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Foto: dpa
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Aus einem Auto am Britzer Damm wurde am Montag aus einem Auto auf zwei Menschen geschossen.

Kriminalität in der Hauptstadt Kämpfe zwischen Berliner Clans drohen zu eskalieren

Schüsse, Äxte, Massenschlägerei – seit Tagen führen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen bekannter deutsch-arabischer Großfamilien zu Polizeieinsätzen. Am Montag, kurz nach Mitternacht, wurden zwei Männer am Britzer Damm in Neukölln aus einem Auto heraus niedergeschossen. Die beiden, 32 und 42 Jahre alt, kamen schwerverletzt in eine Klinik. Der Anschlag ereignete sich vor einer Bar auf dem Britzer Damm, die Opfer hatten das im Milieu beliebte Sportwetten-Lokal gerade verlassen. Die Polizei bestätigte das.

Ein Mann soll unmittelbar nach der Tat in einem Mercedes den mutmaßlichen Tätern hinterhergefahren sein. Im Mariendorfer Koppelweg wurde dann, so vorläufige Erkenntnisse, auch auf diesen Mercedes geschossen. Nun ermittelt die Polizei wegen versuchten Mordes. Die beiden verletzten Opfer stehen in einem Krankenhaus unter Polizeischutz.

Seit Wochen Polizeieinsätze

In Neukölln, aber auch Kreuzberg, Tiergarten und Schöneberg hatte es schon in den vergangenen Wochen umfangreiche Polizeieinsätze gegeben. Die Razzien könnten die internen Auseinandersetzungen zwischen den Clans verschärfen – es kann dabei um weitgehend legale Geschäfte im Immobilienmarkt gehen, aber auch um Drogenhandel und den Einfluss im Rotlichtgewerbe.

Bei den beiden Niedergeschossenen soll es sich Justizkreisen zufolge um Angehörige der Familie C. handeln, die einst aus dem Libanon eingewandert ist. Auch der Mann, der die Schützen verfolgt hat, gehört zur Großfamilie C. Deren Lebensmittelpunkt ist Kreuzberg. Ein entfernter Verwandter der zwei Opfer ist den unbestätigten Angaben zufolge jener Heranwachsende, bei dem vergangene Woche wegen mutmaßlichen Verbreitens von Falschgeld eine Wohnungsdurchsuchung stattgefunden hat. In dessen Kiez hatte es in den vergangenen Tagen immer wieder Polizeieinsätze gegeben. Ebenfalls in der Nacht zu Montag führte ein Streit unter den Großfamilien C. und W. zu einer Massenschlägerei.

Polizei beschlagnahmte Schreckschusswaffen, Pfeffersprays und Messer

An der Graefestraße in Kreuzberg sollen dabei sogar eine Axt und Schlagstöcke eingesetzt worden sein, die Kontrahenten drohten einander mit einer Schusswaffe. Bei der Schlägerei wurden mehrere Männer durch Faustschläge und durch Pfefferspray verletzt. Wegen der vermeintlichen Schusswaffe stürmte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei eine Wohnung im Kiez. Die gehört einem Mitglied der Familie C. Die Polizei beschlagnahmte zwei Schreckschusswaffen, Pfeffersprays und Messer. Der Auslöser für die Massenschlägerei war am frühen Abend ein Streit um einen Blechschaden an einem Auto. Die Polizei nahm drei Männer im Alter von 44, 19 und 18 Jahr vorläufig fest. Zwischen den Aktionen in Neukölln und Kreuzberg bestehe derzeit kein Zusammenhang, teilte die Polizei mit. Allerdings prüfen die Ermittler einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Vorfällen und dem Toten in Spandau. Am Wochenende war dort, wie berichtet, in einer Wohnung eine Leiche gefunden worden. Das Opfer: ein mutmaßlicher Drogendealer.

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Polizeieinsatz in der Kreuzberger Graefestraße.

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Polizeieinsatz in der Kreuzberger Graefestraße.

Viele sind einschlägig vorbestraft

Die betroffene Sportbar in Neukölln-Britz ist der Polizei bekannt. Dort trafen sich in den vergangenen Wochen immer wieder Angehörige diverser deutsch-arabischer Großfamilien, viele der Männer sind einschlägig vorbestraft. Das Lokal ist außerdem häufiger Ausgangspunkt für sogenannte Profilierungsfahrten – also das Rasen in teuren Fahrzeugen.
Dabei gelten, so Gerüchte im Milieu, drei Familien als „angezählt“. Neben den in Britz betroffenen Männern der Familie C. hatten Angehörige und Helfer der Familie A. und der Kern des Clans R. in den vergangenen Wochen sowohl Ärger mit den Behörden als auch Streit mit Konkurrenten.

Vor allem die Großfamilie R., derzeit wohl der berüchtigtste Clan in Berlin, wird im Milieu beobachtet. Vor einigen Wochen wurden 77 Immobilien konfisziert, von denen die Staatsanwaltschaft annimmt, dass sie mit Gewinnen aus Straftaten finanziert wurden. Angehörige der R. werden des Diebstahls der Goldmünze aus dem Bode-Museum und des Mordes an einem Familienvater und Gläubiger in Britz verdächtigt. Ein Angehöriger war wegen eines Einbruchs in eine Sparkasse 2014 verurteilt worden. Erst am Freitag wurde ein Mann aus der Familie R. festgenommen. Gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen illegalen Waffenbesitzes vor. Nur Tage zuvor waren zwei Heranwachsende in Tiergarten wegen Drogenhandels verhaftet worden.

Zehn bekannte Großfamilien

Immer wieder wird gegen Mitglieder bestimmter Familien wegen Raubes, Nötigung, Hehlerei und allerlei Gewalttaten ermittelt. In Berlin leben – je nachdem, wie weit der Begriff gefasst wird – zehn einschlägig bekannte Großfamilien mit insgesamt mindestens 1000 Angehörigen. Nicht alle, aber hunderte Männer dieser Familien sind als Mehrfachtäter aktenkundig. Die Clan-Älteren kamen oft schon während des libanesischen Bürgerkrieges vor der Wende nach Berlin, aber auch nach Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Einige von ihnen lebten schon in Beirut als Flüchtlinge, weil sie als arabische Minderheit aus der Türkei oder als staatenlose Palästinenser in den Libanon geflohen waren. Als Instanz galt ihnen nur die eigene Familie, nicht der Staat, die Stadt oder die Gesellschaft. Bis heute geht es ihnen darum, Ehre und Reichtum des Clans zu mehren. Immer wieder, sagen Angehörige offen, heirateten entfernte Verwandte untereinander – so blieben die engen Verbindungen in den Familien erhalten.
Die Innenminister der Länder, auch Senator Andreas Geisel (SPD), führen eine Liste, auf der die Namen derjenigen Serientäter stehen, die man in den Libanon auszuweisen beabsichtigt. Das ist schwierig, weil viele von ihnen ja schon dort als staatenlos galten. Die jüngeren, meist in Berlin geborenen Angehörigen haben die deutsche Staatsbürgerschaft.

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Polizeieinsatz nach bewaffneter Auseinandersetzung in der Graefestraße.

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Polizeieinsatz nach bewaffneter Auseinandersetzung in der Graefestraße.

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