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Berlin-Marathon 2012 Schluss-Duell? Mutai siegt vor Kimetto

Geoffrey Mutai konnte nicht mehr zulegen, unmöglich, das konnte man sehen, man musste sich ja nur sein Gesicht anschauen. Er pumpte gerade die letzten Kraftreserven in seinen ausgelaugten Körper, die Schritte waren schwer, noch 50 Meter bis zum Ziel. Unmittelbar hinter ihm lief Dennis Kimetto, sein Landsmann, aber bei ihm war man nicht so sicher, dass er gerade am absoluten Limit war. Er war auch ausgepumpt, keine Frage, aber er wirkte, anders als Mutai, nicht so, als wäre er nicht noch zu einer Tempoverschärfung fähig gewesen. So wie Mutai dem Ziel entgegen keuchte, hätte eine minimale Steigerung schon zum Sieg gereicht. Nicht mal auf den letzten zwei Metern drückte Kimetto seinen Körper nach vorne.

Mutai rannte also als Erster ins Ziel, aber nicht als neuer Weltrekordhalter. Die 2:03:38 Stunden seines Landsmann Patrick Makau verpasste der Kenianer um 37 Sekunden. 2:04:15 Stunden benötigte der Favorit, das ist die sechstbeste jemals gelaufene Marathon-Zeit. Kimetto war eine Sekunde länger unterwegs.

Damit hat Mutai nicht bloß in Berlin insgesamt 70.000 Euro Prämien gewonnen, er liegt, nach Siegen in Boston, New York und nun Berlin, in der Serie World Marathon Majors uneinholbar vorn. Und damit streicht er 500.000 Dollar Prämie ein. Genau deshalb liegt der Gedanke nicht so furchtbar fern, dass Kimetto gar nicht gewinnen wollte. Die Beiden haben den gleichen Manager, sie sind Trainingspartner, und nur bei einem Sieg hatte Mutai den Gesamtsieg in der Serie sicher. Als Zweitplatzierter hätte er zittern müssen. Dann hätte noch die Chance bestanden, dass ihn sein Landsmann Wesley Korir in der Gesamtwertung überholen würde. Vielleicht zweigt Mutai ja einen Teil seiner Prämie für Kimetto ab. Denn der sagte nach dem Rennen offenherzig: „Geoffrey ist der Boss.“ Gut denkbar, dass er dem anderen aus Respekt vor dessen Stellung in der Gruppe den Gesamtsieg nicht vermasseln wollte.

Bildergalerie: Das war der Berlin-Marathon 2012

Im April noch war Kimetto nur als Tempomacher für den Marathon vorgesehen. Da hatte er in Berlin gerade den Halbmarathon gewonnen. Im Mai siegte er dann auch noch über 25 Kilometer (in Weltrekordzeit). Im Juli dann entschied Renndirektor Mark Milde, dass Kimetto beim Marathon laufen kann, wie er will.

Und er lief am Sonntag so schnell, wie das wohl niemand erwartet hatte. 2:04:16 Stunden, das ist die schnellste Zeit, die jemals ein Debütant erreicht hatte. Und ein Sieg? Hätte der ihm nicht gefallen? „Ich bin glücklich, dass wir zusammen ins Ziel gekommen sind“, sagte Kimetto nachher, und ausgerechnet Mutai übersetzte seine Worte für die Journalisten ins Englische. „Ich habe nie geglaubt, dass ich Geoffrey besiegen könnte“, übersetzte Geoffrey Mutai weiter. Gelächter bei den Zuhörern.

Die Halbmathon-Marke hatte die Spitzengruppe nach 62:12 Minuten passiert, das war klar über dem Fahrplan. Danach verschärften die Kenianer das Tempo. Die Strecke zwischen Kilometer 31 und 32 bewältigten sie in 2:48 Minuten, für den nächsten Kilometer benötigten sie sogar nur 2:43 Minuten, sensationelle Zeiten. Zwischen Kilometer 30 und 35 waren sie bloß 14:19 Minuten unterwegs, eine unglaubliche Zeit. Das kostete aber enorm Kraft, zudem hatte Mutai auf den letzten Kilometern Probleme mit seinem linken Oberschenkel und in der Hüfte.

Probleme hatte man auch im Führungsfahrzeug. Die digitale Uhr, der den Topläufern diverse Zeiten anzeigt, darunter die Zeit des jeweils letzten Kilometers, war bis Kilometer 25 defekt. Die Läufer erhielten bis dahin die Botschaft, dass sie den jeweils letzten Kilometer in 2:50 Minuten bewältigt hatten. Der Manager von Mutai und Kimetto brüllte deshalb schon bei Kilometer vier seinen Athleten zu, sie sollten auf ihre eigene Uhr schauen. Zudem erhielten sie von Begleitern auf dem Fahrrad jeweils die aktuellen Zeiten. Das ist eine ärgerliche Panne, Milde sprach auch von „Konfusion“ und Mutai erklärte: „Ich war entspannt, weil der Weltrekord immer möglich war. Doch die Zwischenzeiten haben mich etwas irritiert.“ Aber durch die Panne allein wurde der Weltrekord wohl kaum verhindert.

Jan Fitschen vom TV Wattenscheid hatte ganz andere Probleme. Irgendwann musste er dringend auf die Toilette, „weil ich etwas zu viel gegessen hatte“. Die Zwangspause kostete ihn zwar 20 Sekunden, persönliche Bestzeit erreichte er mit 2:13:10 Stunden trotzdem. Das bedeutete Platz 14 und ein enormes Triumphgefühl. „In den ersten Minuten nach dem Rennen habe ich immer noch über dem Boden geschwebt.“

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