Blamage gegen Worms : Herthas Spieler kapieren nicht, worum es geht
von Stefan HermannsDie gute Nachricht vorweg: Berlin ist auch in der zweiten Runde des DFB-Pokals noch vertreten, unabhängig davon, wie Union heute in Essen spielt. Eigentlich war auch nichts anderes zu erwarten, wenn die – immer noch halbwegs große – Hertha bei einem Viertligisten antreten muss.
Aber Hertha lässt in diesen Tagen eben keine Gelegenheit aus, sich zu blamieren. Wahrscheinlich haben die Herren Profis am Samstag noch gefeixt, dass ihr früherer Trainer Markus Babbel mit Hoffenheim beim Berliner AK ausgeschieden ist, einem Klub aus der Regionalliga. Die richtigen Schlüsse haben sie leider nicht daraus gezogen.
Video: Peinliche Pleiten für sechs Bundesligisten
Ein bisschen mehr BAK stünde Hertha gut zu Gesicht: sich selbst nicht zu wichtig nehmen, dem inneren Schweinehund wenigstens einen erbitterten Kampf liefern, als Team auftreten. Das alles war bei den Berufsfußballern auch gestern in Worms nicht zu sehen. Man könnte einwenden, dass Hertha im Pokal doch immer schon Schwierigkeiten mit den Kleinen hatte. Alles normal also. Nur ist die Situation bei Hertha derzeit alles andere als normal.
Der Klub steht auf der Kippe.
Nicht nur die Hertha - auch jede Menge Erstligisten sind im Pokal überraschend gescheitert:
Mit 3:0 schickte Erzgebirge Aue Eintracht Frankfurt nach Hause. Im Bild: Aues Jakub Sylvestr jubelt nach seinem Treffer zum 2:0.
Foto: dapdEntsprechend groß war der Frust bei Frankfurts Trainer Armin Veh.
Foto: dpaDas ging Nürnbergs Trainer Dieter Hecking bestimmt ähnlich. Seine Mannschaft verlor mit 2:3 nach Verlängerung gegen den Regionalligisten TSV Havelse.
Foto: dapdGroß war auf der einen Seite die Freude...
Foto: dpa...und auf der anderen Seite die Enttäuschung.
Foto: dapdDer Hamburger SV sieht ohnehin einer schweren Bundesliga-Saison entgegen. Fast könnte man dem bitteren Pokal-Aus (2:4 gegen Drittligist Karlsruher SC) etwas Positives abgewinnen, denn nun können die Hamburger alle Kraft in die Liga stecken.
Aber so haben das die Hamburger (im Bild: René Adler) bestimmt nicht gesehen.
Foto: dpaGrund zum Jubeln hatte am Ende nur der Gegner (im Bild: Karlsruhes Martin Stoll jubelt nach seinem Treffer zum 3:2).
Foto: dapdÜberraschend ging auch die Partie Werder Bremen - Preußen Münster aus. Zwar ging Bremen zweimal in Führung (im Bild: Torwart Daniel Masuch vom SC Preußen Münster kann das Tor zum 2:1 durch Torschütze Niclas Füllkrug von Werder Bremen nicht verhindern.)
Foto: dpaAm Ende aber hieß es 4:2 nach Verlängerung - für Preußen Münster (im Bild: noch etwas weniger groß war die Freude nach dem 1:1-Ausgleich).
Foto: dpaNach dem Spiel kannte die Freude kaum Grenzen...
Foto: dapd...während die Bremer um Fassung rangen.
Foto: dapdBereits am Samstag hatte Drittligist Offenbach Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth besiegt...
Foto: dpa...und dem Berliner AK gelang eine Sensation: ein 4:0-Sieg über Hoffenheim.
Foto: dpaIn die Reihe der Pleiten von Erstligisten gehört Herthas bittere Niederlage gegen Worms zwar nicht - denn Hertha ist ja nur noch zweitklassig. Aus Berliner Sicht ist das frühe Ausscheiden im Pokal aber trotzdem besonders bitter. Lesen Sie hier, warum Herthas Spieler einfach nicht kapieren, worum es geht.
Foto: dapdDas Aus ist nicht nur deshalb ärgerlich, weil den Berlinern insgeheim erhoffte Einkünfte durch die Lappen gehen; es passt auch in das Bild, das Hertha gerade abgibt: Schon jetzt wachsen die Zweifel, dass die Mannschaft ihr Saisonziel erreicht. Bei den Spielern bekommt man immer mehr den Eindruck, dass sie einfach nicht kapieren, worum es geht.
Erst eine Woche ist es her, dass Trainer Jos Luhukay ihnen eine Grundsatzrede widmete. Das Resultat? Gleich null. Man musste nur sehen, wie Änis Ben-Hatira in letzter Minute zur Ausführung eines Eckballs trottete. Als hätte er alle Zeit der Welt.
Herthas Blamage gegen Worms in Bildern:
Berlins Elias Kachunga bekommt den Kopf gewaschen - allerdings nicht für die miserable Leistung seiner Mannschaft, sondern wegen der Temperaturen von über 30 Grad, die die Spieler an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit brachten.
Foto: dapdHier vergibt Hertha eine der seltenen Tor-Chancen: Berlins Adrian Ramos (M.) scheitert in dieser Szene am Wormser Torwart Kevin Knoedler - und setzt auch den Nachschuss aus einem Meter Torentfernung über den Kasten
Foto: dapdEiner der wenigen Lichtblicke: Hier köpft Herthas Niemeyer die Flanke, die zum Ausgleichstreffer (1:1) führt.
Foto: dapdTrainer Jos Luhukay völlig ratlos am Spielfeldrand. Dabei hatte er die Mannschaft mit veränderter Aufstellung auflaufen lassen - ohne Erfolg.
Foto: dpaDie Wormser hatten viel Grund zum Jubeln: Hier freuen sie sich über das 1:0.
Foto: dapdVerzweiflungstat: Der Wormser Martin Röser wird vom Berliner Torwart Philip Sprint gefoult und erhält dafür einen Elfmeter.
Foto: dpaIn Herthas Kader finden sich immer noch zu viele Schönwetterfußballer. Daran ist die Mannschaft schon in der Vorsaison zugrunde gegangen. Man hätte also im Sommer darauf reagieren können. Aber was will man von einem Manager erwarten, der sich einer eingehenden Analyse der Abstiegssaison verweigert? Beziehungsweise dessen tiefschürfende Analyse so aussieht: Wir hätten nur zwei Heimspiele mehr gewinnen müssen.