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Foto: Laura Hofmann
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Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher setzt auf Bürgerbeteiligung.

Haus der Statistik Leuchtturmprojekt für Bürgerbeteiligung

Das Haus der Statistik am Alexanderplatz, zurzeit noch Betonruine, soll ein Leuchtturmprojekt werden. Seit zehn Jahren steht das 1968 errichtete Gebäude leer, nun soll es mit Leben gefüllt werden, und zwar so schnell, wie das in Berlin eben möglich ist.

Künftig soll aus dem bereits bestehenden Gebäudekomplex und den geplanten Neubauten auf dem Areal ein neues Quartier für Verwaltung, Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen werden. Im Gespräch sind unter anderem eine Kita, eine Obdachlosenanlaufstelle, die Kältehilfe, ein Seniorentreff und gastronomische Angebote.

Für die Realisierung des Projekts haben sich in diesem Jahr die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Bezirk Mitte, die Genossenschaft Zusammenkunft Berlin und die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) zusammengetan, ein bisher noch ungewöhnliches Bündnis, das aber Signalwirkung auch für andere Projekte in der Stadt haben könnte.

Berliner können sich als Jurymitglied bewerben

Für Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) gab es am Freitag endlich mal wieder gute Nachrichten zu verkünden: Sie eröffnete das sogenannte Werkstattverfahren, in dem zum einen das städtebauliche Konzept des Gebäudekomplexes, koordiniert durch ihre Verwaltung, entwickelt wird.

Auf einer zweiten Ebene des Verfahrens verantwortet die Genossenschaft Zusammenkunft Berlin die Mitwirkung der Stadtgesellschaft an dem Projekt. Neben gängigen Formen der Partizipation wird es auch ein Gremium geben, bestehend aus zwölf Gutachtern und zwei Vertretern der Zivilgesellschaft, das im Laufe des Planungsprozesses über Zwischenergebnisse und am Ende über das städtebauliche Konzept entscheidet. Berliner können sich noch als Jurymitglieder bewerben.

Haus der Statistik als Beispiel für kooperative Stadtentwicklung

Bei Lompscher kamen beim Termin am Freitag auch „heimische Gefühle“ auf: Im ehemaligen Fahrradladen Flöckner, der jetzt als Werkstatt für die Diskussionen rund ums Haus der Statistik dient, hat sie früher Fahrräder gekauft. „Das Haus der Statistik ist ein guter Ort, um einzuüben, wie kooperative Stadtentwicklung in der Zukunft aussehen soll“, sagte sie.

Auch im Hinblick auf die Gestaltung der historischen Mitte sei das ein Zeichen. Christian Schöningh von der Genossenschaft Zusammenkunft hofft ebenfalls, dass der Zusammenschluss zwischen den landeseigenen Gesellschaften und seiner Initiative zur „Blaupause für die ganze Stadt“ wird. Bis Anfang des Jahres soll das städtebauliche Konzept stehen, das dann als Grundlage für einen Bebauungsplan dienen wird.

Stadtrat Gothe wünsche sich "kreativen Campus"

Wie viel Platz genau für die verschiedenen Nutzungen zur Verfügung steht, wurde nicht kommuniziert. Die Rede ist aber von etwa 300 Wohnungen. Rund 40 Prozent des bereits bestehenden Gebäudes wird die Landesverwaltung einnehmen, das Rathaus Mitte soll in einen Neubau auf dem Gelände ziehen.

Stadtrat Ephraim Gothe (SPD) wünscht sich ein „Rathaus in der Mitte eines kreativen Campus“. Die ersten Mieter sollen nach Angaben der BIM im Jahr 2023 einziehen. Die neue Fassade, die das Architekturbüro „de+ architekten“ in Weiß gestalten will, wird wohl erst in der Endphase der Sanierung entstehen, also ab 2022 – wenn alles nach Plan läuft.

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