Abo Abonnement
Foto: Haluk Levent
Foto: Haluk Levent

Sieht nicht aus wie ein guter Schwimmer, ist aber einer: Der Stier Ferdinand.

Ein Held namens Ferdinand Wie ein türkischer Stier um sein Leben schwamm

Abdurrahman Köksal traute seinen Augen nicht. Der Fischer an der türkischen Schwarzmeerküste war mit seinem Boot unterwegs, als er eine dunkle Gestalt im Wasser bemerkte. Vielleicht ein Schwimmer oder Taucher in Schwierigkeiten, dachte sich Köksal, und nahm Kurs auf die Erscheinung. Aber dann sah er vor sich einen Stier, der vor der Küste paddelte und die Nase knapp über die Wasseroberfläche hielt.

Die Begegnung mit Köksal machte den Stier in der Türkei zum Star. Denn nachdem der Fischer die Küstenwache zur Hilfe gerufen und das Jungtier an Land bugsiert hatte, stellte sich heraus, dass der Stier eine lange Reise im Meer hinter sich hatte. Das Tier war in Rize, rund 25 Kilometer weiter östlich, ausgebüxt und hatte den Seeweg genommen. Der Stier sollte in Rize beim islamischen Opferfest geschächtet werden. Doch „Ferdinand“, wie der Bulle inzwischen nach dem Zeichentrick-Stier genannt wird, hatte andere Pläne. Er rannte fort, setzte über eine Mauer, sprang ins Meer und schwamm los. Erst nach drei Tagen im Wasser wurde er von Köksal gesichtet.

Ferdinands Zähne haben unter dem Salzwasser gelitten. Ansonsten ist der junge Bulle bei bester Gesundheit. Einen solchen Helden zu schlachten, komme nicht infrage, sagte der herbeigeeilte Besitzer Metin Yalcin. Er hatte Ferdinand in Rize aus den Augen verloren, nachdem er ausgerissen war.

Der Rockstar Haluk Levent kaufte Ferdinand - und brachte ihn auf einen Hof

In Interviews mit türkischen Reportern versprach Yalcin, er werde gut für Ferdinand sorgen, doch der Stier kehrte nicht nach Rize zurück. Die spektakuläre Flucht des Jungstiers wurde zum Thema in den Zeitungen und im Fernsehen, was den bekannten Rockstar Haluk Levent auf Ferdinand aufmerksam machte. Levent füllt in der Türkei Stadien und engagiert sich als Wohltäter für Bedürftige sowie als Tierschützer. Er kaufte Ferdinand und ließ ihn auf einen Hof für gerettete Tiere in der westtürkischen Provinz Izmir bringen.

Er freue sich über Ferdinands Schicksal, sagte der Sänger vor einigen Tagen während eines Besuches im neuen Heim des Stiers. „Er sollte als Opfertier geschlachtet werden, doch er ist geflohen und hat gekämpft“, sagte Levent, der Ferdinand vor laufenden Kameras fütterte und streichelte. „Nun ist er unser Freund.“

Ferdinands Flucht und Levents Hilfsaktion wärmen den Türken deshalb ganz besonders das Herz, weil in jüngster Zeit viele Fälle von brutalem Tiermissbrauch bekannt geworden waren. Ferdinand sei zum Symbol des Tierschutzes geworden, betonte Levent.

Zur Startseite
Outbrain