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Foto: Uwe Anspach/dpa
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Mann mit Wumms. Robert Zulj gilt als torgefährlicher Offensivspieler. Bei seiner jüngsten Station TSG Hoffenheim bekam der Österreicher aber kaum Einsatzzeiten. Mit dem 1. FC Union will er zurück in die Erste Liga.

1. FC Union Robert Zulj: Mann mit Drang zur Verbesserung

Zu Robert Zuljs größten Qualitäten gehört nicht unbedingt die Sprintstärke, am Mittwoch war der 26 Jahre alte Fußballprofi aber ein paar Minuten zu schnell für den 1. FC Union. Noch bevor der Berliner Zweitligist den Transfer des Offensivspielers um kurz nach 10 Uhr offiziell verkündete, stand der Neuzugang bereits mit seinen künftigen Kollegen auf dem Rasen. „Der Sportdirektor hat mich kurz vorgestellt und dann ging’s auch schon raus zum Training“, sagt Zulj, den Union für ein Jahr von der TSG Hoffenheim ausleiht.

Beim Champions-League-Teilnehmer kam der Österreicher mit kroatischen Wurzeln, dessen Nachname in etwa wie die Energieeinheit Joule ausgesprochen wird, in der vergangenen Saison nur sechs Mal zum Einsatz, auch aufgrund einer langwierigen Schambeinentzündung. „Mir ist es nicht wichtig, dass ich sagen kann, ich bin bei diesem oder jenem Verein, spiele dann aber nicht“, sagt Zulj, dessen Bruder Peter bei Sturm Graz unter Vertrag steht und an dem Hertha BSC kürzlich interessiert gewesen sein soll.

Bei Union will sich Robert Zulj wieder wichtig fühlen und regelmäßig auf dem Platz stehen, dafür wechselt er sogar vom Dritten der abgelaufenen Bundesligasaison in die Zweite Liga. „Das ist gefühlt schon ein kleiner Rückschritt, das hatte ich in meiner Karriere aber schon ein Mal“, sagt der selbstbewusste Österreicher.

2014 verließ er den damaligen Europapokal-Teilnehmer RB Salzburg in Richtung Fürth. Mit guten Leistungen (91 Spiele, 20 Tore, 17 Vorlagen) empfahl er sich dort für Hoffenheim. Nun will er mit oder über Berlin zurück in die Erste Liga. „Für mich gehört Union zu den besten zwei Klubs in der Zweiten Liga, wenn man mal von den Absteigern absieht“, sagt Zulj. „Mein Ziel ist ganz klar die Bundesliga.“

Das gilt zumindest mittelfristig auch für Union und die Verpflichtung Zuljs ist durchaus ein Indiz für die gehobenen Ambitionen bereits in dieser Saison. Vor allem gibt der in Wels geborene Österreicher Trainer Urs Fischer viel Variabilität und weitere Optionen. Mit seiner Größe von 1,89 Meter sowie seiner robusten Statur unterscheidet er sich schon körperlich von den übrigen Spielern im offensiven Mittelfeld der Berliner.

Zulj wollte nicht mehr länger auf der Bank sitzen

Zwar sieht sich Zulj selbst vor allem als Zehner, er kann aber auch etwas defensiver im zentralen Mittelfeld oder im Notfall sogar in der Sturmspitze spielen. Dort hat Union mit Sebastian Andersson momentan nur einen gesunden Angreifer zur Verfügung – Sebastian Polter ist nach seinem Achillessehnenriss wahrscheinlich nicht vor Oktober einsatzbereit und der am Dienstag von Eintracht Braunschweig verpflichtete Suleiman Abdullahi fehlt aufgrund einer Verletzung aus der vergangenen Saison ebenfalls noch mehrere Wochen.

In seinem ersten Trainingsspiel sortierte sich Zulj auf seiner Lieblingsposition hinter dem zentralen Stürmer ein. Dort kann er seine Stärken laut eigener Aussage am besten zur Geltung bringen. „Ich bin gerne rund um den Sechzehner und im Strafraum gefährlich und an Treffern beteiligt, da zählt eine Vorlage genauso viel wie ein Tor“, sagt Zulj. In Hoffenheim habe er unter Trainer Julian Nagelsmann jedoch auch im Spiel ohne Ball viel gelernt: Pressing, Zweikampfverhalten, der ständige Drang nach Verbesserungen. „Ich habe von Julian sehr viel mitgenommen“, sagt Zulj.

Die Gefahr, in Hoffenheim erneut vor allem auf der Bank zu sitzen und ein weiteres Jahr zu verlieren, war ihm dennoch zu groß.

Richtig glücklich ist der 26-Jährige nur, wenn er spielen darf. Für einen ersten Startelfeinsatz kommt das Heimspiel der Berliner gegen den FC St. Pauli aller Voraussicht zwar zu früh, „ich will am Sonntag aber dabei sein“, sagt Unions neunter und letzter Neuzugang des Sommers.

Mit der Verpflichtung Zuljs haben die Berliner ihre Transferplanungen beendet, zumindest was die Einkäufe angeht. Angesichts der Kadergröße würde Union den ein oder anderen der aktuell 30 Profis gerne abgeben. Besonders Christoph Schösswendter, Peter Kurzweg und Berkan Taz haben kaum Aussichten auf Einsätze. Mit Zulj erhält aber auch der bei den Fans sehr beliebte Eroll Zejnullahu, der in den drei bisherigen Pflichtspielen nicht mal im Kader stand, einen weiteren Konkurrenten im üppig besetzten Mittelfeld. Und für die Reservebank haben die Berliner Robert Zulj sicher nicht verpflichtet, auf der hat er in Hoffenheim schon viel zu häufig gesessen.

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