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Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das alte Frauengefängnis Lichterfelde soll in privater Initiative ein Event- und Atelierort werden.

Tag des offenen Denkmals 2018 Streifzug durch die Geschichte: Aus der Villa hinter die Gitter

Gerd Seidemann

Denkmalschutz – eine in jeder Beziehung große Aufgabe. Meistens jedoch eine Herausforderung, der sich Politik und Verwaltung zu selten stellen mögen. Das Thema wird gern mal hintan gestellt. Nicht in Sonntagsreden, da sind alle dabei. Doch in der Praxis hapert es gewaltig. Denn schützenswerte Gebäude oder Natur zu erhalten, kostet Geld. Oft sehr viel Geld. Allerdings sollte es sich ein Land etwas kosten lassen, sein kulturelles Erbe gegen Verfall oder rein kommerzielle Interessen – etwa eines hauptstädtischen Fußballvereins – zu verteidigen. Wie sagte uns resignierend vor einiger Zeit ein Berliner Stadtrat, dessen Untere Denkmalschutzbehörde mit knapp drei Mitarbeitern bei mehr als 1000 Denkmälern im Bezirk nach dem Rechten sehen muss: „Denkmalschutz ist ein zahnloser Tiger, das wissen wir.“

Das muss jedoch nicht so sein. Denn der Bürger und Wähler zeigt sich aufgeschlossen gegenüber dem Thema. Nicht nur engagieren sich Abertausende in großen und kleinen Initiativen, um Denkmäler zu schützen und wieder herzustellen. Auch der jährlich stattfindende „Tag des offenen Denkmals“ belegt das Interesse. Den Einladungen zu wieder hergestellten oder noch zu rettenden Kulturgütern folgten im vergangenen Jahr bundesweit etwa 3,5 Millionen Menschen – der Tag ist damit die größten Kulturveranstaltung des Landes. Am 8. und 9. September besteht nun erneut die Gelegenheit, mehr über Heimat, Kultur und Geschichte zu erfahren. Das Ereignis steht in diesem Jahr unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“. Im Folgenden geben wir nur wenige Beispiele des auch für Berlin umfangreichen Programms, das im Internet zu finden ist unter www.tag-des-offenen-denkmals.de

CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF

Rundgang über den Rangierbahnhof

Der Initiative Westkreuzpark, die sich für den Erhalt des Grünzugs einsetzt, kommt der „Tag des offenen Denkmal“ gerade recht. Schließlich will sie dazu beitragen, dass auf dem zwischen 1882 und 1945 als Rangierbahnhof genutzten Gelände ein Naturdenkmal entwickelt sowie eine „grüne Lunge“ für die City West bewahrt wird. Die Reste der dort endenden Stadtbahn finden sich noch in Form von Gleisen, Prellböcken und Arbeitshäusern.

In unmittelbarer Umgebung liegen seit mehr als 100 Jahren Kleingartenkolonien. In den kommenden Jahrzehnten soll hier der „Westkreuzpark“ entstehen und zu einem Naturdenkmal entwickelt werden. Auch der Bezirk unterstützt diese Pläne. Doch wie könnte es im Berlin von heute anders sein: Es gibt Begehrlichkeiten von anderer Seite. Modelle zeigen, dass bis zu 900 Wohnungen auf dem Areal entstehen könnten. Die Diskussion darüber nimmt weiter Fahrt auf und wird wohl noch einige Zeit andauern.

Rundgänge am 8. und 9. September, jeweils um 15 Uhr. Treffpunkt mit Joachim Neu, Initiative Westkreuzpark: Rönnestraße 28, Eingang zur Kleingartenkolonie (BVG-Anreise: Bhf. Charlottenburg)

Spurensuche in Wilmersdorf

Wo liegt die Mitte Wilmersdorfs? Ist sie unter dem Asphalt der Uhlandstraße verschwunden? Gab es dort einmal einen Dorfkern? War dort wirklich einst ein Seebad? Durch Krieg sowie Stadtplanung ist viel von der Identität und Geschichte des heutigen Stadtteils verloren gegangen. Bei einem Rundgang mit Matthias Reich (Bürgerinitiative Wilmersdorfer Mitte) durch die Straßen rund um die Wilhelms- aue wird der Frage nachgegangen, was die Alt-Wilmersdörfer verbindet und wie die Gegend durch Neuplanung wieder belebt werden kann.

