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Foto: Caroline Seidel/dpa
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Lieber Investor statt Politiker: Frank Thelen

"Höhle-der-Löwen"-Star Frank Thelen „Ich will superreich werden“

Zur Person: Frank Thelen (42) ist durch die TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt geworden. Zuvor hat er verschiedene Softwareunternehmen aufgebaut und in Start-ups wie Wunderlist oder MyTaxi investiert. Er ist Gründer der Risikokapitalfirma Freigeist, die sich auch an dem Flugtaxi-Start-up Lilium Aviation beteiligt hat.

Zur Sendung: Die fünfte Staffel von „Die Höhle der Löwen“ wird ab Dienstag um 20:15 Uhr zum fünften Mal auf Vox ausgestrahlt. Dort investieren sechs Juroren in Geschäftsideen von Gründern. Neben Thelen sitzen Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams und Medienunternehmer Georg Kofler in der Jury.

Herr Thelen, heute startet die fünfte Staffel Ihrer Gründershow „Die Höhle der Löwen“. Wie groß ist die Chance, dass dieses Mal das nächste Amazon, Tesla oder Facebook dabei ist?

Sehr klein, da muss man realistisch sein.

Ist das nicht eher pessimistisch?

Nein, „Die Höhle der Löwen“ ist ein Format, das Entertainment und Gründen so zusammenbringt, dass es in der Masse funktioniert. Und das haben wir geschafft, wir gehören zu den erfolgreichsten Fernsehshows in Deutschland, gleichzeitig kommen einigermaßen sinnvolle Unternehmen dabei heraus. Aber der nächste Elon Musk wird wahrscheinlich nicht bei uns durch die Tür kommen.

Ärgert es Sie denn, dass eine Intimwaschlotion für Männer bei der Show bessere Chancen hat als ein Unternehmen wie Tesla?

Das bedaure ich sogar sehr, aber es gehört eben zur Magie der Show, dass dort nicht stundenlang ein Algorithmus auseinandergenommen wird, sondern eben Produkte, die auch für ein breiteres Publikum verständlich sind. Und die Gründer werden besser, die Deals werden passender und die Produkte hochwertiger.

Wirklich? In der vergangenen Staffel wurden einzelne Produkte abgemahnt oder deren Verkauf sogar verboten. Die Show wird von Verbraucherzentralen als „Butterfahrt des digitalen Zeitalters“ bezeichnet, Zuschauern würden mit viel Tamtam überteuerte und häufig nutzlose Produkte angedreht.

Also, ich stehe hinter jedem einzelnen Produkt, das ich aus der Show aufgebaut habe. Bei mir gibt es keine nutzlosen oder überteuerten Produkte. Ganz im Gegenteil: wir bauen langfristig hochwertige Unternehmen auf wie Little Lunch, Ankerkraut oder 3Bears.

Aus der Start-up-Szene gibt es Kritik, dass die Show immer mehr Richtung Entertainment geht. Sie wurden deshalb schon als „Micaela Schäfer der Gründerszene“ bezeichnet.

Ich kannte diese Frau gar nicht, ich dachte zuerst, die ist Programmiererin. Dann habe ich recherchiert und gesehen, dass sie ein Nacktmodel ist.
So ein Vergleich ist echt weit hergeholt, oder? Andere aus der Startup Szene zeigen gerne ihr Sixpack auf Instagram, ich konzentriere mich auf Technologie.

Wie lange wollen Sie die Show noch machen?

Mein Herz schlägt für die Technologie, hier möchte ich in den nächsten Jahren einen Weltmarktführer aus Deutschland mit aufbauen. Das ist sehr ambitioniert und daher muss ich mich jedes Jahr auf Neue fragen, ob ich die Zeit für die Show noch aufbringen kann.

Weniger Fernsehen bedeutet auch mehr Zeit für Ihre Start-ups, beispielsweise das Flugtaxi-Projekt Lilium, das Sie auch international groß rausbringen wollen. Seit SAP ist es jedoch keinem großen IT-Konzern mehr gelungen, weltweit groß zu werden. Woran liegt’s?

Das fängt schon in der Schule an, die Amerikaner lernen Storytelling, wir machen Frontalunterricht und haben Angst, an die Tafel zu gehen. Wir werden als Deutsche gar nicht dazu erzogen, groß zu denken. Sieht man ja an mir, kaum renne ich nur ein bisschen nach vorne, erklären die Leute mich für verrückt. Entscheidend kommt die Finanzierung für Unternehmensideen hinzu. Versuchen Sie mal, in Deutschland Geld für ein fliegendes Auto einzusammeln.

