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Immer häufiger nutzen Kunden den DB Navigator, die beliebte Anwendung fürs Smartphone.

DB Navigator Eine Erfolgs-App mit kleinen Tücken

Thomas Wüpper

Wer ein digitales Bahnticket für Mitreisende kaufen will, muss aufpassen. Denn leicht kann daraus ein Ärgernis werden. Bei der Deutschen Bahn sind solche Buchungen im Internet unter www.bahn.de zwar grundsätzlich möglich. Immer häufiger nutzen Kunden aber den DB Navigator, die beliebte Anwendung fürs Smartphone. Mit dieser App aber ist der Fahrscheinkauf für Dritte bisher nicht machbar.

Die allermeisten Reisenden wissen das allerdings nicht. Besonders tückisch: Im Programm fehlen deutliche Hinweise auf diese Lücke. Stattdessen wartet man bei der Buchung vergeblich auf die Frage, für wen das Ticket sein soll - und hat am Ende den Fahrschein womöglich für sich selbst gebucht. Dann helfen nur eine schnelle Stornierung und die Hoffnung, dass die Bahn die Rückgabe akzeptiert.

Ein DB-Sprecher räumt auf Anfrage ein, dass die Hinweise "nicht gut genug gekennzeichnet" seien und von Kunden übersehen werden können. Bei schnell gemeldeten Fehlbuchungen zeige sich die Bahn aber kulant. Die weitere gute Nachricht: Ab Oktober sollen die Hinweise in der mobilen Buchungsstrecke besser sichtbar platziert werden. Zudem prüfe man, ergänzt der Sprecher, ob die Buchung für Dritte auch mit der App ermöglicht werden kann.

Der DB Navigator gilt als eine der erfolgreichsten Reise-Apps in Deutschland. 957 Millionen Mal nutzen Reisende voriges Jahr allein die Auskunft nach Zugverbindungen, so der Konzern. Der mobile Helfer liefert zudem Echtzeitdaten zu Ankunfts- und Abfahrtzeiten inklusive Verspätungs-Alarm, zeigt die Wagenreihung am Gleis, ermöglicht Sitzplatzreservierungen und natürlich Buchungen. Mit dem Handy lassen sich Fahrkarten binnen Minuten kaufen, aufs Display laden und nutzen. Ein Ausdruck auf Papier ist nicht mehr nötig.

Jeder zwanzigste Fahrschein wird bereits mobil gebucht

15 Millionen Tickets verkaufte die DB voriges Jahr über den Navigator, ein Zuwachs um 47 Prozent. Meistgebuchte Strecke: Berlin-Hamburg. Die digitalen Vertriebskanäle wachsen rasant, jeder zwanzigste Fahrschein wird bereits mobil gebucht. Zusammen mit der Webseite bahn.de brachte das Digitalgeschäft 2017 schon mehr als drei Milliarden Euro Umsatz, fast 40 Prozent der Ticketeinnahmen.

Knapp 17 Millionen Kunden haben sich digital registriert - ein riesiger Datenschatz für den Staatskonzern. Unter dem Stichwort Mobilität 4.0 will Bahnchef Richard Lutz die Vision einer voll vernetzten Reise verwirklichen. Schon Vorgänger Rüdiger Grube trieb den Umbruch im größten Transportkonzern Europas voran und ließ 150 digitale Projekte anschieben. Ein Schwerpunkt: Mit dem Smartphone sollen Bahnfahrer komfortabler vom Start bis zum Ziel unterwegs sein.

Dazu wird besonders der DB Navigator mit immer mehr nützlichen Funktionen aufgerüstet. So können sei dem Frühjahr erste Auslandsverbindungen mit der ÖBB in Österreich und Trenitalia in Italien gebucht werden. Seit Juli können Bahnreisende mit der App zudem ganz einfach selbst in immer mehr ICE-Zügen einchecken. Wer ein Handy- oder Online-Ticket mit Sitzplatzreservierung gekauft hat, kann im Zug eine Mitteilung auf dem Smartphone bestätigen und wird dann vom Ticketkontrolleur nicht mehr beim Arbeiten oder Schlafen gestört.

Ebenso praktisch: die Schnellbuchung in nur vier Schritten, seit Juni im Navigator verfügbar. Wer seine Daten wie Zahlungsmittel und gewünschte Wagenklasse im System hinterlegt hat, kann sich damit nun noch einfacher ein Handyticket besorgen.

Ein großer Fortschritt ist zudem der rasante Ausbau des Ticketangebots für innerstädtische Fahrten. Der DB Navigator ermöglicht aktuell bereits den Fahrscheinkauf für Busse, Straßen-, U- und S-Bahnen in 26 Verkehrsverbünden, darunter der VVS in Stuttgart, der VRN (Rhein-Neckar), der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF), der Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr (HNV), der RMV (Rhein-Main) sowie der VBB (Berlin und Brandenburg).

Der Konzern erreicht mit seiner App inzwischen einen Großteil der 65 Millionen Bundesbürger, die innerhalb von Verkehrsverbünden leben. Das erklärte Ziel: Der DB Navigator soll zum "Generalschlüssel" auch für den gesamten Nahverkehr werden. Schon 2017 wurden 1,3 Millionen Verbundtickets über die App verkauft, eine rasante Steigerung ist zu erwarten. So trägt der Navigator über den einfacheren Weg zum Nahverkehrsticket dazu bei, dass mehr Menschen umweltschonend unterwegs sind.

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