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Foto: Courtesy of Darya Dadykina
Foto: Courtesy of Darya Dadykina

Den neobarocken Prunk über mir ... Ukrainin Darya Dadykina am Klavier.

Klavierabend in der russischen Botschaft Herr Medtner und die Märchen

Die Brandenburgischen Sommerkonzerte veranstalten in diesem Jahr gleich zwei Abschlusskonzerte: Das große Finale findet am heutigen Sonntag statt, wenn in Luckau die Kammerakademie Potsdam zusammen mit Andreas Ottensamer, dem Soloklarinettisten der Berliner Philharmoniker, auftritt. Dem voraus ging bereits am Freitag ein Klavierabend in der russischen Botschaft. Den seine Exzellenz Sergej Jurjewitsch Netschajew als Dank dafür spendiert hatte, dass das Festival 2018 für den ersten Länderschwerpunkt in seiner 28-jährigen Geschichte die Heimat von Tschaikowsky und Schostakowitsch ausgewählt hatte.

Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen sei es wichtig, im Dialog miteinander zu bleiben, betonte Heilwalt Kröner, der Vorsitzende des Trägervereins der Sommerkonzerte, und Matthias Platzeck, der Vorsitzende des deutsch-russischen Forums, das seit genau einem Vierteljahrhundert besteht, konnte ihm da nur beipflichten.

Ein pianistischer Pas de deux

Trotz der Raffgardinen, der dickflauschigen Läufer in Rotgold und der raumhohen Samtvorhänge hinter der Bühne ist der neobarocke Prunksaal im Botschaftspalast Unter den Linden akustisch gut geeignet für Klassik, in diesem Fall für einen Klavierabend, bei dem sich die Ukrainerin Darya Dadykina und der in St. Petersburg geborene Vasily Gvozdetsky auf angenehm diplomatische Weise das Programm teilen, ja sich in dessen Mitte sogar zum Duo vereinen. Nikolai Medtner steht dabei im Mittelpunkt ihres Interesses, ein zu Lebzeiten international gefeierter Pianist, der nach der Oktoberrevolution Moskau verließ, um in Berlin, Paris und zuletzt London zu leben, wobei er seine Heimat immer im Herzen trug. Und sich als Komponist innig der deutschen Romantik verbunden fühlte. Viele seiner Werke haben darum einen Märchenbezug. „Ich wurde 1879 mit einem Jahrhundert Verspätung geboren, was ich daraus schließe, dass mich keine Umstände dazu bringen können, mit den gegenwärtigen Strömungen der Musik zu schwimmen“, hat er selber über sich gesagt.

Darya Dadykina zeigt in der Märchensonate Opus 25 ihre Fähigkeit, einen dichten, edel strömenden Klavierklang herzustellen. Vasily Gvozdetsky setzt bei seiner Auswahl aus den „Märchen“-Charakterstücken eher auf atmosphärische Kontraste, auf Hell-Dunkel-Effekte zwischen vollgriffiger Dramatik und melodieseliger Poesie. Kostproben ihrer Fingerfertigkeit liefern die jungen Interpreten mit Etüden von Liszt respektive Skrjabin, zum Höhepunkt jedoch wird die Barcarole aus der Suite für Klavier zu vier Händen von Rachmaninow. Ein pianistischer Pas de deux ist da zu erleben, eine nächtliche Venedigszene taucht vor dem inneren Auge des Zuhörers auf, wenn im Bass die Gondel träge im schwarzen Wasser schaukelt, während in den oberen Oktaven die südlich-sommerlichen Luftbewegungen nachgezeichnet werden.

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