Die Trainer der Bundesliga in den Medien : Die Imagemacher
von Dominik BardowWenn das Flutlicht im Stadion angeht, stehen sie gar nicht auf dem Rasen. Und trotzdem richten sich alle Blicke am Spielfeld vorbei, an die Seitenlinie, wo sie stehen, winken und dirigieren: die Trainer. Wenn die Fußball-Bundesliga am Freitag in ihre 53. Saison startet, sind sie die eigentlichen Stars: Pep Guardiola beim FC Bayern München, Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund und selbst Jürgen Klopp, obwohl er derzeit gar keinen Klub trainiert. Natürlich bestaunen die Zuschauer die 22 Männer in kurzen Hosen, die dem Ball nachjagen, aber speziell die Kameras konzentrieren sich auf die Trainer, die dem Spiel die Richtung vorgeben und es später deuten. Sie bekommen nach Abpfiff mittlerweile mehr Mikrofone unter die Nase gehalten als die Spieler und sind längst die Gesichter ihrer Klubs geworden.
Das war früher anders. „Da hat sich im Fußball alles auf Leitwölfe wie Mario Basler und Stefan Effenberg konzentriert“, sagt Marc Kosicke, Berater von mehreren Trainern, auch von Jürgen Klopp, im Dokumentarfilm „Trainer!“. „Doch da die Spieler immer weichgespülter werden, fokussiert sich das öffentliche Interesse immer mehr auf die Trainer.“ Die haben noch klare Antworten. Und gerade weil sie medial so beansprucht werden, nutzen sie sich schneller ab.
Was der Durchschnittsdeutsche vom Fußball mitbekommt
Das deutet auch eine Auswertung von Media Tenor an. In 19 Meinungsführermedien hat die Agentur untersucht, wie oft, wie positiv und wie negativ über Vereine und ihre Trainer berichtet wurde, in den vergangenen beiden Spielzeiten und vor der kommenden Saison. Sportseiten wurden dabei ausgespart, es sollte nur darum gehen, was der Durchschnittsdeutsche medial vom Fußball mitbekommt. Dabei zeigen sich klare Trends. „Nur Trainer wie Jürgen Klopp und Pep Guardiola haben verstanden, dass sie auch über die Sportseiten hinaus kommunizieren müssen“, sagt Roland Schatz, Gründer und Geschäftsführer von Media Tenor. Als einzige kamen sie auf über 100 Berichte auf Titelseiten und in Nachrichtensendungen.
Dortmund-Trainer Klopp polarisierte dabei stark in negative und positive Bewertungen. Ein Trainer wie Markus Weinzierl, der den FC Augsburg mit herausragender Arbeit in den Europapokal führte, kam dagegen in der vergangenen Saison nur auf zehn Berichte. Natürlich ist der FC Bayern bekannter und erfolgreicher als der Augsburger Nachbarklub. Aber wer Aufmerksamkeit über die Sportseiten hinaus möchte, der braucht auch Charakterköpfe wie Guardiola oder Klopp, die sich einprägen. Ob Klopps Nachfolger Thomas Tuchel in Dortmund diesen Sprung schafft, muss sich zeigen. Vor Saisonbeginn wurden ihm zumindest schon zehn mehrheitliche positive Berichte gewidmet.
Pal Dardai übernahm Anfang Februar die Trainerstelle von Jos Luhukay. Dem Bundesliga-Rekordspieler von Hertha BSC wurde Rainer Widmayer zur Seite gestellt, einst Co-Trainer unter Markus Babbel in Berlin.
Foto: dpaJos Luhukay kam nach dem Abstieg 2012 zu Hertha. Der Niederländer führte die Berliner mit einem Zweitligapunkterekord zurück in die Bundesliga und erreicht dort im ersten Jahr Rang elf. Im Februar 2015 wurde er nach drei Niederlagen in Folge und dem Sturz auf Platz 17 entlassen.
Foto: dpaNicht mit dem Geldkoffer angereist, aber - hofften die Hertha-Fans - mit dem Rezept gegen den Abstieg im Gepäck: Otto Rehhagel, Herthas 73-jähriger Hoffnungsträger. Die Rettung schaffte aber auch er nicht, Hertha stieg im Sommer 2012 erneut ab.
Foto: dapdZwei von bislang 15 Hertha-Trainern seit dem Aufstieg 1997. Rene Tretschok (r.) und Ante Covic (l.) nahmen beim 1000. Bundesligaspiel von Hertha BSC als Übergangslösung auf der Trainerbank Platz.
Foto: dapdMichael Skibbe übernahm am 1. Januar 2012 das Traineramt bei Hertha BSC, schon am 12. Februar war für ihn nach fünf Pflichtspielniederlagen wieder Schluss. Er war der 13. Hertha-Coach seit dem Aufstieg 1997.
Foto: dpaRainer Widmayer durfte sich in seinem einzigen Spiel als Cheftrainer immerhin über einen Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern freuen.
Foto: dpaWidmayer war zuvor Co-Trainer unter Markus Babbel, der Hertha knapp anderthalb Jahre betreute. Obwohl er hier gut gelaunt am Berliner Gendarmenmarkt posiert, wurde der Bayer nicht so recht warm mit der Hauptstadt. Immerhin liest sich seine sportliche Bilanz durchaus zufrieden stellend: Er führte Hertha zurück in die erste Liga und hielt die Mannschaft in der Hinrunde 2011/12 von den Abstiegsrängen fern. Wenn da nur der Streit mit Michael Preetz nicht gewesen wäre...
