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Foto: privat
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Familienbetrieb. Daniela Laue leitet die Mosterei in dritter Generation.

Ärger mit Lebensmittelamt Berlins letzte Mosterei kämpft um ihr Überleben

Berlins letzte Mosterei kämpft um ihr Überleben. Die „Buchholzer Kelterei“ war zuletzt monatelang geschlossen und musste Insolvenz anmelden. Seit vergangener Woche laufen dort zwar wieder die Saftpressen, aber zunächst nur bis zum Jahresende. Ob und gegebenenfalls wie es dann weitergeht, ist offen.

In der Triftstraße im Pankower Ortsteil Französisch Buchholz wird seit den 1930er Jahren Obst und Gemüse vor allem aus Kleingärten der Region nach alter Hausmannsart zu Saft gepresst. Seit 1962 ist die Kelterei in Familienbesitz, Daniela Laue leitet sie schon in der dritten Generation. Mitte Juni musste die Geschäftsführerin die Produktion stoppen. „Das Pankower Lebensmittelamt hatte uns die Produktionshalle gesperrt“, so Laue. „Wir sollten alles umbauen, die Fenster, die Maschinen, die Wände.“

Laue gibt zu, dass die Anlage auf dem familieneigenen Grundstück ein wenig aus der Zeit gefallen ist. Natürlich müsse man Stück für Stück alles auf den neuesten Stand bringen, „aber das alles auf einmal war nicht möglich. Wer soll das bezahlen? Wir sind ein Familienunternehmen und kein Großkonzern“. Außerdem werde der Saft regelmäßig getestet, er sei immer einwandfrei. „Wir produzieren ja keine Schokolade oder andere offene Lebensmittel. Die Flasche kommt aus einer 80 Grad heißen Waschmaschine, der Saft kommt sofort rein, Deckel drauf.“

Infolge der Schließung hatte Laue Insolvenz anmelden müssen, „ich konnte die Mitarbeiter ja nicht mehr bezahlen“. Im letzten Jahr hatte die Pankower Kelterei unter einem Ernteausfall von 90 Prozent zu leiden, „das Amt hat uns dann den Rest gegeben“, sagte Laue.

Schimmel und ungenügender Rattenschutz

Der zuständige Bezirksstadtrat Daniel Krüger (parteilos/für AfD) wehrt sich gegen den Verdacht der Wirtschaftsfeindlichkeit in seinem Amt. „Die Kontrolleure machen das nicht, um die Leute zu ärgern oder ihnen die Beine wegzuhauen“, sagt er auf Anfrage. Es habe einen langen Vorlauf gegeben, die hygienischen Verhältnisse seien mehrfach bemängelt worden. „Die Verstöße waren schon eklatant“, sagt Krüger und spricht von Schimmel und ungenügendem Rattenschutz. Auf entsprechende Hinweise, erst mündlich, im vergangenen Jahr dann schriftlich, habe Laue aber überhaupt nicht reagiert. Deshalb habe sich das Veterinäramt im vergangenen Juni zur Schließung der Mosterei gezwungen gesehen.

Nach kurzfristigen Verbesserungsmaßnahmen ist die Saftproduktion in Französisch Buchholz nun zumindest bis zum Jahresende amtlich genehmigt worden. Zur Freude der vielen Kleingärtner aus der Region, die den Großteil des Obstes liefern. „Wir wurden schon mit mehr als 20 Tonnen Äpfeln überhäuft und haben Bestellungen ohne Ende“, sagt Laue. „Wir kommen kaum hinterher.“ Auch deshalb, weil von zuvor zehn Mitarbeitern nur noch die Hälfte geblieben ist.

Privatkunden würden an der Kelterei hängen

Damit in der Triftstraße nach acht Jahrzehnten nicht dauerhaft die Lichter ausgehen, soll im Winter umgebaut werden. Laut Bezirksstadtrat Krüger hat sich ein Investor aus der Getränkebranche bereit erklärt, gemeinsam mit Laue den Umbau der Kelterei anzugehen. Ideen gibt es laut Laue schon. Auf dem Firmengelände befinde sich noch eine neuere Halle, „wir könnten die Produktion dorthinein verlegen. Aber es ist schwer einzuschätzen, was uns auf zukommt, ob wir etwa neue Maschinen kaufen müssen“. Die Riesen-Flaschenwaschmaschine könne man etwa nur mit einem Kran umsetzen.

Mut macht Daniela Laue, dass die Kunden weiter zur „Buchholzer Kelterei“ halten. Die Großabnehmer und Supermärkte seien trotz der Lieferengpässe in der Vergangenheit nicht zu den großen überregionalen Saftherstellern abgesprungen. Sie will Laue auch während der Umbauphase unbedingt weiter beliefern. Auch die vielen Privatkunden würden an der Kelterei hängen, „und ich hänge auch an ihnen, sie waren ja teilweise schon bei meinen Großeltern“. Deshalb will sie um die Zukunft der „Buchholzer Kelterei“ kämpfen. Sie wolle aber nicht, dass irgendjemand anderes nur unter ihrem Namen weiterproduziere. „Da mache ich lieber dicht. Wo ,Buchholzer‘ draufsteht, muss auch Saft aus Buchholz drin sein“, sagte Laue.

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