Spektakulärer Diebstahl in Berlin : 100-Kilo-Goldmünze aus Bodemuseum gestohlen
von Laura Hofmann und Stefan JacobsEinen derart filmreifen Diebstahl hat Berlin lange nicht erlebt: In der Nacht zu Montag brachen Unbekannte ins Bodemuseum ein und stahlen eine 100 Kilogramm schwere Münze aus reinem Gold. Deren Nennwert beträgt eine Million Dollar, das Material ist beim aktuellen Goldpreis rund 3,7 Millionen Euro wert.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kamen und entkamen die Täter durch ein Fenster oberhalb eines Brückensockels, der bis zur weitgehenden Zerstörung der Museumsinsel im Krieg das Bode- mit dem Pergamonmuseum auf der anderen Seite der Bahntrasse verband. Jetzt ist die Ruine des Sockels die einzige Stelle, an der das Bodemuseum direkt an die S-Bahn-Trasse heranreicht. Mit einer Leiter sollen die Täter ein Fenster erreicht haben, das sich laut Polizeisprecher Winfrid Wenzel „drei bis vier Meter oberhalb der Bahntrasse“ befindet. Von dort muss es noch ein ganzes Stück durchs Haus gegangen sein, denn das Münzkabinett befindet sich in einer tiefer gelegenen Etage.
Kamen die Einbrecher über die S-Bahntrasse? Eine Leiter im Gleisbett und keine erkennbaren Einbruchsspuren an den Wasserseiten lassen darauf schließen.
Kamen die Einbrecher über die S-Bahntrasse? Eine Leiter im Gleisbett und keine erkennbaren Einbruchsspuren an den Wasserseiten lassen darauf schließen.
Die Tat geschah zwischen 3.20 und 3.45 Uhr
Die Tat geschah nach Auskunft von Wenzel zwischen 3.20 und 3.45 Uhr früh. Die erste reguläre S-Bahn vom Hackeschen Markt zur Friedrichstraße fährt um 4.13 Uhr. Die nächtliche Betriebspause war also noch lang genug, um die Münze mit 53 Zentimetern Durchmesser entlang der Gleise noch etwa 100 Meter ostwärts zu transportieren. Jenseits der Spree, am Monbijoupark, sollen die Täter mit ihrer Beute abgestiegen sein. Die S-Bahn hätten sie jedenfalls nicht genommen, sagt Wenzel. Wie viele Personen beteiligt waren, ist offenbar noch nicht klar. Selbst zu zweit dürfte der Abtransport der Beute kaum zu schaffen gewesen sein.
Gewaltsam geöffnet haben die Täter nicht nur das Fenster, sondern auch die Panzerglasvitrine, in der sich die einzeln präsentierte Münze befand – laut Polizei „mit brachialer Gewalt“, was dafür spricht, dass die Täter außer der Münze auch ein schweres Werkzeug zu schleppen hatten. Ansonsten sei nichts weiter zerstört oder gestohlen worden. Die Vitrine mit der Münze habe den Mittelpunkt eines Ausstellungsraumes gebildet, in dem auch andere, deutlich kleinere Münzen gezeigt wurden.
Polizei wurde um vier Uhr früh alarmiert
Die Polizei wurde laut Wenzel um vier Uhr früh von einem Sicherheitsmitarbeiter des Museums alarmiert. Ob eine Alarmanlage oder das Wachpersonal den Einbruch registriert haben, verraten Polizei und Museum vorerst ebenso wenig wie die Information, ob es möglicherweise Videobilder der Tat gibt. Außen am Museum sind im Bereich der Baustellenzufahrt unterhalb der S-Bahn-Bücke Kameras angebracht, die allerdings das Parterre im Fokus haben und nicht die höher gelegene Bahntrasse.
Die Auswirkungen der Tat bekamen am Montagmorgen vor allem die Fahrgäste der S-Bahn mit, die wegen der polizeilichen Ermittlungen stundenlang nicht zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße fuhr. Die bei dem Einbruch verwendete Leiter lag auf der Bahntrasse. Später, als sich der Zugbetrieb gerade zu normalisieren begann, brachte dann eine Signalstörung den Fahrplan für den Rest des Tages durcheinander.
Münzraub im Bodemuseum: Von dieser 100 Kilo schweren Goldmünze aus dem Münzkabinett fehlt jede Spur. In der Nacht zum 27. März 2017 drangen Diebe in das Museum ein und stahlen die Münze mit der Bezeichnung "Big Maple Leaf", auf der das Bildnis von Königin Elizabeth II. eingeprägt ist.
