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Foto: Simonowitsch/Hertha 03
Foto: Simonowitsch/Hertha 03

Hart umkämpft. Eine Szene aus dem Pokalspiel 1982.

Kooperation der zwei Vereine Wie Hertha 03 und Hertha BSC zusammen wachsen wollen

Mommsenstadion, 28. August 1982, ein Samstagnachmittag. Es läuft die Schlussphase eines hart umkämpften Spiels in der ersten Runde des DFB-Pokals. Rainer Schure schießt mit viel Wucht, Walter Gruler köpft den Ball gerade noch auf der Linie weg. Der Hertha-Profi zieht sich bei seiner Aktion sogar eine Gehirnerschütterung zu und muss ausgewechselt werden. Aber Gruler hat das 3:2 für Außenseiter Hertha 03 Zehlendorf verhindert. Der Berliner Oberligist hat sogar noch mehr Pech, der Schiedsrichter verwehrt Hertha 03 nach einem Handspiel von Horst Ehrmantraut den fälligen Elfmeter. Der Bundesligist siegt 4:2 nach Verlängerung.

Es war eines der größten Duelle zwischen der großen und der „kleinen Hertha“, wie der Berliner den Klub aus Zehlendorf nannte und nennt. Wobei Hertha 03 sportlich inzwischen als Oberligist sehr weit entfernt ist von Hertha BSC. Daher ist es ein Feiertag, wenn der Fünftligist am Donnerstag auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld das Team von Pal Dardai zum Freundschaftsspiel empfängt (18 Uhr). Es ist tatsächlich ein Freundschaftsspiel, denn die Rivalen von einst kooperieren seit einem Jahr. Inzwischen wechseln Spieler aus dem nach wie vor gut aufgestellten Zehlendorfer Nachwuchs auf geradem Weg nach Charlottenburg. Hertha-03-Präsident Kamyar Niroumand sagt, das sei ein Erfolg: „Bereits jetzt sind zwei Spieler unserer U19 zur U23 von Hertha gewechselt.“ Die Zusammenarbeit geschieht von Seiten des Bundesligisten nicht ohne Kalkül. Schließlich ist die Liste der Spieler lang, die einst von Zehlendorf aus an Hertha vorbei in die Bundesliga aufbrachen, von Pierre Littbarski über Christian Ziege bis zu Robert Kovac. Der Klub finanziert mit der Ausbildung ein großes Stück weit seine Existenz, zuletzt hat ein Auslandstransfer von Nationalspieler Antonio Rüdiger ein neues Dach der Geschäftsstelle ermöglicht.

Die Einnahmen des Testspiels bekommt Hertha 03

Im Rahmen der Kooperation werden Zehlendorfs A-Junioren nun von Hertha- Trainer Anto Galesic betreut. So müsse „ Hertha nicht alle paar Wochen einen Scout in Zehlendorf vorbeischicken, so sehen sie uns jeden Tag“, sagt Oliver Kellner, Sprecher von Hertha 03. Zudem können Spieler von Hertha an den Siebenendenweg wechseln. Schon früher gab es keine fußballerische Einbahnstraße von Zehlendorf nach Charlottenburg. Hans- Günter Schimmöller war 1963 erster Bundesligatorschütze bei Hertha und wechselte 1968 zum sehr ambitionierten Regionalligisten (damals zweithöchste Klasse) nach Zehlendorf. In einem Testspiel im Stadion an der Plumpe gewann Hertha 03 1969 sogar vor 6000 Zuschauern 4:1. Herthas Trainer Fiffi Kronsbein war bedient, weil „Zehlendorf kämpferisch überlegen war“.

Meist aber siegte Hertha, so auch beim 4:1 im Testspiel im Poststadion im November 1963. Eckhard Daugs, in der Pause bei Zehlendorf für Michael Kellner gekommen, spielte das Spiel seines Lebens. Kellner, Vater des heutigen Hertha-03-Sprechers, spielte acht Jahre später in der Bundesliga bei Hertha. Daugs, der laut Tagesspiegel „als Entdeckung unter Flutlicht seinen Weg machen“ sollte, war hingegen keine große Karriere beschieden.

In Pflichtspielen verlor Hertha BSC in den jüngsten Jahrzehnten nicht gegen Hertha 03. Nicht in den Sechzigern in der Regionalliga, da gab es sechs Spiele, und auch nicht Ende der Achtziger in vier Begegnungen in der Oberliga. Und dann gab es eben dieses Spiel im DFB-Pokal 1982, nach dem Herthas Trainer Georg Gawliczek sagte: „Einige meiner Spieler haben sich offenbar gesonnt.“

Damals kamen 6000 Zuschauer zum Pflichtspiel, für das Testspiel am Donnerstag rechnet der Klub aus Zehlendorf mit 2500 Besuchern. Mittwoch waren schon 2000 Tickets verkauft. 1982 war der Klub – wie im Pokals Usus – an Herthas Nettoeinnahme beteiligt, am Donnerstag kommt das Geld allein Hertha 03 zu Gute. Eine schöne Geste der großen Schwester aus der Bundesliga.

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