Abo Abonnement
Illustration: Suse Grützmacher
Illustration: Suse Grützmacher

Die Auswahl unserer Autorin

Essen & Trinken Mein kulinarisches ABC (6)

AFRIKAPLÄTZCHEN

waren die Delikatessen meiner Kindheit. Die industriell gefertigten aus dem Supermarkt kommen nicht ansatzweise an den Geschmack heran. Glücklicherweise backen auch in Berlin immer mehr kulinarische Manufakturen selber. Immer mal wieder kann man die Afrikaplätzchen beim Naschmarkt in der Kreuzberger Markthalle Neun kennen lernen.

BAGELS

haben mir lange gefehlt in Berlin, bis die erste Filiale von Solomon’s Bagels eröffnete. Was an den zähen Brötchen mit Loch drin so köstlich sein soll, fragen mich Freunde manchmal. Für mich ist es der Geschmack nach New York. Wenn man sie toastet, sind sie auch nicht mehr zäh und mit Creamcheese & Lachs-Aufstrich der beste Start in den Tag. Na ja, noch besser haben sie tatsächlich geschmeckt, als man noch über den Ozean reisen musste, um sie genießen zu können. Aber so ist unser Geschmack konzipiert: das Seltene kommt einem immer besonders begehrenswert vor.

CIA

heißt die Eliteschmiede für amerikanische Köche am Hudson: Culinary Institute of America. Sollte es immer noch Leute geben, die denken, dass sich Amerikaner von Fastfood und Cola ernähren, ist dies ein guter Ort zur genussreichen Klischeebekämpfung. Allein das hausgebackene Brot revolutioniert in Sekundenschnelle das Vorurteil, Amerikaner können nur Burger-Brötchen mümmeln.

DIE DORFSTUBE

ist ein Kleinod ohne Stern im sonst von Michelin-Sternen so verwöhnten Baiersbronn. Eingerichtet ist diese pittoreske Oase regionaler Küchenkunst im Hotel Bareiss mit den originalen Möbeln einer alten Südtiroler Bauernstube. Ob Linsen mit Spätzle, Salat oder Vesperplatte, alles ist liebevoll gemacht. Inzwischen gibt es ein Double in Düsseldorf. Wann endlich in Berlin?

Foto: Doris Spiekermann-Klaass

Unsere Autorin Elisabeth Binder

Foto: Doris Spiekermann-Klaass

Unsere Autorin Elisabeth Binder

ELGIN WINERY

Elgin Winery ist die Heimstatt des „Tombstone Red“, eines edelsüßen Rotweins, der unter gleißender Sonne auf der Prärie im südlichen Arizona gedeiht. Als im Wilden Westen noch geschossen wurde, diente die heutige Winery als Hurenhaus, in dem sich die Cowboys von ihren Showdowns erholten.

FOIE GRAS

mag ich gar nicht, weder von Enten noch von Gänsen, egal, ob sie mit Feigen oder mit Mais gestopft wurden. Mag die Konsistenz auch noch so fein sein, der Gedanke an das Leiden der Tiere verdirbt mir den Appetit. In diese Kategorie fallen auch Entenpressen, in denen das Blut aus dem halb rohen Tier zwecks Verfertigung einer Sauce Rouennaise gequetscht wird. Die Lust am Genuss rechtfertigt in meinen Augen keine Barbarei. Solche Prozeduren sind nur dazu angetan, die Zahl der Vegetarier weiter zu vergrößern.

GUACAMOLE

ist als Dip für Gemüsesticks und Chips unersetzlich. Baumbutter nennen die Australier die Avocados, aus denen sie hergestellt wird. Das Schöne ist, man kann Avocadopüree immer variieren. Frischer Koriander gehört unbedingt rein, manchmal mein extrascharfes Habanero-Gewürz, manchmal aber auch Mischungen, die bei mir so geheim sind wie die Coca-Cola-Formel.

HAFERFLOCKEN

zum Frühstück gefallen mir nicht, viel zu brav. Aufregende Frühstücksbuffets findet man in China, weil man oft das Gefühl hat, da wird alles aufgetischt, was Menschen weltweit zu allen Tageszeiten essen. Auch israelische Frühstücksbuffets sind empfehlenswert wegen der Kombination aus Fischen und exotischen Quarkzubereitungen.

Foto: Doris Spiekermann-Klaass

Unsere Autorin Elisabeth Binder

Foto: Doris Spiekermann-Klaass

Unsere Autorin Elisabeth Binder

IRISH COFFEE

ist zu Unrecht ein bisschen aus der Mode geraten. Die Kombination von Whisky und Kaffee mit Zucker und Sahne ist zwar kalorienlastig, aber gerade im Winter trotzdem lecker und eine sündhaft schöne Abwechslung vom ewigen Espresso mit Grappa.

JALAPENOS

gehören zu den schärferen Chilisorten. Soll man nie ohne Handschuhe verarbeiten. Der Verzehr macht aber glücklich, denn der Schmerz, den die Schärfe verursacht, stimuliert entsprechende Regionen im Gehirn. Vielleicht haben sie in den letzten Jahren deshalb einen so beispiellosen Siegeszug angetreten.

