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Foto: Getty Images/iStockphoto
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Noch mal eben Facebook checken. Intensivnutzer sollten einen Vertrag mit mindestens ein oder zwei Gigabyte Datenvolumen wählen.

Handyverträge Den Richtigen finden

Franziska Mitschke

Ein Smartphone für nur einen Euro zum neuen Handyvertrag dazubekommen – das klingt zunächst einmal verlockend. Um die eigentlichen Anschaffungskosten für das Gerät macht sich der euphorische Verbraucher so erst mal keine Gedanken. Dafür muss er aber monatlich einen deutlich höheren Betrag an den Mobilfunkanbieter zahlen, als wenn er kein Handy dazugenommen hätte. Das wiederum lohnt sich eher selten.

Bei O2 zahlt man zum Beispiel für das iPhone 8 oder das Samsung Galaxy S9 im günstigsten Tarif 43 Euro monatlich. Für das iPhone X sogar 68 Euro. Dafür kann der Kunde mit den Smartphones zwar so viel telefonieren, wie er möchte, das Datenvolumen ist jedoch auf ein Gigabyte beschränkt. Wer mehr surfen möchte und den nächstteureren Tarif wählt, bekommt zehn Gigabite, zahlt dafür aber wieder deutlich mehr. Meistens können Kunden das überdimensionierte Angebot auch gar nicht vollkommen ausschöpfen und schließen deswegen unnötig teure Tarife ab. Deswegen empfehlen sich Vergleichsportale – am besten mehrere, um möglichst viele Anbieter abzudecken. Zudem können folgende Tipps bei der ersten Orientierung helfen.

Überteuerte Kombi-Angebote

Bei den großen Netzbetreibern – Telekom, Vodafone und O2 – sind Kombi-Angebote meistens teuer. Das zeigt eine Untersuchung des Verbraucherportals Finanztip. Im Vergleich zu einem günstigen Tarif und selbst gekauftem Handy zahlen Verbraucher kräftig drauf: Bei Vodafone und der Telekom sind es 24 Prozent mehr – bei O2 sogar 55 Prozent.

O2-Kombi-Angebote beim Discounter können dagegen weniger kosten. "Im Schnitt konnten unsere Testprofil-Kunden sieben Prozent sparen, wenn sie sich beim Discounter ein Handy mit Vertrag kauften", sagt Daniel Pöhler, Mobilfunkexperte bei Finanztip. Bei acht von zehn Smartphones waren die Handyverträge mit Gerät da günstiger als der Einzelkauf von Handy und Tarif. Bei den beiden übrigen Handys waren die Discounter nur rund ein Prozent teurer. "In bestimmten Fällen können Verbraucher mit Kombi-Angeboten im O2-Netz ein richtiges Schnäppchen machen", sagt Pöhler.

Handy nicht doppelt zahlen

Klarmobil, Simyo und Co. müssen das Netz nicht selbst betreiben, sondern kaufen Kapazitäten in großen Mengen. Diese können sie wiederum günstig an ihre Kunden weitergeben. In den D-Netzen findet man bisher allerdings recht wenige Discounter. Auch in der Untersuchung von Finanztipp ließ sich oft kein günstigeres Angebot bei Drittanbietern finden. Deswegen rät Pöhler Verbrauchern: "Wer im D-Netz telefonieren will, sollte Handy und Vertrag einzeln kaufen". Wer trotz der Warnung lieber auf ein Kombi-Angebot zurückgreifen möchte, sollte aus seiner Sicht zumindest darauf achten, wie sich die monatliche Grundgebühr verändert. In der Regel sollte sie nach zwei Jahren sinken. Das Smartphone ist dann abgezahlt. Anderenfalls zahlt der Verbraucher sein Handy "doppelt und dreifach ab", sagt Pöhler.

Netz ist nicht gleich Netz

Zurzeit listet die Bundesnetzagentur 131,8 Millionen Mobilfunkanschlüsse in Deutschland. Sie alle funken in drei Netzen mit unterschiedlicher Qualität. Jahrelange Tests zeichneten das D1-Netz der Telekom mit der besten Qualität aus. Knapp dahinter liegt das D2-Netz von Vodafone. Deutlich schlechter gilt die Qualität des O2-Netzes von Telefónica. Die Preise der Handytarife werden wiederum durch die Netzqualität bestimmt. Am günstigsten telefoniert man deswegen im Telefónica-Netz. Dafür müssen Kunden eben auch die meisten Abstriche machen: Vor allem in ländlichen Regionen ist der Empfang oft deutlich schlechter und auch die Internetseiten laden je nach Region langsamer.

Vieltelefonierer und Dauerposter

Wer viel telefoniert, sollte besser einen Vertrag mit Flatrate wählen. Dafür lohnt schon ein Blick auf die letzte Handyrechnung. Es sind mehr als drei, vier Stunden? Dann sollte der Kunde eine Allnet-Flatrate abschließen. Bei weniger genügen oft auch Inklusiveinheiten. Gelegenheitsnutzer sind mit variablen Tarifen ohne Grundgebühr oder Prepaid-Karten recht gut beraten.

Dauersurfer und Streamer benötigen hingegen ein hohes Datenvolumen. Im schnitt nutzen die Bundesbürger rund 600 Megabyte monatlich, berichtet Finanztest. Intensivnutzer sollten besser einen Vertrag mit mindestens ein oder zwei Gigabyte Datenvolumen abschließen. Wer schnell surfen möchte, sollte zudem auf LTE Netztechnik setzen. Im D-Netz wird diese seit Kurzem auch für Discount-Kunden angeboten.

Den Anbieter wechseln, lohnt sich

Fast jeder dritte Deutsche hat einen veralteten Handyvertrag. Wer seinen Vertrag in den vergangenen zwei bis drei Jahren nicht gewechselt hat, zahlt sehr wahrscheinlich zu viel. Wechseln lohnt sich deswegen gerade: In jüngster Zeit sinken die Tarife – und Anbieter locken mit günstigeren Angeboten. Wer kündigt, sollte jedoch auf bestimmte Fristen achten. Wichtig ist vor allem die Angabe des letzten Kalendertags, an dem die Kündigung beim Anbieter eingehen muss, um eine ärgerliche Vertragsverlängerung zu verhindern. Die alte Mobilfunknummer können Kunden in den meisten Fällen problemlos mitnehmen.

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