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Foto: privat
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Mit dem Audioguide können Kinder die Gerhard-Richter-Ausstellung im Museum Barberini auf spielerische Art und Weise erkunden.

Was macht die Familie? Moderne Kunst entdecken

Meine Tochter lebt neuerdings in einem „Studio“. Sie ist acht. Zunächst hatte sie einen Zettel an ihre Kinderzimmertür geklebt: „Büro von Fr. Buntrock“. Was dort vor sich ging, habe ich nie erfahren; kurz darauf wurde aus dem Büro das Studio. Diesmal hakte ich nach. Das Kind verfiel sofort in ein Rollenspiel und siezte mich. „Sie können hier eine Massage bekommen oder eine Maniküre. Aber wir machen auch Videos oder malen Bilder.“ Aha. Hauptsache Content, dachte ich. Gut für später: Man sollte sich möglichst breit beim Produktangebot aufstellen. Mein Mädchen zeigte mir nun allerlei Werke. Darunter eine Tier-Bildergeschichte. Ah, da ganz rechts ein Hund, sagte ich. „Mama! Das ist ein Bär mit langen Nadeln, der einen Pullover strickt.“ Und das ganz links, was ich fälschlicherweise als Gesicht deutete, sei „eine Kartoffel mit Augen und Haaren“. Es folgte ein aus Zetteln gefaltetes Heft, ein Roman in Bildern. Titel: „Das Leben“ stand dort in Zweitklässler-Schrift. Ein gemalter Tageszyklus vom Aufstehen, Frühstück, Zur-Schule-Gehen, Mittagessen, Shoppen (!) bis zum Abendbrot und dem Gang ins Bett. Besser konnte man so einen Tag im Leben kaum darstellen.

Per Audioguide hören die Kinder die Stimmen von Farbe, Pinsel und Rakel

Ich fand, es wurde Zeit, den künstlerischen Horizont zu erweitern. So fuhren wir mit C., der Freundin meiner Tochter, nach Potsdam. Ab ins Museum Barberini, Gerhard Richters Werke anschauen. Die Kids waren aufgeregt. So viel bunte Kunst auf einmal. Das Beste: Sie bekamen einen eigenen Kinder-Audioguide. Über die Kopfhörer lauschten sie, wie sich die Farbe, der Pinsel und die Rakel – ein brettartiges Utensil, mit dem Gerhard Richter die nasse Farbe auf Leinwand verteilte – unterhielten. Die drei Gegenstände neckten sich, um die Gunst des „Besucherkindes“ zu erhaschen, und führten die Mädchen von Raum zu Raum, von Werk zu Werk. Die Kinder erfuhren, dass das Streifenbild zehn Meter lang ist, der Künstler ein anderes Bild mit Querstreifen abfotografiert, die Farbtöne von einem Computer in dünne Streifen zerlegen lassen und diese dann mehrfach kopiert und in die Länge gezogen hat. Wow! Die Mädels waren beeindruckt. Einen Tick zu laut rannten sie durch die Ausstellungsräume und versuchten nach jedem Kapitel die jeweilige Quizfrage („Welches Fenster hat der Künstler gestaltet?“) zu lösen. Für jede richtig angeklickte Antwort gab es einen Farbklecks auf der virtuellen Staffelei als Belohnung. Tage später fragte ich meine Tochter, ob sie jetzt, seit sie in der Ausstellung war, ihre Bilder anders malt. „Mama! Das ist einzigartig", erwiderte sie ernst. „Das kann man nicht nachmachen.“

„Gerhard Richter. Abstraktion“ ist noch bis zum 21. Oktober 2018 im Museum Barberini in Potsdam zu sehen. Täglich außer dienstags, 10–19 Uhr. Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche.

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