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Foto: REUTERS/Rebecca Cook
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Marko Grujic, hier noch im Trikot des FC Liverpool, soll Hertha mehr Stabilität verleihen.

Ausgeliehen vom FC Liverpool Marko Grujic: Ein großes Talent für Hertha BSC

Marko Grujic irrte ein wenig orientierungslos durch den Stangenwald. Als er sich Richtung Viererkette fallen ließ, wurde er von Niklas Stark gleich wieder weggescheucht. Ein paar Spielzüge weiter rief Stark, Herthas Innenverteidiger, Grujic aus dem defensiven Mittelfeld zu sich heran.

Die Fußballer des Berliner Bundesligisten Hertha BSC übten am Mittwoch im Training den Spielaufbau aus der Abwehr bis vor das gegnerische Tor. Die gegnerische Mannschaft fehlte, lediglich ein paar Dummys aus Stahl waren in den Rasen gerammt, was die Aufgabe für Herthas Spieler zumindest nicht wesentlich erschwerte. Dass Marko Grujic trotzdem hier und da leichte Orientierungsschwierigkeiten erkennen ließ, ist nichts Ehrenrühriges. Der 22-Jährige, frisch ausgeliehen vom Champions-League-Finalisten FC Liverpool, trainierte am Mittwoch zum ersten Mal überhaupt mit der kompletten Mannschaft der Berliner.

„Wichtig ist, dass er sich schnell integriert“, sagt Trainer Pal Dardai. Das wäre schon deshalb hilfreich, weil der neue Mann nur für ein Jahr ausgeliehen ist – und er von den Berlinern als Soforthilfe eingeplant ist. Dass das keine illusorische Hoffnung ist, davon ist Dardai nach den Eindrücken aus dem Training und einem ersten Kennenlerngespräch überzeugt. „Er erfüllt das Profil, das wir uns gewünscht haben: Er hat Ausstrahlung, Körpersprache, besitzt eine gute Handlungsschnelligkeit, ist groß, körperlich robust und trotzdem wendig“, sagt er über den Mittelfeldspieler. „Liverpool hat ihn nicht umsonst verpflichtet und ihn nur ohne Kaufoption an uns verliehen.“

Grujic hat vor drei Jahren mit Serbien die U-20-Weltmeisterschaft gewonnen; inzwischen ist er zum A-Nationalspieler aufgestiegen und hat sogar im Sommer an der Weltmeisterschaft in Russland teilgenommen, ohne dort allerdings zum Einsatz gekommen zu sein. Zuletzt war der Mittelfeldspieler an den britischen Zweitligisten Cardiff ausgeliehen, mit dem er in die Premier League aufgestiegen ist. Liverpools Trainer Jürgen Klopp, so erzählt es Grujic, habe ihm zu einem Wechsel nach Berlin geraten. Hertha sei ein Verein, bei dem sich junge Spieler gut entwickeln könnten.

Grujic strahlt viel Präsenz aus

„Durch den Transfer haben wir mehr Möglichkeiten“, sagt Pal Dardai. Grujic strahlt schon durch seine Größe (1,91 Meter) eine gewisse Präsenz aus. Er kann als Sechser vor der Abwehr spielen, bewegt sich laut eigener Aussage aber auch gerne als Achter zwischen den beiden Strafräumen. Entscheidend für Dardai ist, dass Grujic in Liverpool mehr oder weniger die komplette Vorbereitung mitgemacht hat und auch in Testspielen in nennenswertem Maße zum Einsatz gekommen ist. Körperlich muss er jedenfalls nichts mehr aufholen.

Dardai war zunächst davon ausgegangen, dass der Neuzugang wohl noch kein ernsthafter Kandidat für das erste Bundesligaspiel an diesem Samstag gegen den 1. FC Nürnberg sein dürfte, dass er erst nach der ersten Länderspielpause Anfang September für die erste Mannschaft in Frage komme. Nachdem er in einem Vieraugengespräch mit Grujic weitere Informationen vor allem über seinen Vorbereitungsstand eingeholt hatte, hörte sich das am Mittwoch schon etwas anders an. „Wenn wir Viererkette spielen, können wir ihn sofort reinschmeißen“, sagt Dardai. Dann würde er mit Arne Maier die Doppelsechs vor der Abwehr besetzen, und Ondrej Duda könnte auf seiner Lieblingsposition als Zehner vorrücken.

Allerdings hat Dardai seine Mannschaft am Montag im DFB-Pokal-Spiel gegen den Drittligisten Eintracht Braunschweig mit einer Dreierkette verteidigen lassen. Das 3-4-3 scheint derzeit die bevorzugte Formation der Berliner zu sein; möglicherweise hält Dardai daran auch am Samstag gegen Nürnberg fest. In diesem Fall wäre Grujic definitiv noch kein Startelfkandidat. „Dafür muss ich ihn noch besser kennenlernen“, sagt Dardai – und Grujic das neue System, in dem er bisher noch überhaupt nicht gespielt hat. Wie auch immer. Marko Grujic sagt: „Ich freue mich auf Samstag.“

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