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Ey, ihr Piepels!

Lustiges Taschenbuch Lustijer Quak! Berlin-Entenhausen im Comic

Thomas Wochnik

Im malerischen Cornwall bewohnt Lord Lumpton eine eigene Burg. Seine Vergangenheit umhüllt ein dichter Nebel. Als Donald Duck und seine drei Neffen Tick, Trick und Track ihn aufsuchen und Fragen stellen, wird er ungehalten – „Uff jehn Fall hatta wat zu verberjen“, mutmaßen die drei jungen Erpel. Sogleich nimmt die Geschichte Fahrt auf. Nur knapp einem Anschlag auf Leib und Leben entkommend, führt die mit ruppigen Federn verberlinerte Erzählung die Entenhausener über altenglische Druidenkulte und Steinkreise hinein in die Sphären des Weltwissens, wo sich alle Erzählstränge, Verdachtsmomente und Erfüllungsfantasien verdichten. Eine Geschichte über Habgier, Einsamkeit und Versöhnung mit überraschender Wendung – wenn man sie nicht schon kennt. Denn das aktuelle Lustige Taschenbuch enthält keine neuen Geschichten, dafür sechs alte neu erzählt. Auf Berlinerisch. Ein klarer Fall von Dialektliteratur.

Wer ein Faible für kuriose Ausgaben hat, wird hieran sowieso Gefallen finden. Dass es keine neuen Geschichten sind, wird für Sammler sogar zum Vorteil, lassen sich die zwei Versionen doch vergleichend nebeneinanderhalten. Was geschieht mit einer Geschichte, wenn sie einmal auf Entenhauserisch-Deutsch und einmal im Berliner Dialekt erzählt wird? Fragen wir die Soziolinguistik. Die sagt: 1. Der Gebrauch des Dialekts hängt von der Aufmerksamkeit des Sprechers und dem Sprechkontext ab. Je mehr er sich gehen lässt, umso mehr neigt er zur Mundart. 2. Führt er ein Gespräch mit jemandem, der einen höheren Dialekt spricht, legt er das Lokale zunehmend ab und spricht ebenfalls höher – zum Beispiel Hochdeutsch. Oder als Entenhausener in Cornwall Englisch. Das Erpelquartett widerlegt alle Theorie. Nach den ersten paar Seiten in Berlin bricht es in die Welt auf – erst die letzte Geschichte des Taschenbuchs spielt wieder in Berlin. Überall berlinern alle. Kurierfahrer und berühmte Milliardäre, englische Lords, Geheimdienstchefs wie Gangster. Lustig ist das allemal.

Leider keine neuen Berlingeschichten

Es ist nur so: Wenn man sich schon die ganze Welt als berlinernd vorstellt – sozusagen von der Dialektliteratur zur Dialektdiktatur – dann sollte man sich überlegen, wie man berlinert. Der Berliner Dialekt ist in hohem Maße uneinheitlich: Spandauer berlinern anders als Neuköllner, als Lichtenberger etc. „Meesta“ versteht nicht gleich, wer „Maista“ sagt. Die Idee hätte also zugegeben aufwendige, eigens hierfür geschriebene Bezirkskapitel nahegelegt. Wie es ist, schwächelt der erwartete Charme leider an einem Durcheinander der Schreibweisen, über die auch gestandene Berliner beim Lesen stolpern. Natürlich, in erster Linie ist es ein Taschenbuch für Kinder. Vielleicht merken die das eh nicht. Auch das stünde aber im Widerspruch zu so mancher Erkenntnis der Soziolinguistik.

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