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Foto: Jörg Carstensen/dpa
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Läuft. Sebastian Andersson knüpft nahtlos an seine Leistungen aus Kaiserslautern an.

1. FC Union Berlin Sebastian Andersson macht sich unverzichtbar

Die wichtigsten deutschen Fußballbegriffe kennt Sebastian Andersson mittlerweile. Der Schwede spricht zwar lieber Englisch und lässt gelegentlich ein deutsches Wort einfließen, die „Spitzenreiter“-Gesänge der Berliner Fans hatte Andersson nach dem 4:1-Sieg gegen den FC St. Pauli am Sonntag aber offenbar nicht verstanden. „Ah, das ist sehr gut", antwortete Andersson angesprochen auf die Tabellenführung überrascht. „Ich hoffe, wir bleiben oben.“

Dass der 1. FC Union nach drei Spielen überhaupt punkt- und torgleich mit Köln auf Platz eins steht, hat auch mit dem neuen Stürmer zu tun. Beim 1. FC Kaiserslautern war Andersson in der Abstiegssaison einer der ganz wenigen Lichtblicke und in Berlin knüpft er nahtlos an die starken Leistungen an. „Seb hat einen Lauf und wir freuen uns, dass er die Buden macht“, sagte Grischa Prömel. In den vergangenen drei Pflichtspielen hat Andersson immer getroffen und gegen St. Pauli verdiente er sich sogar ein seltenes Sonderlob seines Trainers. „Ich hebe nicht so gerne einzelne Spieler hervor“, sagte Urs Fischer. Aber Andersson habe es klasse gemacht und sehr viel für die Mannschaft gearbeitet. „Deshalb wurde er dann auch belohnt und war an allen vier Toren beteiligt.“

Zwei Tore, viel Arbeit

Gegen die Hamburger machte der 27 Jahre alte Stürmer sein bisher bestes Spiel für Union. Nach einer unauffälligen Anfangsphase hatte er an dem Doppelschlag kurz vor der Halbzeit entscheidenden Anteil – auch wenn das in keiner Statistik auftaucht. Bis dahin sei es ein ausgeglichenes Spiel gewesen, sagte Andersson, deshalb seien „the two goals from Einwurfs“ sehr wichtig gewesen. Es war ein ebenso simples wie effektives Mittel, das die Berliner auf die Siegerstraße brachte. Weiter Einwurf der Außenverteidiger, Andersson bindet zwei Gegner und macht Platz für seine Mitspieler. „Stehende Bälle sind eine Waffe und Einwürfe gehören dazu“, sagte Fischer. „In der Analyse hatten wir bemerkt, dass St. Pauli dabei das ein oder andere Mal Schwierigkeiten hat.“

Als Union in der zweiten Halbzeit gegen nun offensivere Gäste mehr Räume bekam, zeigte Andersson, dass er nicht nur Qualitäten als Arbeiter und Wandspieler besitzt. Beim 3:0 brachte er Philipp Ziereis mit einem Haken aus dem Gleichgewicht und schob dann ebenso überlegt ein wie später beim 4:1. „Er muss ja nicht jeden Ball mit 800 Stundenkilometern ins Tor schießen“, sagte Akaki Gogia und lobte auch die mannschaftsdienliche Spielweise des Schweden. „Er verlängert die Bälle, sichert sie. Wenn er so weitermacht, hält ihn niemand auf.“

"We have to win the Zweikämpfe"

Andersson selbst will seine bisherigen vier Tore nicht überbewerten, so ein Start helfe nach einem Wechsel aber natürlich. „Manchmal kommst du in einen Flow und es hilft immer, wenn du triffst“, sagte Andersson. Die personelle Situation bei Union scheint ihn dabei völlig kalt zu lassen. Ob als einziger fitter Mittelstürmer oder nun mit mehr Konkurrenz, Andersson macht sein Tore. „Ich denke nicht, dass er viel Druck spürt“, sagte sein Landsmann Simon Hedlund. „Er ist ein typischer Schwede, ein ruhiger Typ.“

Seine Ansprüche formuliert er dennoch relativ deutlich. Auch wenn Zugang Suleiman Abdullahi in einigen Wochen und Sebastian Polter im Herbst wieder fit sind, will Andersson seinen Platz nicht mehr räumen. Das gelte zwar für jeden Profi und am Ende entscheide der Trainer, „ich denke aber, dass ich spielen sollte.“ Die Zahlen sprechen bisher für ihn. Mit drei Treffern steht er an der Spitze der Torjägerliste. Die hat zu so einem frühen Zeitpunkt in der Saison zwar einen ebenso geringen Wert wie die Tabelle, die Union zum ersten Mal seit dem 25. Spieltag der Saison 2016/17 anführt. Eine schöne Momentaufnahme für die Berliner ist es dennoch. „Wir haben einen sehr guten Spirit im Team und müssen so weitermachen, weiter fokussiert bleiben“, forderte Andersson. Gegen St. Pauli standen am Ende sieben Zugänge auf dem Platz, da ist es durchaus erstaunlich, dass Union so solide steht und auch die Abläufe in der Offensive schnell flüssiger werden. „Wir trainieren viel Taktik und lernen uns immer besser kennen“, sagte Andersson.

Dazu hat Union in der nahenden Länderspielpause noch mehr Zeit. Vorher steht allerdings noch das Auswärtsspiel in Sandhausen am Sonntag an. Aus der vergangenen Saison, als er mit Kaiserslautern zweimal verlor, weiß Andersson, was für ein unangenehmer Gegner das sein kann. Die wichtigste Vokabel für Sonntag kennt der Schwede bereits: „We have to win the Zweikämpfe.“

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