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Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Starthilfe. Die soll es auch geben, wenn die Eltern nicht helfen können.

Neues Programm in Berlin Millionen für hochbegabte Kinder

Fitte Eltern kümmern sich selbst darum, die Begabungen ihres Kindes zu fördern. Aber was ist, wenn man keine fitten Eltern hat? Diese Frage hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) vor über einem Jahr an den Hamburger Erziehungswissenschaftler Thomas Trautmann gestellt. Am Mittwoch wurden die Antworten seines Expertengremiums sowie die daraus gezogenen Schlüsse präsentiert.

Der Kerngedanke besteht darin, Schulen noch mehr zu „Impulsgebern“ zu entwickeln, um fehlendes Elternengagement zu kompensieren. Damit sie dies schaffen, sollen Kooperationen mit erfahrenen Schulen forciert werden, um das „Netzwerk Begabungsförderung“ zu stärken.

Es sei zunächst darum gegangen, die durchaus vorhandenen vielfältigen Angebote zusammenzutragen, sie auf ihre „Chancengerechtigkeit“ hin zu untersuchen und zu klären, inwieweit diese Angebote übertragbar wären, erläuterte Trautmann: „Suchen, sammeln, sortieren, zuordnen“ lautete daher die Devise.

Bega-Schulen, Bega-Kitas, Bega-Fonds

Wer in Berlin nach Begabungsförderung sucht, stößt sofort auf die Schnelllernerklassen für Hochbegabte. Trautmann lobte das Modell und berichtete über bundesweite Aufmerksamkeit dafür. Allerdings: Auf dem Ausbau derartiger Angebote liegt nicht der Fokus Trautmanns, der ebenso wie Scheeres den inklusiven Ansatz verfolgt. Die Kinder sollen also durch „Implementierung begabungsfördernder Maßnahmen“ da, wo sie sind – von der Kita an – bestmöglichst gefördert werden. Zu diesem Zweck sollen Lehrer und Erzieher fortgebildet werden, Material wird aktuell entwickelt.

Schulen und Kitas, die sich für Begabungsförderung interessieren, können zu „Bega-Schulen“ oder eben „Bega-Kitas“ werden. In diesem Fall sollen sie auch ein Siegel erhalten – und Geld aus dem sogenannten Begafonds, der 1,8 Millionen Euro umfasst. Dabei können sich die Schulen auf bestimmte Felder wie Mathematik, Musik, Digitales, Musik oder auf einen anderen Bereich fokussieren. Zudem wird ein Mentorenprogramm ausgebaut, mit dem besonders begabte Schüler gefördert werden sollen, die es „trotz Motivation und hoher Potenziale“ nicht schaffen, ihre Leistungsfähigkeit vollständig zu entfalten, wie Scheeres erläuterte.

Um alle Interessierten und Einrichtungen zu vernetzen und Transparenz herzustellen, hat Scheeres in ihrem Haus eine „Fachstelle für Begabungsförderung“ eingerichtet. Sie soll sowohl Eltern als auch Lehrer beraten – was sicherlich notwendig ist, denn kaum jemand dürfte einen Überblick über alle Angebote haben, zumal jetzt noch vieles hinzukommt wie etwa die Zusammenarbeit mit dem Planetarium oder der Ausbau des Bund-Länder-Vorhabens „Leistung macht Schule“. Ab 2019 wird es zudem einen neuen Fachtag zur Begabungsförderung geben. Insgesamt stehen 2018/19 für die neuen Ansätze vier Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Die schulpolitische Sprecherin der CDU, Hildegard Bentele, kritisierte, dass „700 nachgewiesen kognitiv hochbegabten Kindern nur 400 Plätze in Schnelllernerklassen gegenüberstehen“. Dies resultiere aus „ideologisch motivierter Beschränkung“.

Kontakt zur Fachstelle: Fachstelle.Begabungsfoerderung@senbjf.berlin.de oder Tel.: 030-90227-6190, Mo 14–17 Uhr

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