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Foto: imago stock and people
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King of Pop: Michael Jackson wäre am 29. August 2018 60 Jahre alt geworden.

Musical-Weltpremiere in Berlin Der King of Pop wäre 60 Jahre alt geworden

Es gibt nicht viele Berliner, die sich rühmen können, Michael Jackson, der King of Pop, habe sie in ihrem Heim besucht. Die 61-jährige Fatou ist ein Mitglied in diesem exklusiven Zirkel, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie sich an die königliche Visite erinnert. Schließlich liegt die schon 16 Jahre zurück und außerdem ist Fatou eine Gorilladame.

Warum sich Jacko mehr für die Gorillas als die Schimpansen begeisterte und bei seinem Berlin-Trip 2002 ausgerechnet diese im Zoo besuchte, erklärt sich vielleicht dadurch, dass er letztere Spezies in Gestalt seines Hausaffen Bubbles ohnehin immer vor Augen hatte. Auch die Rehe konnte er aussparen, sollte ihm doch damals eines in Berlin überreicht werden, ein goldenes sogar, Bambi mit Namen. Und wäre nicht diese dumme Sache im Adlon gewesen, der letzte Berlin-Besuch Jackos am 19. November 2002 wäre noch einmal eine glanzvolle Feier geworden. Doch im Überschwang der Begeisterung hatte er seinen jüngsten, neun Monate alten Sohn Prince Michael Jackson II aus einem Fenster des Hotels gehalten, was als „Baby-Baumeln in Berlin“ die Runde um den Globus machte. Berlin, Deutschland, die Welt waren schockiert, Michael Jackson entschuldigte sich zerknirscht.

Foto: imago/Olaf Selchow

Dieses Bild ging als „Baby-Baumeln in Berlin“ um die Welt.

Foto: imago/Olaf Selchow

Dieses Bild ging als „Baby-Baumeln in Berlin“ um die Welt.

Dieser mediale Super-Gau in Michael Jacksons Berlin-Auftritten spielt in dem biografischen Musical „Beat it!“, das heute Abend, zum 60. Geburtstag des Bühnenkünstlers, im Theater am Potsdamer Platz Weltpremiere feiert, erwartungsgemäß keine Rolle, die anderen Berlinensien im Leben Jackos auch nicht. Die Stadt an der Spree war eben nur eine von zahllosen Auftrittsorten weltweit, wenngleich wohl der einzige, der Jackson zu einem Gedicht inspiriert hat: „Berlin 1989“, auf Deutsch erschienen 1992 in seinem Buch „Dancing the Dream – Gedichte und Gedanken“.

Es geht – der Titel deutet es an – um den Mauerfall, für den der Dichter eine sehr eigene Erklärung findet. „Sie hassten die Mauer, aber was konnten sie tun?“, leitet Jackson sein Poem ein, lässt dann das verhasste Bauwerk selbst sprechen: „Ich lehre euch schon Mores“ – offenbar hatte man keinen kongenialen Übersetzer gefunden. Den Fall der Mauer deutet dann auch Jackson als kollektiven Akt. Alle erinnern sich an die Verwandten auf der anderen Seite, versuchen mit einer Art Röntgenblick der Liebe durch das Bauwerk zu blicken, bis es zerbricht: „Eine Million Herzen hatten zueinander gefunden.“

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Die Mauer hatte Jackson noch selbst erlebt, sein erster Auftritt in der geteilten Stadt war geradezu auf sie ausgerichtet. Schon 1987, zur 750-Jahr-Feier Berlins, hatte es an drei aufeinander folgenden Tagen Konzerte vor dem Reichstag gegeben, damals war es auf der anderen Seite der Mauer zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Fans und Sicherheitskräften gekommen. Ein Jahr später, als West-Berlin europäische Kulturhauptstadt war, blieb es bei einer erneuten Konzertreihe, diesmal mit Jacko als Top-Act, jenseits der Mauer vergleichsweise ruhig, die Vopos gingen jetzt lieber gegen die West-Presse vor, die über die Ost-Fans berichten wollten.

Foto: Astrid Riecken/dpa

Als Michael Jackson 2009 überraschend starb, trauerten Berliner Fans am Alexanderplatz.

Foto: Astrid Riecken/dpa

Als Michael Jackson 2009 überraschend starb, trauerten Berliner Fans am Alexanderplatz.

Es war das Jahr, in dem die Jackson-Hysterie, jedenfalls in Berlin, ihren Höhepunkt erreichte. Das Konzert am 19. Juni 1988 war Teil von Jacksons erster Welttournee, im Jahr nach der Veröffentlichung des „Bad“-Albums. Im Vorfeld hatte es wilde Gerüchte um gefälschte Tickets gegeben, von denen dann doch nur einige Dutzend auftauchten, bei rund 40.000 Fans, die zum noch kuppellosen Reichstag geströmt waren. Auf den Platz hätten ohne weiteres noch mehr Menschen gepasst, trotzdem wurde das Gedränge an den Eingängen nach Michaels ersten Kieksern so bedrohlich, dass der Veranstalter auf Bitten der Polizei tausende Fans unkontrolliert reinließ. Manche der oft blutjungen Besucher erlebten freilich nicht mal den Konzertbeginn, waren im Gedränge vor der Bühne kollabiert. Immer wieder mussten die Ordner völlig erschöpfte Mädchen und junge Frauen herausziehen, und sie schütteten eimerweise Wasser über den Wartenden aus, reichten Getränke.

Viele waren dann vom Konzert enttäuscht, verließen es vorzeitig. Über die großen Distanzen reichte der Zauber offenbar nicht, zumal die Videotechnik den heutigen Stand noch lange nicht erreicht hatte.

Noch zweimal trat Jackson, der am 25. Juni 2009 starb, in Berlin auf, am 4. September 1992 auf der „Dangerous“-Tour im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg und am 1. August 1997 auf der „HIStory“-Tour im Olympiastadion. Die Hysterie, die seinen ersten Berlin-Besuch begleitet hatte, blieb dabei aus.

"Beat it", Tickets für 31. August bis 2. September ab 53,50 Euro: eventim.de

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