Mercedes-Benz-Arena in Friedrichshain : Ab jetzt unterhält der Baulärm
von Thomas LoyDer große Platz vor der Arena am Ostbahnhof ist für die nächsten 27 Monate eine Baustelle. Ein blickdichter Zaun ist bereits gezogen, der Boden aufgewühlt, seit Montag ist das 200-Millionen-Euro schwere Bauprojekt „Mercedes Platz“ auch offiziell an den Start gegangen. Zum Spatenstich trat Anschutz-Entertainment-Manager Tom Miserendino an die Seite des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD). Auch Hans Panhoff (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, buddelte fürs Foto im Sand, obwohl er das geplante „Entertainment“-Quartier eher kritisch sieht.
Da mag geholfen haben, dass der Bezirk künftig vom Investor Anschutz 50 000 Euro pro Jahr für die Sicherung des Baudenkmals East Side Gallery bekommen soll. „Dazu haben wir uns verpflichtet“, sagt Anschutz-Sprecher Moritz Hillebrand. Allerdings müsse der Bezirk noch ein paar Voraussetzungen erfüllen. Dabei geht es offenbar um den rechtlichen Rahmen der Förderung. Es soll der Anschein vermieden werden, Anschutz bezahle für das Wohlwollen der Behörden bei der Entwicklung des Quartiers.
Das neue Einkaufcenter an der Warschauer Brücke soll 2018 fertig sein.
Foto: FreogroupDie neue Halle. Seit Juli 2015 trägt die große Halle einen neuen Namen.
Foto: dpaAus Blau wird Grau. Die Halle wurde dem Mercedes-Benz-Erscheinungsbild angepasst.
Foto: dpaDie Nachbarn. Mercedes-Benz ist mit seiner Vertriebszentrale bereits in die Nachbarschaft der Großhalle gezogen. Links ist im Sommer 2014 noch das umstrittene Hochhaus Living Levels in Bau.
Foto: Kitty Kleist-HeinrichUnd mittendrin die Mercedes-Arena. So stellen sich die Planer von Anschutz das neue Viertel am Spreeufer vor. Seit 2004 wird hier gebaut. Erinnert sich noch jemand an die olle Eisenbahnbrache dort?
Simulation: promo/Anschutz/Mercedes BenzUnd so stellen sich die Planer das Viertel am Abend vor. In der Mitte das Wasserspiel.
Simulation: Anschutz/promoUnd so soll's also im Sommer aussehen. Die Bäume blühen schon mal in der Simulation; das kleine Kopfsteinpflaster sieht zumindest schon mal berlinisch aus.
Simulation: Anschutz/promoUnd so war es am 10. September 2008: Die Arena wird mit einem Feuerwerk mit einem Feuerwerk eröffnet.
Foto: dpaDoch nicht alle Berliner schauen fröhlich zu. Etwa 300 Meter vor der Arena protestieren Gegner des Projekts.
Foto: dpa"Weg mit der Scheißhalle", skandierten etwa 1000 Menschen, die vom Kottbusser Tor in Kreuzberg aus bis vor die Arena gezogen sind.
Foto: ddpLautstarker Protest vor der Halle ...
Foto: ddp... drinnen enthusiastische Reden vor 1000 geladenen Gästen. Die Halle wird mit den berlintypischen Gegensätzen in Betrieb genommen. -
Foto: dpaDie O2 World ist Berlins größte Multifunktionshalle und die zweitgrößte Deutschlands.
Foto: ddpBis zu 17.000 Zuschauer finden in der modernen Arena Platz. Das Spielfeld ist 60 mal 30 Meter groß.
Foto: ddpDie O2 World kann innerhalb weniger Stunden von einer Eishockey-Arena in eine Konzerthalle verwandelt werden. Für die Mitarbeiter gilt es dann, blitzschnell die Spielfläche umzubauen...
Foto: dpa...und den achtseitigen Videowürfel in der Hallenmitte zu koordinieren, welcher 29 Tonnen wiegt.
Foto: ddpAm Eingangstor der Arena.
Foto: ddpZuschauerraum und das Spielfeld der O2-Arena.
Foto: ddpRichtfest feierte die O2 World am 20. September 2007. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Detlef Kornett von der Anschutz Entertainment Gruppe und Jaime Smith Basterra, Chef von O2 Germany waren zur Baustelle gekommen.
Foto: ddpSeitdem hatte sich viel getan auf der Baustelle am Ostbahnhof...
Foto: ddpWo vor einigen Jahren noch Kräne hinter dem Rohbau der Arena in den Himmel ragten, war auf einmal ein modernes Unterhaltungszentrum entstanden.
Foto: Henning OnkenIm April 2008 befestigten Arbeiter den Schriftzug "O2 World" an der Fassade der künftigen O2 Arena.
Foto: dpaIn den ersten drei Jahren fanden hier über 300 Events mit mehr als drei Millionen Besuchern statt. Als erster trat Herbert Grönemeyer auf – drei Tage nach der Eröffnung.
