerlin-Westend, 1957. Die Deutschlandhalle wird nach Kriegsschäden im Oktober wieder in Betrieb genommen. Sie stand anstelle des heutigen City Cube.
Foto: ImagoAuf solche Dokumente eines sich beständig wandelnden Stadtbildes stößt man immer wieder in dem Buch, neben den Zeugnissen wechselnder Moden und Lebensformen machen sie für historisch Interessierte sicher eines der spannendsten Seherlebnisse beim Blättern aus. Während die Playstation-Generation, gewohnt, sich in perfekt nachgebildeten virtuellen Welten zu tummeln, über den Anblick einiger Jungen, die während der Luftbrücke mit kleinen Rosinenbombern spielen, amüsiert staunen dürfte: Diese im Halbrund aufgeschichteten Backsteine sollen den Flughafen Tempelhof darstellen? Zum Piepen!
Hans-Ulrich Thamer/Barbara Schäche: Alltag in Berlin. Das 20. Jahrhundert. Elsengold Verlag, Berlin. 462 Seiten, ca. 1000 Abbildungen, 49,95 Euro
Hans-Ulrich Thamer/Barbara Schäche: Alltag in Berlin. Das 20. Jahrhundert. Elsengold Verlag, Berlin. 462 Seiten, ca. 1000 Abbildungen, 49,95 Euro