Abo Abonnement
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der ehemalige Bundespräsidenten Christian Wulff spricht nach der feierlichen Enthüllung seiner Büste zu den Teilnehmern.

Ortstermin Christian Wulff zurück im Bellevue - in Bronze gegossen

Man kann sich nicht von einem Teil seiner Geschichte lossagen. Auch und vielleicht erst recht nicht, wenn man einst als Staatsoberhaupt im Rampenlicht gestanden hat. Einer, der die alte Lehre vom Yin und Yang einmal mehr erfahren musste, ist Christian Wulff. Er war hoch geachteter Bundespräsident, weil er mit seinem Satz von der „bunten Republik“ die kulturelle Vielfalt Deutschlands ins politische Zentrum rückte und wurde dann doch, nur ein paar Monate später, zum Inbegriff des korrupten Politikers. Freunderlwirtschaft, dubiose Kredite, Amtsbeschmutzung: Selten wurde einer mit solchem Hass aus dem Amt getrieben, samt Familie. Nach nur 20 Monaten flüchteten die Wulffs geradezu aus Berlin. Selbst die lebenslange Staatsrente, die jedem Präsidenten zusteht, wollte man ihnen zum Schluss noch streitig machen.

Und nun steht er im Präsidialamt, vom Bildhauer Bertrand Freiesleben in Bronze gegossen. Ganz gut getroffen der Präsident a.D. Ernst, aber auch mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Ganz so, als wollte er dahinter noch eine Botschaft verstecken. Gibt er natürlich nicht zu. Ein fröhlicher Mensch sei er doch eigentlich immer, sagt Wulff. Na ja, nicht immer. Es gab da schon Zeiten, harte Zeiten. Sechs Jahre hat es immerhin gedauert, bis einer auf den Gedanken kam, dass auch dieser Bundespräsident eine Nische in der weißen Wand im Amtsgebäude bekommen soll, in der seine Büste Platz findet neben all seinen Vorgängern.

Es freut ihn sichtlich

Wulff hätte diese kleine Form der Rehabilitierung sicher gern früher gesehen. Doch darum bitten? Keinesfalls! Sofort hätte jemand vorgeschlagen, in das Wandloch doch einen bronzenen Bobbycar zu stellen. Als Beleg seiner Unmoral galt seinerzeit das kleine Gefährt, das Wulff`s jüngstem Sohn Linus von einem Händler gemacht worden sein soll – damit die First Lady Bettina Wulff ihm ein teures Gefährt abkauft. Wulff sagt heute, nur manchmal holten ihn und die Familie traumatische Erinnerungen ein. Er wird am Sonntag Präsident aller deutschen Chöre, kümmert sich um Integrationsprojekte und hat viele kleinere Aufgaben gefunden, aus denen er Achtung zieht.

Und doch freut es ihn sichtlich, jetzt einen Platz in der Galerie der Staatsoberhäupter gefunden zu haben. Einen „würdigen Rahmen“ nennt Wulff diesen Augenblick der Rückschau auf seine Amtszeit. Auch, wenn die Büste später kaum jemand zu sehen bekommt, schließlich stehen die Bronzen hinter hohen Zäunen im Präsidialamt, in das nur hereinkommt, wer geladen ist. „Sie haben unser Land politisch mitgeprägt“, sagt Frank-Walter Steinmeier und zählt all die Verdienste seines Vorvorgängers auf. Vor allem die, an die sich die Deutschen erinnern, die nicht hier geboren sind. „Der Islam gehört zu Deutschland“, hatte der Präsident Wulff einst gesagt und der Präsident Steinmeier fügt jetzt hinzu, danach hätten viele hier Lebende mit muslimischem Glauben zum ersten Mal bekennen können: „Das ist auch unser Präsident.“ Mit Hingabe und Professionalität spielen deutsche und junge geflüchtete Musiker des Berliner Begegnungschores dann zur Feier des Tages Mozarts „kleine Nachtmusik“, dessen weltbekanntes Thema nach nur wenigen Takten in arabische Klangwelten entführt wird. Strahlende Gesichter der beiden Präsidenten und dem Komponisten entweicht ein „Tja, der Islam gehört auch zu Mozart“.

Vor den freundlichen Worten waren die Wulffs noch zu Besuch im Schloss selbst. Erinnerungen an Feste, die man dort einst gab und Fußballmannschaften, die man empfing. Die beiden Kinder der Wulffs jedenfalls sind fröhlich durch die Flure getollt.

Zur Startseite
Outbrain