Foto: dpaIn der Arena wird auch geboxt. Vitali Klitschko (links) und den nigerianischen Boxer Samuel Peter (rechts) stehen sich beim offiziellen Wiegen vor einm WM-Kampf 2008 gegenüber.
Foto: dpaNach dem Eröffnungsauftritt von Herbert Grönemeyer sind viele andere Sänger in die Arena gekommen. Unter anderem auch Lady Gaga, die in Berlin 2010 drei Echos abgeräumt hat.
Foto: dpaLena Meyer-Landrut spielte während ihrer Tournee 2011in der Arena.
Foto: dpaDie englische Gruppe Sade stellte hier 2011 ihr neues Album "Soldier of Love" vor.
Foto: dpaDer Mercedes-Platz soll das Herzstück des Viertels werden, ein Treffpunkt für die künftig 20 000 Angestellten in den umliegenden Büros und 4000 Bewohner der Wohnblöcke, die noch entstehen sollen. Der Platz verbindet die Mühlenstraße mit der Arena, an seinen Rändern entstehen zwei weitere Hotels, Büro- und Restaurantflächen, ein opulentes Bowling-Center, ein kleinerer Veranstaltungssaal, Showräume für Mercedes Benz und ein großes Kino der UCI-Gruppe. Vier Gebäude mit insgesamt 70 000 Quadratmetern Fläche sollen bis zum Herbst 2018 gebaut und bezogen werden. „Ein wichtiges Projekt, das Berlin verändern wird“, sagte Michael Müller. Er habe sich in Los Angeles angeschaut, wie so ein Entertainment-Center aussieht, wenn es fertig ist. „Es wird viele begeistern“, auch jene, die heute sagten, so etwas bräuchten sie nicht in Berlin.
Vor 15 Jahren, als US-Milliardär Anschutz hier die Flächen kaufte, gab es noch Gleisanlagen, die Reste des alten Wriezener Bahnhofs. Die folgenden Fotos zeigen Aufnahmen aus den Jahren 2002, 2004, 2007, 2009, 2011 und 2015.
Vor 15 Jahren, als US-Milliardär Anschutz hier die Flächen kaufte, gab es noch Gleisanlagen, die Reste des alten Wriezener Bahnhofs. Die folgenden Fotos zeigen Aufnahmen aus den Jahren 2002, 2004, 2007, 2009, 2011 und 2015.
Immerhin wurde zum Spatenstich weit und breit kein Demonstrant gesichtet, die linke Szene hat das Anschutz-Areal offenbar schon als verlorenes Terrain abgehakt. Anschutz sei immerhin bereit gewesen, Abstriche von seinem Konzept zu machen, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Die geplanten Werbestelen auf dem Mercedes-Platz sollten ursprünglich „doppelt so groß“ ausfallen, auch bei den Fassaden und der Pflasterung habe man darauf geachtet, US-Standards der gewachsenen Berliner Bautradition anzupassen.
Ursprünglich sollte in das Bürohaus an der Ecke zur Mühlenstraße ein Besucherzentrum für die East Side Gallery einziehen, aber in dieser Frage wurden sich Anschutz und der Senat nicht handelseinig. Jetzt will Anschutz in eigener Regie ein Besucherzentrum einrichten, darin werde über „das gesamte Quartier informiert“, sagte Hillebrand, unter anderem über die East Side Gallery. Stärkstes Argument, sich hier umzusehen, ist der Zugang zu einer Besucherterrasse auf dem Dach, mit gutem Überblick über Spree und Mauerdenkmal. Damit entsteht neben dem vor Kurzem eröffneten „Wall-Museum“ im alten Spreespeicher bereits das zweite private Info-Angebot zur Gallery. Senat und Stiftung Berliner Mauer werkeln parallel an der Idee eines unabhängigen Dokumentationszentrums, bislang ist aber noch keine konkrete Planung bekannt geworden.
Anschutz hat die Namensrechte für Halle und Platz an den Autobauer verkauft. 20 Jahre lang darf Mercedes-Benz mit Namen und Stern das Quartier prägen. Dabei ist der eigentliche emotionale Anker die East Side Gallery. Sie zieht die meisten Touristen an und ist eine glaubwürdige Traditionsmarke an diesem Standort. Mit dem Sponsoring für die Mauer-Galerie erkennt Anschutz die Bedeutung des Denkmals für die Gegend auch an.
Die East Side steckt schon im Namen des ersten Hotels in der Gegend, außerdem soll das neue Einkaufscenter an der Warschauer Brücke „East Side Mall“ heißen – Fertigstellung ebenfalls 2018. Zalando wird seine hier geplante Firmenzentrale sicher nicht nach der ESG benennen, aber in der Werbung der im Quartier angesiedelten Firmen spielt die Gallery als positives Relikt der Geschichte meistens eine große Rolle. Für die Amerikaner ist klar, dass „Mr. Anschutz“ als erster das Marketing-Potenzial des East-Side-Quartiers erkannte.