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Foto: Ansgar Haase/dpa
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Mit Göbbels und Göring in den Wahlkampf: Martin Sonneborn (r.) und Nico Semsrott (l.) bei der Vorstellung ihres Wahlprogramms.

Europawahl 2019 Martin Sonneborn mit neuen Provokationen

Theresa Rohrhirsch

Fügt jemand seiner Rede im Europaparlament das Wort „Zwinkersmiley“ bei, dann ist sofort klar: Es kann sich nur um einen ganz bestimmten der 751 Abgeordneten handeln. Martin Sonneborn. Der Ex-Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ und Bundesvorsitzender der Partei „Die Partei“ macht seit 2014 Europapolitik und will nun auch 2019 bei der nächsten Europawahl kandidieren, um seinen „tollen Job – wenig Arbeit, viel Geld“ zu verteidigen.

Am Mittwoch stellte Sonneborn in Brüssel sein Programm für den Wahlkampf vor. Ein wichtiges Ziel sei es, die Stimmen von AfD-Wählern für sich zu gewinnen. Dafür stelle man Parteimitglieder mit gleichem Nachnamen wie von bekannten Nazis auf. Das ist seine Methode: ein richtiges Ziel verknüpfen mit albernen Zielerreichungsstrategien. Denn hinter Sonneborns ironischen Aussagen stecken schließlich ernsthafte Absichten. Die „Partei“ tritt mit einer Doppelspitze an: Martin Sonneborn und der Kabarettist Nico Semsrott (unter anderem bekannt aus der „Heute Show“) sollen dafür sorgen, dass man eine mögliche Zwei-Prozent-Hürde überspringe und erneut ins EU-Parlament einziehe, sagte Sonneborn. Darüber hinaus wolle man dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean- Claude Juncker, und dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, die Ämter streitig machen. In einer EU, in der Deutschland den Ton angebe, sei es untragbar, dass diese wichtigen Posten nicht von Deutschen besetzt würden, sagte Sonneborn.

In seinen ersten bald fünf Jahren als EU-Parlamentarier war Sonneborn, der bei den Fraktionslosen sitzt, Mitglied diverser Ausschüsse. Derzeit ist der 53-Jährige im Ausschuss für Kultur und Bildung, in der Delegation für die Beziehungen zur Koreanischen Halbinsel und als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten. In Sachen Auswärtiges punktete Sonneborn vor allem via Internet. Eine Rede zur Türkei, in der er Präsident Recep Tayyip Erdogan den „Irren vom Bosporus“ nannte, wurde mehr als fünf Millionen Mal bei Youtube geklickt. Dass er anders als der Moderator Jan Böhmermann wegen der Beleidigung nicht verklagt wurde, habe er erwartet, erklärte er danach: Erdogan wisse eben, dass man einen guten Witz nicht zweimal mache. Seinem 2014er-Wahlversprechen „Ja zu Europa, Nein zu Europa“ ist Sonneborn in den Jahren treu geblieben. Er stimmt abwechselnd mit „Ja“ und „Nein“.

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