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Foto: dpa/PA Wire/Andrew Matthews
Foto: dpa/PA Wire/Andrew Matthews

Einsatzkräfte in Salisbury (Archiv)

Fall Skripal London macht Putin für Giftanschlag persönlich verantwortlich

Neuer Schlagabtausch im Fall Skripal: Die britische Regierung hat Russlands Präsidenten Wladimir Putin persönlich für den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten verantwortlich gemacht. Die Verantwortung liege "letzten Endes" bei Staatschef Putin, dessen Regierung "den Militärgeheimdienst kontrolliert, finanziert und steuert", sagte der britische Staatssekretär für Sicherheitsfragen, Ben Wallace. Der Kreml reagierte empört. Am Nachmittag befasst sich erneut der UN-Sicherheitsrat mit dem Nervengiftanschlag.

Der russische Geheimdienst arbeite nicht auf eigene Faust, sagte Wallace in der BBC. Die Verbindungen des Dienstes reichten über das Verteidigungsministerium und den Generalstab "bis in den Kreml und das Büro des Präsidenten". Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren im März in der südenglischen Stadt Salisbury durch das Nervengift Nowitschok, das früher in der Sowjetunion entwickelt wurde, schwer verletzt worden und nur knapp dem Tode entronnen.

Bündnispartner stützen Großbritannien

Moskau wies wiederholt jegliche Verantwortung für den Anschlag empört zurück. Es sei "inakzeptabel", dass London nun die russische Staatsführung für die Tat verantwortlich mache, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Weder die Regierung noch irgendein Vertreter des russischen Staats stehe mit den Vorkommnissen in Salisbury in Verbindung.

Die britische Polizei hatte am Mittwoch zwei Russen als Tatverdächtige identifiziert. Nach ihnen wird per europäischem Haftbefehl gefahndet. Die beiden Männer seien Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes GRU und hätten höchstwahrscheinlich im Auftrag der Regierung in Moskau gehandelt, sagte Premierministerin Theresa May am Mittwoch im Parlament.

Von seinen wichtigsten Bündnispartnern erhielt Großbritannien am Donnerstag Rückendeckung für die Einschätzung, dass zwei russische Agenten den Giftanschlag verübt haben sollen. Deutschland, Frankreich, die USA, Kanada und Großbritannien veröffentlichten am Donnerstag eine entsprechende gemeinsame Erklärung. Darin hieß es, sie hätten "volles Vertrauen in die britische Einschätzung", dass die beiden Tatverdächtigen Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes waren und "dass diese Operation mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf hoher Regierungsebene gebilligt wurde".

Sondersitzung zum Fall Skripal im UN-Sicherheitsrat

Die russische Regierung erklärte daraufhin, ihr seien die beiden verdächtigen Männer nicht bekannt. Sie sprach von einer "Manipulation von Informationen" und warf London eine "Provokation" vor. London hatte Russland schon früh für den Giftanschlag verantwortlich gemacht. Andere westliche Staaten schlossen sich an, darunter Deutschland.

Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen Russland und dem Westen, beide Seiten ordneten die Ausweisung dutzender Diplomaten an. Im August verhängten die USA neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Für Donnerstagnachmittag wurde eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem Skripal-Attentat angesetzt. Seine Regierung wolle den Druck auf Russland aufrechterhalten und deutlich machen, dass sich Moskau "vollkommen inakzeptabel" verhalte, sagte der britische Staatssekretär Wallace. Auch neue Sanktionen seien denkbar. (AFP)

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