Foto: Hans Klaus Techt/dpaVermutlich führte der Weg der Diebe hier entlang. Gegen 3.30 Uhr sollen die Täter über die S-Bahntrasse gelaufen sein. Dann drangen sie über eine mitgebrachte Alu-Leiter in das Museum ein.
Foto: ImagoDort zertrümmerten sie den mit Panzerglas gesicherten Schaukasten der Münze, deren Goldwert etwa 3,7 Millionen Euro beträgt. Im Holzboden sind noch Kratzspuren des Einbruchs zu erkennen.
Foto: Silas Stein/dpaMit einer Schubkarre sollen die Diebe die schwere Münze durch das Museum transportiert haben - bis zu dem Fenster, durch das sie einstiegen. Auch die Flucht gelang den Tätern über die S-Bahntrasse, die um jene Uhrzeit nicht befahren ist.
Foto: dpa-infografikEine Aufschlagstelle auf dem Bahndamm lässt laut den Ermittlern den Schluss zu, dass die Münze vom Gewicht einer Waschmaschine dort aufgeschlagen ist und Schaden genommen hat.
Foto: Silas Stein/dpaTagsüber ist die Münzsammlung gut gesichert.
Foto: imago/Thomas Lebie
Das Münzkabinett im Bodemuseum gehört zu den umfangreichsten Sammlungen weltweit. Es wurde bereits 1904, im Gründungsjahr des Museums, dort untergebracht.
Foto: imago/SchöningDas Bodemuseum befindet sich an der nördlichen Spitze der Berliner Museumsinsel. Der palastartige Bau erstreckt sich über das dreieckige Gelände nördlich der Bahntrasse.
Foto: Bernd Settnik/dpaDie zweigeteilte Monbijoubrücke führt auf den Vorplatz des Museums.
Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpaAuf diesem Bild von 1905 ist noch das Reiterstandbild Friedrichs III. zu sehen, das nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt wurde.
Foto: Hermann Rückwardt /gemeinfrei (PD-US)Von 1898 bis 1904 wurde der Prachtbau als Kaiser-Friedrich-Museum errichtet - hier ein Blick nach oben im kleinen Kuppelsaal.
Foto: ImagoSeit 1956 trägt das Museum den Namen seines Gründers, Wilhelm von Bode.
Foto: ImagoNach einer umfassenden Sanierung seit 1998 wurde das Museum 2006 wiedereröffnet.
Foto: Joachim Schulz/ImagoBlick in die Basilika, den Hauptraum des Museums. Neben dem Münzkabinett ist in dem prächtigen Bau eine reiche Skulpturensammlung in 64 Sälen zu sehen.
Foto: Joachim Schulz/ImagoStatuen im Treppenhaus. Wilhelm von Bode hatte stets die Aufstellung des "kostbaren Originals" in möglichst schöner Umgebung gefordert.
Foto: Joachim Schulz/ImagoAus aller Verhunzung der Nachkriegszeit ist diese Umgebung "eindrucksvoll wiedererstanden", schrieb Bernhard Schulz anlässlich der Wiedereröffnung im Jahr 2006.
Foto: Schöning/ImagoGoldmünze gilt auf dem Kunstmarkt als unverkäuflich
Bei den Passanten rund um die Museumsinsel sprach sich die spektakuläre Tat nur ganz allmählich herum, zumal die Museen montags geschlossen sind. „Des isch ja der Hammer!“, sagte eine schwäbische Touristin, die zuvor vergeblich am vergitterten Haupteingang des Museums gerüttelt hatte und nun von der Tat erfuhr. Die lässt das haushohe Werbeplakat fast als Herausforderung für besonders dreiste Einbrecher erscheinen: „Muse Macht Moneten / Kunst prägt Geld“, steht auf dem blauen Riesentransparent über dem Kupfergraben. Die Ende November gestartete Sonderausstellung soll bis zum 27. Mai laufen. Am Dienstag sei das Haus wieder „ganz normal“ geöffnet, hieß es bei den Staatlichen Museen.
Nach einer ersten Einschätzung der Polizei ist die Goldmünze auf dem Kunstmarkt unverkäuflich, aber wegen ihres Materialwertes attraktiv für Kriminelle. Schlimmstenfalls könnte sie eingeschmolzen werden. „Wir hoffen natürlich, dass die Münze in der Verfassung wiedergefunden wird, in der sie am Sonntagabend war“, sagte der Polizeisprecher am Montagmittag, während hinter ihm ein mattgrüner Transporter der Kriminaltechniker in die Baustraße zum Museum einbog.
Die Berliner Polizei ermittelt am Bodemuseum.
Die Berliner Polizei ermittelt am Bodemuseum.