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Foto: REUTERS
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Mal war es Mats Hummels, mal Thomas Müller (Bild), sogar Matthias Ginter war einmal nah am Siegtreffer.

0:0 gegen Weltmeister Frankreich Umkehrschwüngchen beim DFB-Team

Neustart, Neuanfang, Neuerfindung – die Erwartungen des deutschen Fußballvolkes an ihr erstes Team, das am Donnerstagabend als abgestürzter Weltmeister auf den Nachfolger aus Frankreich traf, waren nicht gerade gering. Beim 0:0 vor 67 485 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Arena bediente Bundestrainer Joachim Löw sich eines alten Kniffs.

Bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren hatte er seine Abwehrkette aus vier gelernten Innenverteidigern geformt, was hinterher im Triumph mündete. Und so schickte er gestern neben dem erprobten Innenverteidigerduo Jerome Boateng und Mats Hummels auch noch die gelernten Zentralkräfte Matthias Ginter (rechte Seite) und Antonio Rüdiger (links) auf den Rasen. Mit Erfolg, hinten stand die Null. Vorne allerdings auch.

Es war aus deutscher Sicht ein ordentlicher Auftakt in die Nations League. Während am kommenden Sonntag in Sinsheim noch ein Testspiel gegen Peru ansteht, geht es Mitte Oktober für die Nationalelf in der Nations League weiter mit dem Spiel in Amsterdam gegen die Niederlande. Kurz darauf folgt das Rückspiel gegen Frankreich in Paris.

Das gestrige Spiel war aus deutscher Sicht überaus aufgeladen. Gut zehn Wochen nach ihrem krachenden Vorrundenaus bei der WM in Russland hatten die deutsche Nationalmannschaft und ihr Trainer Joachim Löw die Chance, den Umkehrschwung einzuleiten. Das gelang in Teilen.

Die Franzosen überließen ihrem Gegner dabei bereitwillig mehr Ballbesitz

„Das hat die Mannschaft gut gemacht. Wir hätten gegen den Weltmeister sicher das ein oder andere Tor erzielen können. Es war wichtig, in der Defensive stabil zu stehen, die Räume dicht zu machen und uns nicht auskontern zu lassen. Das ist ein gutes Fundament“, sagte Löw. Der Chefcoach fügte aber auch hinzu: „Es wäre naiv zu glauben, mit einem Spiel so eine WM vergessen zu machen.“ Zufriedenheit überwog auch bei den Spielern. „Das war ein erster Schritt. Wir haben gut umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, sagte Toni Kroos, der vor dem Spiel als Deutschlands „Fußballer des Jahres“ geehrt worden war. Ähnlich sah es Thomas Müller: „Das erste Zeichen und Signal war positiv. Es war kein technisch perfektes Spiel. Wir haben uns dafür entschieden, dass die Null auf jeden Fall steht. Es geht darum, den Kredit zu zurückzuholen, den wir im Sommer verspielt haben.“ Auf diesen Auftritt könne man aufbauen, ergänzte Mats Hummels: „Ich glaube, dass wir die Lehren aus der WM gezogen haben. Wir hatten alle schon Rückschlage in unserer Karriere. Wir sind es gewohnt, dass wir wieder aufstehen müssen.“

Die Mannschaft wirkte defensiv stabiler, was auch daran lag, dass Löw den etatmäßigen Rechtsverteidiger Joshua Kimmich im zentralen, defensiven Mittelfeld neben Toni Kroos aufbot. Diese Position hat der Münchner auch einige Male unter dem früheren Bayern-Trainer Pep Guardiola gespielt, es funktionierte auch gestern recht gut. Gegen die Franzosen wirkte Löws Team bei schnellen Gegenstößen gegen sich nicht mehr ganz so anfällig wie in Russland. Doch der Offensive fehlte die Durchschlagskraft.

Löws französischer Kollege Didier Deschamps setzte auf seine Elf, die im WM-Finale von Moskau Kroatien mit 4:2 bezwungen hatte. Mit Ausnahme von Torwart Hugo Lloris, der verletzt ist und vom Pariser Alphonse Areola vertreten wurde.

Ilkay Gündogan wurde vom Münchner Publikum freundlich empfangen

Es hatte sich rasch ein munteres Spielchen entwickelt, die deutschen Spieler wirkten willig und energiereicher als in den matten Auftritten bei der WM. Aber das war auch das Mindeste, das man erwarten konnte.

Die Franzosen überließen ihrem Gegner dabei bereitwillig mehr Ballbesitz. Das entspricht ihrer Spielweise, die aus einer gut organisierten Defensive auf überfallartige Tempogegenstöße ausgelegt ist, die sie immer wieder einstreuten.

Das deutsche Team konnte aus ihrem Plus an Ballbesitz zu selten zwingende Torchancen gegen die umsichtige Abwehr des Weltmeisters erspielen. Marco Reus bekam in der Sturmspitze erst in der zweiten Hälfte verwertbare Anspiele. Der agile Timo Werner, der über die linke oder rechte Flanke kam, scheiterte im ersten Abschnitt zweimal am französischen Torwart. Weit gefährlicher waren die Franzosen. Einen Kopfball von Oliver Giroud parierte Manuel Neuer glänzend, kurz vor dem Halbzeitpfiff verpasste Frankreichs Mittelstürmer eine gefährliche Hereingabe hauchdünn.

Die zweite Hälfte begann mit einer guten Chance für Antoine Griezmann, dessen Schuss Neuer im Nachfassen parierte. Nach einer Stunde zwang er Neuer erneut zu einer Großtat. Im Gegenzug bot sich Reus die bis dahin beste deutsche Torchance. Torwart Areola wischte den Ball über die Latte.

Nach einer Stunde tauschte Löw den unsichtbaren Leon Goretzka gegen Ilkay Gündogan, der vom Münchner Publikum freundlich empfangen wurde. Etwas später kam noch Leroy Sané für Reus. Das Spiel wurde nun – im strömenden Regen – wilder. Beide Mannschaften suchten die Entscheidung. Mal war es Mats Hummels, mal Thomas Müller, sogar Matthias Ginter war einmal nah am Siegtreffer. Dem Publikum war es recht.

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