Rundgang nur am 8. September um 14 Uhr. Treffpunkt: Kreuzung Uhland-/Blissestr.

Villenkolonie Grunewald und ihre Bewohner

Ein Spaziergang wird Teilnehmer zu den Häusern prominenter Bewohner der Villenkolonie Grunewald führen. Getreu dem Motto des Denkmaltages „Entdecken, was uns verbindet“ wird vom Leben und Schicksal der Architekten und Bewohner berichtet – darunter Lion Feuchtwanger, Walther Rathenau, Friedrich Wilhelm Murnau, Engelbert Humperdinck, Isadora Duncan und Alfred Kerr. Der Spaziergang endet am S-Bahnhof Grunewald mit dem Mahnmal der Deportation.

Spaziergang nur am 8. September, Beginn 11 Uhr; Dauer: zwei Stunden. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt, Anmeldung erforderlich bis 4. September, keine Innenbesichtigung; Ansprechpartnerin: Petra T. Fritsche, Tel.: 030/85072025, E-Mail: petra.fritsche@freenet.de

Woga-Komplex am Lehniner Platz

Der sogenannte Woga-Komplex mit dem ehemaligen Universum-Kino – heute die Schaubühne –, einer Wohnanlage, Tennisplätzen und dem Kabarett der Komiker wurde 1927 bis 1931 von Erich Mendelsohn und anderen auf dem letzten freien Grundstück am Kurfürstendamm erbaut. Das Ensemble der Moderne ist das einzige städtebauliche Werk des Architekten. Noch immer bestehen Neubebauungspläne eines Investors, die denkmalgeschützten Tennisplätze der Anlage mit Wohnungen zu bebauen. Eine Initiative kämpft für deren Erhalt und berichtet über ihre Erfahrungen.

Führungen am 8. und 9. September jeweils um 11 und 16 Uhr. Am 8. unter dem Motto „Sport als Schutzgut im Denkmal?“, am 9. heißt es „Denkmalschutz als Luftnummer – der schwebende Neubau“; Treffpunkt: Cicerostraße 63; Reinhard Brüggemann, Freunde des Woga-Komplexes, Tel.: 030/8919494, Mail: reinhardbrueggemann @yahoo.de

Foto: Mike Wolff

Streit um den „Westkreuzpark“. Ein Investor will eine Bahnbrache teilweise mit Wohnungen bebauen, Land und Bezirk planen einen öffentlichen Park.

Foto: Mike Wolff

Streit um den „Westkreuzpark“. Ein Investor will eine Bahnbrache teilweise mit Wohnungen bebauen, Land und Bezirk planen einen öffentlichen Park.

STEGLITZ-ZEHLENDORF

Kunsthaus Achim Freyer Stiftung

Das 2013 gegründete Kunsthaus der Achim Freyer Stiftung im Ortsteil Lichterfelde gilt als architektonisches Schmuckstück und Ort der Kunst: Der Maler, Bühnenbildner und Regisseur lädt die interessierte Öffentlichkeit in seine Privatvilla, einen Fachwerkbau von 1893, ein, wo er eine über Jahrzehnte gewachsene Kunstsammlung präsentiert.

