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Foto: Jörn Hasselmann
Foto: Jörn Hasselmann

Vor dem besetzten Haus Großbeerenstraße 17a haben sich Unterstützer versammelt.

Berlin-Kreuzberg Hausbesetzer dürfen zunächst bleiben

In der Kreuzberger Großbeerenstraße ist am Samstagnachmittag ein seit längerem leerstehendes Haus besetzt worden. Einige Personen befänden sich im Gebäude, weitere 50 bis 60 hielten sich vor dem Haus auf, hieß es am Abend bei der Polizei, die mit einer Einheit angerückt war. Die Lage sei ruhig, hieß es. Die Beamten beobachteten nur.
In einer Mitteilung erklärte sich eine „Hausprojektgruppe“ für die Besetzung des Gebäudes mit der Hausnummer 17a verantwortlich. Nach Angaben ihres Sprechers Max Polder plane man, in dem ebenfalls seit Jahren leerstehenden Gewerberaum im Haus ein „nachbarschaftliches soziales Projekt“ entstehen zu lassen. Den Bedarf wolle man mit allen Interessierten beraten. Die Gruppe suche seit Jahren nach einer Möglichkeit für ein Zusammenleben nach dem Prinzip gegenseitiger und solidarischer Unterstützung. Das Haus gehöre der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft, hieß es von Seiten der Besetzer. Sie sei die größte von 51 katholischen Siedlungsgesellschaften. Die Besetzergruppe erinnerte aber auch an den Kauf eines verrufenen Häuserblocks in der Harzer Straße in Neukölln vor sieben Jahren durch die Gesellschaft, der in ein vorbildliches Integrationsprojekt für Roma-Familien umgewandelt wurde.
Denn ein Vertreter der Wohnungsgesellschaft hatte zugesagt, dass eine Wohnung vorerst zwischengenutzt werden könne und in der kommenden Woche weiterverhandelt werden solle. Die Gesellschaft verzichtete auf eine Strafanzeige, sodass es am Wochenende keine Räumung geben wird. Am frühen Abend rückte der größte Teil der Polizei wieder ab. Die Versammlung vor dem Haus habe sich dann aufgelöst. Vor Ort hatte sich die Bundestagsabgeordnete Canan Bayram (Grüne) über die Lage informiert. Am Sonntag feierten Aktivisten und einige Politiker die Besetzung als erstes Abrücken von der so genannten Berliner Linie. So twitterte die grüne Abgeordnete "Heute entscheidender Schritt zum Züricher Modell und weg von Berliner Linie geschafft." In Zürich darf nur geräumt werden, wenn es einen Strafantrag gibt und zusätzlich die Zusicherung, dass das Haus schnell wieder genutzt wird. Im Juni hatte sich der Koalitionsausschuss mit dem Thema befasst, nachdem Pfingsten das Haus einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft geräumt worden war.

Am Freitag hatten einige Aktivisten den Google-Campus in Kreuzberg besetzt, waren aber nach einer guten Stunde von der Polizei geräumt worden.

Foto: Jörn Hasselmann

Aus dem Haus Großbeerenstraße 17a hängen Transparente.

Foto: Jörn Hasselmann

Aus dem Haus Großbeerenstraße 17a hängen Transparente.

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