KROKODILFLEISCH

muss man nicht probiert haben. Manche empfinden es als Abenteuer, vielleicht weil fressen sich besser anfühlt, als gefressen zu werden. Aber es schmeckt wie zähes Hühnchen. Selbst dort, wo die Viecher ringsum in den Sümpfen wachsen, stehen sie nicht mehr auf der Karte. Dafür werden die Krokodile hierzulande in manchen Erlebnisrestaurants noch immer angeboten.

LEIPZIG

ist in einer Stunde und 15 Minuten mit dem ICE zu erreichen und ein lohnendes Ziel für Gourmets. Dort kocht nicht nur der frühere Küchenchef des Capital Clubs, Peter Maria Schnurr im Westin Grand auf Zwei-Sterne-Niveau. Es gibt auch sonst schöne Ziele, zum Beispiel Niemanns Tresor oder die feine Abteilung von Auerbachs Keller.

MANDELOLIVEN

sind als gesunder Snack zu Wein und Champagner eine gute Wahl, schon wegen der aparten Kau-Sensation.

NEUSEELÄNDISCHE WEINE

haben die unvergleichlich frischen Grapefruitnoten, die sie bei warmen Temperaturen zu einer so angenehmen Erfrischung machen, dass man verführt wird, die weite Anreise billigend in Kauf zu nehmen. Ähnliches gilt für chilenische Weine: Sie schmecken oft so sonnensatt wie Medizin gegen trübe Sommertage.

OPUS ONE

ist ein kalifornischer Premium-Wein aus Oakville im kalifornischen Napa Valley. Dieser wunderbare Tropfen geht zurück auf eine gemeinsame Initiative von Robert Mondavi und Baron Philippe de Rothschild, kostet mindestens dreistellig, schmeckt aber auch so.

PRESTIGE-ESSER

waren eine Erscheinung der 80er Jahre, als sich in Deutschland langsam die Erkenntnis durchsetzte, dass ein Essen nicht nur der reinen Nahrungsaufnahme dient. Das wurde dann von Geschäftsleuten und anderen missbraucht, um das eigene Prestige anzuheben. Früher reichten blitzende Karossen zum Angeben, jetzt machten auch Weine zu vierstelligen Preisen, serviert von hochmanierierten Obern, den Job. Inzwischen gibt es aber auch hierzulande entspannte Genießer wie in Frankreich und Italien.

QUINOA

ist eine überaus gesunde und wohlschmeckende Alternative zu klassischen Sättigungsbeilagen wie Nudeln oder Reis. Ursprünglich kommt Quinoa, auch Reismelde genannt, aus den Anden, wird aber längst auch in Frankreich und China angebaut. Massiert so schön Gaumen und Zunge.

REZEPTE

kann man als Leitfaden nehmen. Persönliche Variationen sind noch besser. Wenn man ein bisschen mehr von seinen Lieblingszutaten nimmt, werden die Gerichte mit genau der richtigen Portion Liebe angereichert, die durch den Magen geht, aber auf der Zunge entflammt.

SCHWARZBROT

schmeckt am besten mit reichlich Rübenkraut – im Münsterland gebacken von meiner alten Schulfreundin Gabi. Wer diesen exklusiven Genuss nicht haben kann, sollte das in Scheiben geschnittene Roggenbrot aus dem KaDeWe probieren. Oder sich mal bei Bäcker Weichart umtun. Auch die Brezeln in der Hofpfisterei schmecken gut.

TSATSIKI

gehört tatsächlich zu meinen Lieblingsgerichten. Dafür bin ich oft verspottet worden, doch der Grund für die Liebe ist einfach: Es ist ein seltener Genuss. Denn ich esse Tsatsiki nur, wenn ich ziemlich sicher sein kann, dass sich hinterher niemand von der Knoblauchfahne belästigt fühlt, was praktisch nie der Fall ist.

URUGUAY

ist für Steakfans, die ihrer Leidenschaft in authentischer Umgebung nachgehen wollen, eine originelle Alternative zu Argentinien.

VEGANER

verpassen unter anderem Eggs Benedict, Taleggio, Schnittlauchquark, Kirschjoghurt, warmen Kakao, Waffeln mit Sahne und viele andere Dinge, die zwar nicht dünner, aber glücklicher machen. Ersatzstoffe bringen einfach nicht den vollen Geschmack.

WHITE TRASH

ist ein Restaurant, das sich am Humor von Teenagern orientiert und deshalb ein gutes Ziel, wenn man welche ausführen will. Und sei es auch nur um eine Entschuldigung zu haben, in lustiger Umgebung Fuck You Fries aus Biokartoffeln mit reichlich Ketchup zu genießen.

XXL-PORTIONEN

müssten eigentlich hoffnungslos out sein, sind aber nicht auszurotten, besonders in billigen Restaurants.

YUMMIE!

Die globale Entsprechung zum deutschen „lecker“ ist für Restaurantkritiker eigentlich verboten. Der Ausruf passt wohl auch deshalb gut zu kindlichen Genüssen wie … Lieber nicht.

ZITRONENEIS

am besten kombiniert mit dunklem Schokoladeneis. Gehört seit Kindertagen zu meinen liebsten Sommergenüssen. Da können noch so viele neue Sorten erfunden werden.

Zur Startseite
Outbrain