Und?

Jetzt wo es recht erfolgreich ist, wollen sehr viele investieren. Aber in der riskanten Startphase fanden es die deutschen VCs cool, sagten aber ab.

Vielleicht schließen sich Risiko und Kapital für Deutsche einfach aus?

Ja, leider, die Deutschen sind keine Wagniskapitalmenschen. Hier läuft alles eher über die BWL-Schiene, wo die mögliche Marge berechnet und dann ein Geschäftsmodell aufgesetzt wird.

Funktioniert für viele Unternehmer gut.

Ja, diese DNA hat Oliver Samwer nach Deutschland gebracht und deswegen ist er ja auch erfolgreich mit Gründungen wie Zalando und Rocket Internet. Auch ein Ralph Dommermuth mit United Internet arbeitet so. Das sind sehr intelligente und hocheffiziente Unternehmer, aber keine großen technologischen Strategen. Uns fehlt ein Jeff Bezos oder Elon Musk, die Technologie und herausragende Strategie in sich vereinen.

Musk hat gerade allerdings große Probleme, Sie selbst fahren auch einen Tesla. Was muss passieren, damit Sie auf einen deutschen Wagen umsteigen?

Halleluja, das ist ein langer Weg, den die deutschen Autobauer da noch vor sich haben. Leider verstehen sie das immer noch nicht. Die müssen eine Ladeinfrastruktur bauen, eine Batteriefabrik, sie müssen einen eigenen Chip für selbstfahrende Automatik entwickeln, puh, da kann ich nur sagen: Das ist noch ein sehr langer Weg.
Was könnte die Regierung tun, um Investitionen in Start-ups attraktiver zu machen?

Eine Menge. Beispielsweise, dass Investitionen in Wagniskapital sofort abgeschrieben werden können. Aber bevor das passiert, müssen sich erst fünf Ministern einig werden und das dann wieder mit den Ländern abstimmen. Unser System ist so komplex geworden, dass es gar nicht mehr bedienbar ist.

Den Föderalismus werden Sie nicht abschaffen können.

Wir brauchen hier in Deutschland eine Kanzlerin oder einen Kanzler, die sich wieder trauen, tiefgreifend und konsequent zu reformieren.. Wie einen Emmanuel Macron in Frankreich oder einen Sebastian Kurz in Österreich…

…der als Populist gilt und mit der rechtspopulistischen FPÖ regiert.

Die große Koalition bei uns ist aber Stillstand, das wollte ich verhindern und habe deshalb sowohl CDU/CSU als auch FDP im Wahlkampf unterstützt. Ich kämpfe auch dafür sowohl die AfD als auch die Linke klein zu halten, wir brauchen mehr Demokratie weniger radikale Protest-Wähler.

Trotzdem beraten Sie die Regierung, sitzen beispielsweise im so genannten Innovation Council von Digitalstaatsministerin und CSU-Politikerin Dorothee Bär. Wie passt das mit Ihrer Kritik zusammen?

Ich bin vor Jahren aus der CDU ausgetreten, gerade weil ich mich unabhängig positionieren will. Ich will mit einzelnen, starken Politikern zusammenarbeiten und nicht an ein Parteiprogramm gebunden sein.

Wen beispielsweise?

Neben Dorothee Bär gehören dazu Christian Lindner und Thomas Jarzombek Das sind Leute, bei denen ich weiß, dass ich mit denen inhaltlich zusammenkommen kann. Ich könnte jetzt nicht mit einem von den Grünen sprechen, weil die einfach nicht verstehen, was ich sage. Und dann verschwende ich meine Zeit und werde wahnsinnig.

Wie machen die Grünen Sie denn wahnsinnig?

Die sind einfach off. Sie haben null Technologie-Verständnis. Wollen Gründern 25.000€ als zinsfreies Darlehen anbieten und sorgen sich darum wie Sie im Sozialsystem aufgenommen werden. Das sind einfach falsche Ansätze. Es geht eben jetzt nicht mehr um die Regulierung von Diesel-Fahrverboten, sondern Technologie ist jetzt das große Thema, wenn man die Welt nachhaltig verbessern will. Dabei ist das jetzt deren Aufgabe. Aber die Grünen sind noch in den 80er Jahren hängen geblieben.

Die Grünen dürften das anders sehen, sie haben mit vier Sprechern für Digitalthemen so viele wie keine andere Bundestagsfraktion und leisten rege Oppositionsarbeit.

