10 Jahre iPhone : Das erste Smartphone war ein Nokia
von Helena Wittlich und Ralf SchönballAm 15. August 1996 bringt der finnische Mobilfunkhersteller Nokia das erste Smartphone in die Läden, den "Nokia 9000 Communicator". Das Unternehmen preist es als "Büro im Westentaschenformat" an. Dabei wiegt das Gerät fast ein halbes Kilogramm, viermal so viel wie das iPhone. Ein Schnäppchen ist das neue Handy auch nicht, es kostete 2700 D-Mark, also knapp 1400 Euro. Neben Telefonieren kann es auch Faxe und Emails senden und empfangen, und sogar per HTML-Browser auf Websites zugreifen – das allerdings nur sehr, sehr langsam.
Die ersten Reaktionen sind dementsprechend zurückhaltend. Außerdem ist man sich uneinig, ob nicht das IBM-Gerät, der "Simon Personal Communicator" das erste Smartphone war. Doch mit "Simon" kann man nicht im Web surfen, ein zentrales Kennzeichen eines Smartphones. IBM zieht sich auch bald wieder vom Markt zurück, 1998 legt das Unternehmen mit WAP-fähigen Geräten nach. So sollen mobile Webseiten schneller abrufbar werden. Den Begriff "Smartphone" prägt erst zwei Jahre später das schwedische Unternehmen Ericsson, das sein Modell R380 als solches bewirbt. 2002 bringt Blackberry sein erstes Smartphone auf den Markt.
Das Nokia Communicator 9000 war das erste Smartphone.
Das Nokia Communicator 9000 war das erste Smartphone.
Das erste iPhone
Der große Hype um die neue Technologie beginnt erst fünf Jahre später, als Apple-Chef Steve Jobs am 9. Januar 2007 das erste iPhone vorstellte. Der Mitbegründer des Konzerns führt ein einziges Gerät vor, dass drei Geräte in einem umfasst: einen iPod, ein Mobiltelefon und ein mobiles Kommunikationsgerät. Vor allem soll es im Vergleich zu den Vorgängermodellen der Konkurrenz leicht und intuitiv zu bedienen sein. Dafür hat das neue iPhone keine Tastatur mehr, sondern einen großen berührungsempfindlichen Bildschirm. Am ersten Verkaufstag im Juli wechseln 270 000 Geräte den Besitzer.
Geräte, die Geschichte schrieben: Wir zeigen die wegweisendsten Produkte der Firma Apple.
Fotos: Apple1976: Apple I.
Der Ur-Apple war ein Bausatz – ohne Bildschirm, Tastatur, Netzteil und Gehäuse. Nur 200 Stück wurden vom Apple I verkauft, der Apple II ging zwei Millionen Mal über den Ladentisch.
Foto: Ullstein1984: MacIntosh.
Der Mac läutete eine Revolution ein. Statt Textkommandos gab es eine Maus und eine grafische Benutzeroberfläche. Seither tragen alle Apple-Computer das Mac im Namen.
Foto: Apple1998: iMac.
Bunt statt grau: Mit dem vom Jonathan Ive gestalteten Kompakt-Computer schaffte Steve Jobs nach seiner Rückkehr zu Apple die Trendwende...
Foto: Apple... Das farbenfrohe Gehäuse war ein beliebter Blickfang.
Foto: Apple2001: iPod.
Der iPod begründete den Siegeszug des digitalen Musikspielers. Das Besondere war auch hier die Steuerung: Navigiert wurde per „Click Wheel“. Das Gerät speichert auch Kontakte und Spiele.
Foto: Apple2006: AppleTV.
Die Rechte am Namen iTV waren schon vergeben. Fernsehen kann man mit dem AppleTV nicht, dafür aber iTunes-Videos, Youtube-Clips und Filme aus dem eigenen Netzwerk wiedergeben.
Foto: Apple2007: iPhone.
Mit dem iPhone präsentierte Apple eines der ersten Smartphones, das Telefon, Medienspieler und Internetzugang in einem ist. Das berührungsempfindliche Display ermöglichte eine komplett neuartige, benutzerfreundliche Bedienung.
Foto: Apple2008: Macbook Air.
Das größte Argument des Macbook Air ist sein Format: Mit nur 17 Millimetern Höhe wiegt es gerade mal 1,08 Kilogramm...
Foto: Apple... Der Aluminiumkorpus ist aus einem Guss gefertigt und deshalb besonders robust.
Foto: Apple2010: iPad.
Die Einführung des iPads markiert den Beginn der Ära der Tablet-PCs. Sein Bedienkonzept kommt ohne Tastatur und Mausanzeiger aus...
Foto: Apple... Das iPad zielt zugleich auf den E-Book-Markt ab.
Foto: Apple2012 stellte Apple das iPhone 5 vor. Später kam beim iPhone 5s beispielsweise ein Fingerabdrucksensor dazu.
Foto: dpa2013 brachte Apple eine dünnere Version des iPads heraus: das iPad Air. Hier zu sehen mit der kleineren Ausgabe, dem iPad Mini.
Foto: dpa2014: Das iPhone 6 ist deutlich größer als das iPhone 5 - übertroffen nur noch vom iPhone 6 plus, das sich angeblich bei einigen Nutzern in der Hosentasche verbog, weil es sehr dünn ist.
Foto: dpaDoch Jobs verfehlt das selbstgesetzte Ziel, mit dem iPhone auch die nicht technikbegeisterte Zielgruppe anzusprechen. Mit seinen 599 US-Dollar inklusive eines Mobilfunkvertrags ist das erste iPhone zu teuer für die breitere Masse. Diese Kritik nimmt sich der Apple-Chef zu Herzen. Das nächste Modell, das iPhone 3G, das Jobs im Juni 2008 vorstellte, kostet nur noch 199 US-Dollar plus zusätzlichen Handyvertrag.
Die Konkurrenz zieht nach
Die ursprünglichen Pioniere der Handytechnik wie Nokia, Motorola und Blackberry sind überrumpelt von dem Konzept und haben keine Antwort parat. Nur Google-CEO Eric Schmidt, der Aufsichtsratsmitglied bei Apple ist, hat von den Plänen Wind bekommen. Deswegen hat er bereits 2005 das Start-Up Android übernommen. Nach der iPhone-Premiere soll Android ein alternatives mobiles Betriebssystem entwickeln. Im Oktober 2008 kommt dann mit dem HTC Dream das erste Android-Smartphone auf den Markt.
Im Juli 2009 veröffentlicht Samsung, der heutige Marktführer, erstes Gerät mit Android-Betriebssystem, das Galaxy GT-i7500. Im gleichen Jahr erscheint die dritte iPhone-Generation. Nur ein Jahr später präsentiert Steve Jobs das iPhone 4 im komplett neuen Design. Das Gerät bricht alle Verkaufsrekorde, obwohl Nutzer Probleme mit Antenne und Empfang melden. Jobs stirbt am 5. Oktober 2011 - nur einen Tag nachdem Tim Cook, Jobs Nachfolger das iPhone 4S präsentiert.
Zehn Jahre nach dem ersten iPhone ist Samsung Marktführer. 2016 rechnete das Unternehmen mit 350 Millionen verkauften Geräten. Apple verkaufte 211,9 Millionen iPhones. Und auch die Nummer 3 unter den Smartphone-Herstellern, der chinesische Hersteller Huawei, verkündete auf der Welt größten Technikshow in Las Vegas, die Nummer 2 anzugreifen. Mit seinem neues Spitzenmodell „Mate9“ mit installiertem Sprachassistenten „Alexa“ will es dem iPhone 7 Konkurrenz machen.