Foto: dpaFriedhelm Funkel hatte hingegen keine erfolgreiche Zeit in Berlin. Im Oktober 2009 als Retter geholt, stieg er sieben Monate später dennoch mit dem Team als Tabellenletzter ab. Unter seiner Regie blieb Hertha im eigenen Stadion ohne einen einzigen Sieg in der Bundesliga. Kein Wunder, dass beide Seiten danach nicht weiter zusammenarbeiten wollten.
Foto: dpaLucien Favre war immerhin etwas mehr als zwei Jahre Hertha-Coach. In der Saison 2008/09 versetzte er die ganze Stadt in kollektive Euphorie, weil er mit seiner Mannschaft um die Meisterschaft mitspielte. Letztlich reichte es dann aber "nur" zu Platz vier. Und als in der folgenden Saison plötzlich eine Niederlage auf die nächste folgte, musste der Schweizer seinen Hut nehmen.
Foto: dpaVor und nach Favre war jeweils Karsten Heine Chef auf der Bank. Allerdings beide Male nur kurzzeitig als Interimslösung. Im "Hauptberuf" ist Heine bis heute Trainer von Herthas U23.
Foto: dpaFalko Götz war auf zwei Amtszeiten verteilt mehr als drei Jahre Herthas Trainer. Zunächst 2002 als Aushilfstrainer, dann zwischen 2004 und 2007 als Chef. Die anfängliche Begeisterung für den Coach musste bald Ernüchterung weichen. Hertha konnte sich nicht wie erhofft dauerhaft in der Bundesliga-Spitze etablieren.
Foto: dpaHans Meyer übernahm im Dezember 2003 den in Abstiegsnot befindlichen Verein. Am Ende schaffte er den Klassenerhalt, widmete sich danach aber wieder der Gartenarbeit - zumindest zeitweise.
Foto: dpaAuch Andreas Thom durfte sich als Cheftrainer versuchen. Allerdings nur kurzzeitig und als Interimslösung. Die meiste Zeit war der einigste DDR-Nationalspieler als Co-Trainer unter Falko Götz tätig, auch später noch bei Holstein Kiel. Inzwischen ist er aber wieder zurück in Berlin. Er trainiert Herthas U17.
Foto: dpaHuub Stevens kam als großer Hoffnungsträger im Juli 2002 zur Hertha. Doch die Hertha-Fans nahmen ihn wegen seiner langjährigen Tätigkeit beim im Anhang nicht unbedingt beliebten FC Schalke 04 nicht gerade mit offenen Armen auf. Im Dezember 2003 trennte sich der Verein schließlich wieder von Stevens, der mit der Mannschaft in Abstiegsgefahr geraten war.
Foto: dpaDie letzte große Konstante auf der Hertha-Trainerbank war Jürgen Röber, der die Berliner zwischen 1996 und 2002 betreute und die Mannschaft nach der Rückkehr in die Bundesliga wiederholt ins internationale Geschäft führte. Höhepunkt war das Erreichen der Champions League 1999/2000. Davon kann Hertha BSC im Jahr 2011 nur träumen.
Foto: dpaDoch auch eine zweite Beobachtung hat Media Tenor getroffen. „Mit zunehmend Verweildauer im Amt scheinen die Berichterstatter sich auf den Wechsel zu freuen, anders ist die zunehmende Kritik am Trainer trotz Erfolg nicht zu verstehen“, sagt Geschäftsführer Schatz. Gab es in Guardiolas erster Saison 2013/14 noch 41 positive Berichte über den Bayern-Trainer, waren es in der Folgesaison nur etwa halb so viele (23). In der Vorbereitung auf die kommende Saison war der Tenor sogar mehrheitlich neutral (fünf von sechs Berichten).
Und was ist mit Hertha?
Natürlich hängt das mediale Echo vor allem damit zusammen, ob ein Trainer die sportlichen Ziele verpasst oder erreicht. Journalisten verkünden jedoch meist lieber Wechsel, Kontinuität langweilt die Leser schnell. Gegenbeispiel ist Hertha BSC: Dort wurden vergangene Saison die beiden Trainer Jos Luhukay und später Pal Dardai durchgängig negativ bewertet – obwohl die Berliner ihr Ziel, den Klassenerhalt, erreichten. Ein schönes Beispiel dafür, dass Präsidenten und Manager nicht allein ihrem Trainer überlassen sollten, das Image ihres Klubs zu prägen. Wenn ab Freitag der Ball rollt, sollte das Flutlicht also am besten auf mehrere Köpfe fallen.
Ein Mann, wie ein Schrei: BVB-Trainer Jürgen Klopp zeigt gegen Hoffenheim vollen Einsatz.
Foto: dpaDas ist kein Jubel, das ist Erleichterung: Jürgen Klopp beim 1:0 durch Ilkay Gündogan.
Foto: AFP... und hoch das Bein.
Foto: AFP... und raus die Fäuste
Foto: AFP... und beides zusammen.
Foto: AFPKlopp in Ekstase.
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