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Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa
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Zu spät. Mehr als jeder vierte Fernzug ist unpünktlich.

Heißer Sommer Die Bahn wird immer unpünktlicher

An defekten Klimaanlagen kann es nicht gelegen haben, auch größere Unwetterschäden bremsten die Deutsche Bahn (DB) im Juli nicht. Dennoch waren die Fernzüge der DB im vergangenen Monate so unpünktlich wie noch nie in diesem Jahr. Mehr als jeder vierte ICE oder IC kam zu spät, die Quote pünktlicher Fernzüge fiel auf 72,1 Prozent, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte. Als pünktlich wertet der Konzern jeden Zug, der weniger als sechs Minuten nach der Fahrplanzeit in den Bahnhof einfährt.

In vielen Fällen mussten Fahrgäste im Juli aber mehr als eine Viertelstunde auf ihren Zug warten. Obwohl es im Juli trotz extremer Hitze weniger Störungen in den Zügen gegeben hat als in den Vorjahren, begründete die Bahn die schlechten Pünktlichkeitswerte mit dem heißen Sommerwetter, das Zügen und Infrastruktur zugesetzt habe. Bundesweite Probleme für Fernreisende hätten zudem viele externe Ursachen gebracht: ein Großbrand nach Trockenheit am 31. Juli bei Kassel, der zur Sperrung der Nord-Süd-Schnellfahrstrecke führte, ein Kabeldiebstahl bei Köln und ein Polizeigroßeinsatz am 26. Juli in Erfurt mit jeweils stundenlangen Streckensperrungen. „Allein der Fahndungseinsatz im neuen ICE-Drehkreuz Erfurt führte zu massiven Verspätungen von über 60 Zügen“, sagte eine Bahn- Sprecherin. Auch die zeitweise 800 täglichen Baustellen bringen den Zugverkehr regelmäßig durcheinander. In das Schienennetz und die Modernisierung von Bahnhöfen fließt die Rekordsumme von 9,3 Milliarden Euro.

Abmahnung für das City-Ticket

Die von Bahn-Chef Richard Lutz angestrebte Pünktlichkeitsquote von mehr als 80 Prozent wird in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen sein. Das hatte Lutz bereits auf der Halbjahrespressekonferenz eingeräumt. Die Lage werde sich aber in der zweiten Jahreshälfte entspannen.

Eine Abmahnung von Verbraucherschützern kassierte Lutz am Freitag für ein neues Angebot, mit dem die Bahn besonders attraktiv für Reisende sein wollte: das ausgeweitete City-Ticket. Damit können Fahrgäste vor oder nach der Bahnfahrt auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Allerdings in vielen Städten nur mit Einschränkungen. So gilt das Ticket in Berlin nur in der Tarifzone A innerhalb des S-Bahn-Rings einschließlich Nöldnerplatz und Berlin-Lichtenberg. Auf die Beschränkungen weist die Bahn in ihrer Werbung nicht deutlich genug hin, meint die Bundeszentrale der Verbraucherzentralen (vzbv) und mahnte die DB am Freitag ab.

„Viele Verbraucher nehmen die Einschränkungen des Geltungsbereiches nicht wahr und fahren ungewollt schwarz“, kritisierte vzbv-Rechtsexpertin Kerstin Hoppe. Ein Problem sind die unterschiedlichen Tarifsysteme in den Regionen. „Wenn es um Tarifgestaltung im ÖPNV geht, kocht jeder Verkehrsverbund sein eigenes Süppchen“, sagte Marion Jungbluth, Teamleiterin Mobilität und Reisen beim vzbv. „Für Verbraucher ist das Tarif-Wirrwarr undurchschaubar.“

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