Hertha, Eisbären und Co. : Warum der Sport für Berlin so wichtig ist
von Christian HönickeBarca? Steht für Barcelona. Borussia? Für Dortmund. Real? Madrid. Bayern? München. Das wissen Milliarden Fernsehzuschauer weltweit nicht erst dann, wenn in dieser Woche das Halbfinale im europäischen Städtewettkampf, die Fußball-Champions-League, stattfindet. Und was steht für Berlin?
Momentan noch die zweite deutsche Liga. In der Klasse der Champions wird die deutsche Hauptstadt auf absehbare Zeit nicht vertreten sein. Doch der Hauptstadtclub Hertha und somit Berlin werden zumindest in die Bundesliga zurückkehren, schon am heutigen Sonntag kann es so weit sein.
Bald also spielt Hertha wieder im Kreis der Großen, dort, wo ein Großteil des Berliner Sports schon ist. Denn in den wichtigsten Sportarten sind Berliner Clubs spitze. Die Eisbären und die BR Volleys stehen gerade mal wieder im Finale um die Meisterschaften in Eishockey und Volleyball, Alba rechnet sich nach dem Pokalsieg im Basketball noch mehr aus, und die Füchse haben sich innerhalb kürzester Zeit in der Handball-Spitzengruppe etabliert, genauso wie der basisorientierte Kultfußballklub 1. FC Union in der Zweiten Liga. Dazu kommen Großveranstaltungen wie das Istaf, der Marathon oder das DFB-Pokalfinale.
Immer rin, rin, rin. Der Einlass hat begonnen.
Foto: Kai-Uwe HeinrichJa, schön war es in der Zweiten Liga - wenn auch manchmal Rauch die Sicht vernebelte. Doch auch wenn wir hier in Dresden mal ein Spiel verloren ging: Der Stimmung im Hertha-Block hat das eigentlich nie einen Abbruch getan. Aber noch besser wird es in der Ersten. Natürlich. Doch jetzt erstmal: der Blick zurück!
Foto: Kai-Uwe HeinrichDie Saison 2011/12 endete leicht traumatisch. Schuld war die Relegationsniederlage gegen den Club aus Düsseldorf. Die stiegen auf und wir ab. Da muss dann schon mal der Kaffeebecher eines Kollegen dran glauben.
Foto: Kai-Uwe HeinrichMancher wendet sich in schlechten Zeiten ab. Ein Herthaner sagt: Jetzt erst recht!
Foto: Kai-Uwe HeinrichAuswärts nach Köpenick. Gemütlich, sympathisch, aber ein wenig klein.
Foto: Kai-Uwe HeinrichLustig. Der Kumpel (unten mit Ringelmütze) bekommt langsam Schwierigkeiten mit dem Erklimmen des Zauns.
Foto: Kai-Uwe HeinrichDie Stimmung bei der Fangemeinde ist gut. Genau wie das Bierangebot zur routinemäßigen Nachbearbeitung des Erlebten.
Foto: Kai-Uwe HeinrichAuswärtsfahrt heißt gleichzeitig Reiseverpflegung besorgen. Vorzugsweise alles, was in Plastik daherkommt - Glasflaschen sind in Fanzügen ja verboten. Also: Knorpelbouletten und Plastikbier.
Foto: Kai-Uwe HeinrichRustikale Verpflegung sorgt für rustikale Schlafgeräusche...
Foto: Kai-Uwe HeinrichBeruhigend, oder befremdend - die Präsenz der Staatsmacht. Aus dem Zug, in den Bus, in das Stadion. War am Dresdner Hauptbahnhof ein Rohr geplatzt, oder warum war da alles nass, als wir ankamen?
Foto: Kai-Uwe HeinrichAlle sind sie da: Sympathieträger, Edeljackenträger, Ordnerwestenträger und Helmträger.
Foto: Kai-Uwe HeinrichAuswärts fast über den roten Teppich... Im Cottbuser Stadion fühlt man sich willkommen.
Foto: Kai-Uwe HeinrichDie Parole ist das Ziel.
Foto: Kai-Uwe HeinrichSelbst wenn der Zug kurz vor Berlin auf offener Strecke liegen bleibt. Wir sitzen wie die Hühner auf der Stange plus Bodenhaltung.
Foto: Kai-Uwe HeinrichUnd wer glaubt, das ist aus der Bordküche, der irrt!
Foto: Kai-Uwe HeinrichMV steht an. Mitgliederversammlung. Mit allem Pipapo. Inklusive alkoholfreiem Bier. Auf Wunsch gibt es zuckerfreie Limonade und, ob man will oder nicht, geschmacksfreien Bouletten.
