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Foto: Imago
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Schon anstrengend. Vehanen nach dem Spiel in Köln.

Die Eisbären und ihr Torhüter Alter Finne

Eine kleine Körpertäuschung, dann die Scheibe schön am Torwart vorbeigezogen und der Puck war so gut wie im Berliner Tor. Felix Schütz hatte alles richtig gemacht. Der Stürmer der Kölner Haie führte seinen Penaltyschuss am Dienstagabend intelligent aus und hatte offensichtlich einen Plan. Aber offensichtlich hatte er den Plan ohne Petri Vehanen gemacht. Denn als Schütz den Puck vorbei am scheinbar geschlagenen Torwart ins Netz schieben wollte, huschte im letzten Moment noch der Stock von Vehanen dazwischen. Kein Treffer. Eine Wahnsinns-Parade – so etwas kann in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nur der Finne aus Berlin.

Nach dem 4:2-Erfolg der Eisbären von Köln bedankte sich Uwe Krupp brav beim Torwart. Das wird von einem Trainer in so einer Situation erwartet. Krupp betete also runter: „Petri Vehanen war heute wieder stark. Er gibt uns momentan in jedem Spiel eine Chance, zu gewinnen.“ Tatsächlich eroberten die Berliner nach 16 Spielen am Dienstag wieder die Tabellenspitze. Das ist beachtlich – genauso wie der Umstand, dass der Torwart, der den Eisbären jedes Spiel eine Gewinnchance gibt, schon sehr reif ist. Vor zwei Wochen ist Petri Vehanen 40 Jahre alt geworden.

Vor einem Jahr ist Petri Vehanen mal wieder morgens mit Schmerzen in den Knochen aufgewacht und hat gedacht: „Warum tust du dir das eigentlich immer noch an?“ Irgendwann muss doch mal Schluss sein mit der Karriere auf dem Eis. Aber dann gefiel es ihm und seiner Familie so gut in Berlin, dass er im Sommer wieder ein Jahr drangehängt hat.

Vehanen will in Berlin einen Titel gewinnen

Sicher liegt es auch daran, dass Vehanen nicht nur Lust am Sport hat, sondern sein viertes Jahr in Berlin mit einem Titel beschließen will. Die Chancen darauf stehen gut: Der neue Erfolg der Eisbären ist nämlich nicht nur ein Verdienst des Torwarts – der ist schon seit 2014 da. Auch die neuen Strukturen der Mannschaft tragen dazu bei. Unter den besten fünf Scorern der Eisbären finden sich aktuell vier Spieler, die vor Saisonbeginn kamen. Nach dem Spiel in Köln sagte Vehanen: „Wir sind in dieser Saison stärker besetzt, das macht es auch einfacher für mich.“

Es ist erstaunlich, dass Vehanen nie in der National Hockey-League (NHL) gespielt hat. Dafür gewann er in der Kontinental Hockey League (KHL) 2010 mit Kasan den Titel, 2011 wurde er mit Finnland sogar Weltmeister. Was will so ein Spieler eigentlich in Berlin? Er hätte doch auch in der Heimat seine Karriere ausklingen lassen können, in seiner Geburtsstadt Rauma vielleicht. Ein beschauliches Städtchen im Süden Finnlands, bei seinem Stammverein Lukko. Aber das ist Vehanen dann wohl doch zu lapidar – und womöglich auch zu anstrengend.

In der DEL ist er in seinem Alter besser aufgehoben: Vehanen weiß um die qualitativen Schwachstellen seiner aktuellen Liga, findet das aber alles nicht so schlimm. Er glaubt, in Deutschland sei es spannender für die Zuschauer. Das muntere „Rauf und runter auf dem Eis“ habe schon etwas.

Ein Mann großer Worte ist er nicht

Die Kölner hätten auch ein wenig mehr Verkehr vor dem Tor von Vehanen veranstalten können. So aber lief das Spiel am Dienstag günstig für Vehanen: Im Duell eins gegen eins ist er eine Bank. Und dann ist da noch diese enorme Ruhe, die er ausstrahlt. So etwas nervt den Gegner.

Das Spiel in der DEL kommt dem Finnen entgegen. Denn da geht es taktisch unsortierter und holpriger zu als in Finnland. So viele Breaks – auf beiden Seiten – wie am Dienstag in der Kölnarena gibt es in der gesamten finnischen Liga in allen Spielen des Wochenendes zusammengenommen nicht. Der Kölner Angreifer Kai Hospelt sagte: „Wir müssen da mehr für unseren Abschluss tun, dem Torwart auch mal häufiger die Sicht nehmen.“

Bei allen Einschränkungen aber lässt sich nicht bestreiten, dass Vehanen bei den Eisbären ein wichtiger Mann ist. Ein Mann der großen Worte ist er nicht, Vehanen sagt von sich selbst, dass er in der Kabine nicht so viel spreche und eher so etwas wie „ein stiller Anführer“ sei.

Und in diesem Jahr könnte er seine Mannschaft mit aller nötigen Ruhe ganz weit führen. Was nach der Saison passiert? Dann soll Schluss sein bei Petri Vehanen mit dem Leben als Eishockeyprofi. So hat er es geplant. Aber was heißt das schon? Die Eisbären würden ihn sicher noch einmal ein Jahr länger beschäftigen. Ohne Frage.

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