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Foto: Zwerchfell
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Vom Manga inspiriert: Eine Seite aus „Sterne sehen“.

„Sterne sehen“ von Asja Wiegand Streben nach den Sternen

Barbara Buchholz

Ela kommt von einem anderen Stern, ist mit ihrem Raumschiff abgestürzt und unsanft auf der Erde gelandet. Jedenfalls erklärt sie das der besorgten Nina, die die humpelnde junge Frau eines Sommermorgens beim Joggen trifft. Ela Era Ean, so stellt sie sich mit vollem Namen vor, wartet auf ihren Bruder, dem sie mithilfe eines kleinen Senders ein Signal schicken will. Tatsächlich wirkt Ela anfangs weltfremd und verloren, und Nina lässt sie fürs Erste bei sich wohnen.

Diese Science-Fiction-Geschichte mit romantischem Touch erzählte Zeichnerin und Autorin Asja Wiegand im 2016 erschienenen ersten Teil des Comics „Sterne sehen“ bis zu dem Punkt, an dem Nina Ela versichert, ihr zu glauben.

Elas Streben nach den Sternen steht ihr in die großen Augen geschrieben, wenn helle Lichtreflexe strahlenförmig in ihrer Iris leuchten. Auch das catchy Cover des ersten Bandes illustrierte diese Sehnsucht sehr schön: mit vier riesigen, rosa und hellblau schimmernden Teleskopen mitten in einem reifen Kornfeld vor dem Hintergrund eines rosa-orange getönten Sommerhimmels.

Funkelnde Tränen, aufgerissene Münder

Auf solche Teleskope blicken Nina und Ela nun zu Beginn des zweiten Bandes von „Sterne sehen“. Sie stehen Hand in Hand frühmorgens auf einem Hügel, den Nina auf dem Rad hinaufgestrampelt ist, Ela auf dem Gepäckträger. Eine schöne Doppelseite ist das, ein strahlender Sonnenaufgang, weiß gestrichelt auf hellgrauem Grund. Aber wie schon das Titelbild mit seinen schattigen violett-rosa Tönen andeutet, verdüstert sich die Lage: Kaum zweifelt Nina nicht mehr an Elas Geschichte, titeln plötzlich seriöse Blätter wie Boulevardpostillen mit der Meldung über eine Ella, die aus einer psychiatrischen Klinik verschwunden ist, und die Ela zum Verwechseln ähnlich sieht…

Foto: Zwerchfell

Das Cover von Band 2.

Foto: Zwerchfell

Das Cover von Band 2.

Asja Wiegands Zeichnungen – die im Inneren des Buchs mit Schwarz, Weiß und Grautönen auskommen, lassen an Manga denken. Wiegand schildert die dramatischen Entwicklungen mit schnellen Perspektivwechseln, schrägen Panels, Speedlines und Großaufnahmen von Gesichtern mit funkelnden Tränen, zusammengekniffenen Augen, aufgerissenen Mündern.

Dann wieder kauft Nina ihrer Freundin einen Luftballon in Form einer Rakete, die weniger mangaesk als von Hergé inspiriert wirkt. In einem schönen Splashpanel aus Vogelperspektive steigt diese Rakete in die Luft, Elas Sender baumelt an einer Schnur daran – ein Symbol der letzten Hoffnung und Vorbote eines Endes, mit dem man nicht unbedingt gerechnet hätte.

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Asja Wiegand: Sterne sehen, Zwerchfell, Band 1: 70 Seiten, 10 Euro; Band 2: 82 Seiten, 10 Euro

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