Von diesen Sprechern kenne ich jetzt beispielsweise niemanden. Was haben die Grünen denn zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gesagt?

Jan Philipp Albrecht, innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament, gilt als Vordenker der neuen Datenschutzverordnung.

Dann sollte dieser Mann schon mal abtreten.

Albrecht ist gerade neuer Umweltminister in Schleswig-Holstein geworden als Nachfolger des neuen Grünen-Chefs Robert Habeck.

Die DSGVO schadet uns. Sie hat nur Facebook und Amazon stärker und die kleinen Mittelständler, die wir alle brauchen, weil wir ja kein Amazon haben, kaputt gemacht. Die DSGVO ist, als würde jemand Gift ins System spülen und sich dafür feiern.

Ärgert es Sie, dass sie zwar Mitglied in Bärs Innovation Council sind, nicht aber im Digitalrat der Kanzlerin?

Nein, aber ich muss sagen, dass die Anzahl der Gremien verwirrend ist. Deshalb müssen wir jetzt noch mal klarer machen, wofür es welches Gremium gibt und was deren Ergebnis sein soll. Das muss besser koordiniert werden.

Wann wären Sie mit der Arbeit des Councils denn zufrieden?

Ich bin erst zufrieden, wenn wir konkret was erreicht haben. Also wenn ein Blockchain-Gesetz durchgesetzt wurde, die Elektromobilität wirklich vorangebracht oder die Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) wieder abgeschafft ist. Dann wäre ich natürlich extrem stolz.

Wären Sie gerne Digitalminister?

Auf gar keinen Fall. Nach zwei Tagen erschieße ich alle oder die erschießen mich hoffentlich zuerst. Das wäre einfach nicht kompatibel. Ich halte es nicht mal in einem Großkonzern aus, in der Politik zu überleben traue ich mir nicht zu.

Dorothee Bär macht sich für Lufttaxis wie Lilium stark. Kritiker sagen, Sie hätten ihr das eingeflüstert. Ist das ein Interessenskonflikt?

Interessenskonflikte kann man letztlich nie vermeiden. Aber ich habe auch auf Twitter oder bei Dorothee Bär ebenfalls den Volocopter, unsere größte Konkurrenz, gelobt. Es ist mir nämlich lieber, wenn die Jungs aus Bruchsal das Rennen gewinnen als Ehang aus China.

Warum?

Es macht mich wahnsinnig, dass Deutschland gerade den Anschluss verliert und niemand interessiert sich dafür. Wir brauchen wirklich ein neues SAP aus Deutschland und Lilium oder Volocopter hätten dafür das Potential. Außerdem investiere ich nicht, um mich persönlich zu bereichern.

Sondern?

Mein Privatvermögen reicht mir völlig, um mir ein gutes Leben leisten zu können. Ich will aber superreich werden, damit ich endlich große Schecks an kluge Köpfe rausgeben kann. Das ist meine einzige Motivation. Ich will da nie wieder einen Euro rausziehen, sondern nur immer mehr in kluge Köpfe investieren.

Wieviel fehlt Ihnen dafür?

Wenn ich hundert Millionen, besser ein paar hundert Millionen in Technologie Start-Ups investieren könnte, wäre das toll. Ich wäre aber auch schon stolz und froh, wenn ich Zehn-Millionen-Schecks schreiben könnte. Das geht heute nicht, weil ich dafür zu arm bin, ich bin ja der Hartz-4-Löwe. Aber wer kann schon in Deutschland einfach mal zehn Millionen investieren, wenn er eine tolle Geschäftsidee sieht? Ein Ralph Dommermuth oder Olli Samwer könnten es, aber die haben bisher auch sehr wenig Technologie-Investments gemacht, soweit ich weiß.

Was wird das nächste große Ding, an dem Sie sich beteiligen?

Wir arbeiten gerade an mehreren revolutionären Themen und ich hoffe, wir schließen ein oder zwei davon in den nächsten drei bis vier Monaten ab. Da geht es darum, wie wir Energie produzieren oder um Rechenkapazität. Das ist ganz fundamentale Technologie, wo wir auch schnell ein paar hundert Millionen brauchen, um es auszurollen.

Warum holen Sie nicht Oliver Samwer ins Boot? Rocket Internet hat 2,5 Milliarden in der Kasse.

Ja, es ist Hammer was Olli alles aufgebaut hat. Ich frage mich auch manchmal, was der jetzt mit den Milliarden macht. Vielleicht sollten Olli Samwer und ich uns wirklich mal bei einem Kaffee zusammensetzen.

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