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Foto: aldegonde le compte/stock.adobe.com
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Kein Appetit? Die kleinen roten Bläschen können an den Schleimhäuten weh tun.

Kolumne: Der Kinderdok Hat das Hand und Fuß?

Die Maul- und Klauenseuche geht wieder durch die Kitas, schon gehört? Neulich fragte mich eine Mutter, wie das sein könne, sie habe ja gar keinen Kontakt zu Nutzvieh.

Dabei handelt es sich um den häufigsten Irrglauben in der Medizingeschichte von Kindergärten und Krabbelgruppen: Dass die Hand-Fuß-Mund-Krankheit, um diese Verwechslung ging es, so gefährlich sei wie die oben genannte Tierseuche.

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine durch verschiedenste Virenstämme ausgelöste Krankheit des Kleinkindalters. Nach der Infektion entwickeln die Kinder grippeähnliche Symptome, die aber auch fehlen können, und erkranken für ungefähr eine Woche. Namensgebend sind die typischen Ausschläge an Hand, Fuß und – Achtung – Mund. Letztere sind das Unangenehmste daran. Die kleinen roten Tupfen können an den Schleimhäuten weh tun, Kauen und Schlucken beinahe unmöglich machen.

In einer Gruppe sind alle infiziert

Hier beginnt die Entscheidung der Eltern und des Arztes: Ist ein Kind fiebrig, kann kaum essen, jucken die Ausschläge so sehr, dass nächtens kaum an Schlaf zu denken ist, sollte das erkrankte Bobbele zu Hause bleiben. Es darf sich ausruhen, Schlabberjoghurt löffeln, Eis essen. Sieht man jedoch nur wenige Ausschläge, die nicht offen oder feucht belegt sind, und besteht kein Fieber, kann das Kind raus. Die Kindergärten sehen das oft anders, weil sie die Aufgabe haben, alle ihre Schutzbefohlenen vor den anderen Schutzbefohlenen zu schützen.

Das Robert-Koch-Institut, in Deutschland zuständig für Infektionskrankheiten und Impfungen, drückt sich salomonisch aus: „Aus epidemiologischer Sicht erscheint eine generelle Empfehlung zum Ausschluss von erkrankten Kindern aus Kinderbetreuungseinrichtungen oder Schulen wegen der hohen Zahl asymptomatischer Verläufe und, da die Viren noch für Wochen nach Symptomende ausgeschieden werden, als wenig zielführend.“

Richtig: Die Kinder sind bereits eine Woche vor Auftreten der Bläschen ansteckend und bleiben es Wochen danach. In einer Gruppe sind also bei offensichtlichem HFM-Exanthem eines oder mehrerer Kinder eigentlich bereits alle infiziert. Es wird symptomarme Keimträger geben, die weiter die Einrichtung besuchen und solche, die erst morgen Exantheme entwickeln. Schaut die Erzieherin zu genau hin und übt das Hausrecht aus, bleibt der Delinquent daheim. Und die Eltern können sehen, wie sie ihre Arbeit organisieren.

Früher hieß es Sommergrippe

Ich plädiere für ein praktisches Umgehen: Wenn das Kind elterliche Betreuung braucht, ruht es zu Hause. Kinder mit kaum sichtbarem Ausschlag ohne Krankheitsgefühl, können weiter in die Kita gehen. Wie die anderen Infizierten auch.

Früher nannten wir die Krankheit übrigens Sommergrippe. Husten, Schnupfen, Fieber mit Ausschlag, bei einer epidemiologischen Häufung im Sommer und in Kindergärten. Wer kam bloß auf die Idee, einer harmlosen Viruserkrankung diesen gruseligen Namen zu geben? Da fühlt man sich krank, wenn man den nur hört.

Die armen Rindviecher, die wirklich an der Maul- und Klauenseuche sterben! Sie dürfen nicht einmal vorher in die Kita.

Unser Kolumnist betreibt eine Praxis in Süddeutschland, bloggt unter kinderdok.blog und schreibt ab sofort alle vier Wochen an dieser Stelle.

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