Abo Abonnement
Foto: Imago/Claus Bergmann
Foto: Imago/Claus Bergmann

Amateuerfußball... ist Teil unserer Gesellschaft, mit allen Nebengeräuschen.

Abbruch in der Kreisliga Rassismus ist kein Spiel

Das Spiel war in der 85. Minute vorbei, nachdem ein Zuschauern die Regeln verletzt hatte. Als am vergangenen Wochenende ein Spieler aus der Mannschaft eines Fußballvereins aus Lauchringen im südbadischen Bezirk Hochrhein von einigen Zuschauern rassistisch beleidigt wurde, reagierten seine Kollegen. Ihr Mitspieler, ein Ghanaer, wurde laut Berichten von Weinkrämpfen geschüttelt. Die Spieler des SC Lauchingen verließen mit ihm den Platz, Gastgeber und Gegner FC Weizen hatte dafür Verständnis. Der Schiedsrichter musste noch überzeugt werden, schließlich aber brach er das Spiel der Kreisliga A ab.

Eine kleine aktuelle und traurige Geschichte aus der deutschen Realität. Eine Geschichte aus dem Amatuerfußball, die wir seit Jahren kennen, auch von höchster Ebene. Dort hat Kevin Boateng vor ein paar Jahren nach verbalen Attacken gegen ihn während eines Freundschaftsspiels mit seinen Mitspielern vom AC Mailand den Platz verlassen. Das war in Italien, in Deutschland ist es kaum besser: Rassismus ist für viele schwarze Menschen in diesem Land Alltag, ob sie nun Deutsche sind oder keinen deutschen Pass haben.

Schon im Fußballnachwuchs beschimpfen sich die Kids als „Nigger“, oft im Spaß. Aber es ist ein Spaß mit traurigem Hintergrund. Und es ist wichtig, immer wieder daraufhin zu weisen, dass Rassismus die Geißel des menschlichen Miteinander ist.

Es gibt Fortschritte

Und auch wenn sich das angesichts aktueller Vorfälle in Sachsen abenteuerlich anhören mag: Es gibt Fortschritte, was die Sensibilität vieler Menschen in Deutschland angeht, besonders im Fußball auf höherer Ebene. Der Vater von Nationalspieler Leroy Sane, Souleyman Sane, musste sich vor drei Jahrzehnten, am 23. Juli 1988, im Trikot des 1. FC Nürnberg bei einem Gastspiel am Hamburger Millerntor selbst beim FC St. Pauli noch ekelhaftes Affengegrunze anhören, wann immer er den Ball auf dem Bundesligaplatz berührte. Die Fans der Hamburger reagierten darauf erst Tage später und distanzierten sich mit Flugblättern, vorher hatte es im Klub kaum jemanden interessiert. Auf anderen Plätzen wurden schwarze Spieler zu der Zeit häufig beleidigt. Rassismus war Alltag in der Bundesliga.

Die Reaktion von Weizen macht Mut. Rassismus gehört auf keinen Platz. Das müssen auch die Zuschauer vor Augen geführt bekommen, die sich so verhalten wie die Rassisten von Weizen.     

Zur Startseite
Outbrain