Foto: Kai-Uwe HeinrichSpielfrei heißt nicht spaßfrei.
Foto: Kai-Uwe HeinrichAls wäre es nicht schon kalt genug! Abkühlung am Stadion-Imbiss.
Foto: Kai-Uwe HeinrichZweete Liga - BSCeeeee. Offensichtlich nicht jedermanns Sache. So leer ist es hier selten.
Blöd, wenn der Dauerkartenstammplatz hinter der Flatterleine ist, die wegen Rutschgefahr im Winter ganze Blöcke absperrt. Ist ja auch sonst nichts frei....
Foto: Kai-Uwe HeinrichAbwechslung muss sein. Kein Schnee, dafür Glatteis. Übrigens wirklich verdammt glatt...
Foto: Kai-Uwe HeinrichEine weitere Gefahr! Jungherthaner, die versuchen, einem die Augen auszupieken, und schnattern, bis einem schwindelig wird!
Foto: Kai-Uwe HeinrichHat man auch das hinter sich gelassen, ist ein Kopfsprung in einen Schneeberg Pillepalle.
Foto: Kai-Uwe Heinrich (eigentlich Marcel G.)Auswärtsspiel bedeutet aber manchmal auch Heimspiel in der Stammkneipe. Zum Beispiel in der Destille am Mehringdamm. Kenner verstehen das: Nussschnaps, Nussschnaps, Nussschnaps! Guten Morgen!
Foto: Kai-Uwe HeinrichOder Klamotten lüften auf dem Tresen.
Foto: Kai-Uwe HeinrichManchmal aber auch im Goldesel. Nein, es geht hier nicht um das Kneipenquartett!
Foto: Kai-Uwe HeinrichWo sonst kann man so schön die nächsten Auswärtsfahrten planen?
Foto: Kai-Uwe HeinrichUm letztendlich doch wieder durch Westend zu ziehen...
Foto: Kai-Uwe HeinrichNach Hause, geh'n wa' dann!
Foto: Kai-Uwe HeinrichDiese Vielfalt passt hierher, weil sie den seltsamen Flickenteppich Berlin in all seinen Facetten widerspiegelt. Was für andere Großstädte normal ist, funktioniert in dieser zusammengeschweißten Metropole manchmal nicht sofort, ob es um Flughäfen, Bahnhöfe oder Bundesliga-Fußball geht. Dafür wachsen aus den immer noch ersichtlichen Trümmern Pflänzchen, die andernorts nie keimen würden. Das gilt im Sport auch deswegen, weil eben nicht ein Verein alles überstrahlt wie in München die Bayern.
Man kann zum Sport stehen, wie man will, aber er ist wichtig für die Stadt – zum Beispiel als Werbung und Wirtschaftsfaktor. Laut einer Studie der IHK löst Sport für Berlin als „bedeutender Imagefaktor“ vor allem in den Bereichen Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie pro Jahr Wirtschaftsimpulse von mehr als 170 Millionen Euro aus.
Doch der Sport karrt nicht nur Touristen heran, er ist auch essenziell für das Selbstverständnis der Stadt, um Emotionen zu erzeugen, Identifikation zu schaffen, Ziele auszugeben und zu verfolgen. Er teilt der Welt mit, dass Berlin mehr kann und will, als sich als Kultobjekt zu inszenieren und vom Geld anderer zu leben. Und er lehrt, dass es nicht reicht, einen großen Namen und eine bewegte Geschichte zu haben. Wer sich nicht immer wieder neu beweist, Tag für Tag, Spiel für Spiel, dem droht der Abstieg – Hertha hat dies zweimal schmerzhaft erfahren müssen.
Den Anspruch, mindestens in der ersten Liga mitspielen zu wollen, den darf man ohne Arroganz schon allein an der schieren Größe Berlins ableiten. Im Sport kann man sehen, wie das trotz des überschaubaren Reichtums der Stadt klappen kann: mit harter Arbeit und guten Ideen.
Nebenbei zeigt der Erfolg der Vereine auch, wie unsinnig die Ablehnung von Zuzüglern ist und auch die Angst vor ausländischen Investoren. Wenn man sich die Kader, Geschäftsstellen und Trainerbänke der Clubs anschaut, wird man kaum einen gebürtigen Berliner finden. Der einstige Hohenschönhauser Kiezclub Eisbären gehört inzwischen sogar einem Investor aus den USA. Zugejubelt wird ihnen trotzdem. Warum auch nicht? Sie alle sind Berlin – und bringen die Stadt ein Stück voran.