Besichtigung am 9. September ausschließlich im Rahmen von Führungen um 12, 14 und 16 Uhr; Anmeldung erforderlich unter www.achimfreyer.com/veranstaltungen. Von 12 bis 18 Uhr ist die Ausstellung in der Galerie frei zugänglich, Filmvorführung zum künstlerischen Schaffen des Stifters. Kadettenweg 53, Lichterfelde West

Landhaus Neuhaus

Das ursprünglich als Einfamilienhaus mit Garten konzipierte Landhaus in Zehlendorf entstand 1906/07 durch Hermann Muthesius. 1974/75 wurde die Teilruine rekonstruiert, dabei wurden fünf voneinander unabhängige Wohnungen geschaffen. 1982 wurde der auf die speziellen Gegebenheiten vor Ort ausgerichtete Landhausgarten durch landeskonservatorische Betreuung wiederhergestellt.

Führungen bietet die Eigentümergemeinschaft am 8. September um 10, 12 und 14 Uhr an, am 9. September um 10 und 12 Uhr. Der Treffpunkt ist vor dem Grundstück Bernadottestraße 56/58

Frauengefängnis Lichterfelde

Die letzten Insassinnen verließen 2010 das Gebäude, das als Amtsgericht und Frauengefängnis 1902 bis 1906 von Rudolf Mönnich, Walter Sarkur und Paul Thoemer errichtet worden war. Im Rahmen der Umgestaltung in privater Initiative wird das Denkmal nun zu einer Art Eventlocation und einem Atelierort mit Proberäumen für Theater, Tanz und Musik umgebaut. Bildende Künstler, Fotografen und Performer rufen am „Tag des offenen Denkmals“ mit ihren Arbeiten die Macht der Erinnerung wach und fordern diese mit ihrem Programm heraus.

Öffnungszeiten am 8. und 9. September jeweils von 12 bis 20 Uhr; Führungen an beiden Tagen stündlich zwischen 12 und 17 Uhr; Treffpunkt: vor dem Gefängnis. Söhtstraße 7, (BVG: Bus 285, M11, M85)

Foto: Thilo Rückeis

Zeitreise. Die frühere Reichsforschungssiedlung am Burscheider Weg in Berlin-Haselhorst wurde denkmalgerecht saniert.

Foto: Thilo Rückeis

Zeitreise. Die frühere Reichsforschungssiedlung am Burscheider Weg in Berlin-Haselhorst wurde denkmalgerecht saniert.

SPANDAU

Reichsforschungssiedlung Haselhorst

Nach Entwürfen des Bauhausgründers Walter Gropius, Fred Forbáts und weiterer Architekten entstand 1930 bis 1935 die Reichsforschungssiedlung Haselhorst, das größte Wohnungsbauprojekt im Berlin der Weimarer Republik. Ziel war die Schaffung preiswerten Wohnraums mit hoher Lebensqualität – die Anlage könnte also auch für den heutigen Berliner Senat ideengebend sein. Im Zuge der denkmalgerechten Sanierung hat die Gewobag eine Kleinstwohnung in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt sowie mit Originalmobiliar und Haushaltsgerätschaften aus der Bauzeit ausgestattet.

Öffnungszeiten: am 9. September zwischen 11 und 16 Uhr; Adresse: Burscheider Weg 21 (BVG: Bus 139)

REINICKENDORF

Villenkolonie Valentinswerder

Mit etwa 14 Hektar Grundfläche ist Valentinswerder die zweitgrößte Insel im Tegeler See. Sie liegt im Südwesten des Gewässers in einer flächenartigen Ausbuchtung der Havel, die in Tausenden von Jahren durch das Wasser ausgekolkt wurde. Der Berliner Bauunternehmer Paul Haberkern erwarb die verwilderte Insel 1874. Er ließ eine Landhauskolonie und einen Park anlegen. In der Mitte des Parks befindet sich ein großes Rondell, von dem vier Baumalleen sternförmig abgehen.

Führung am 9. September um 10 Uhr mit Helga Haberkorn von der Inselverwaltung, Treffpunkt: Fähranleger, Achtung kostenpflichtige Fähre ab Tegelort ab 9.40 Uhr (5 Euro pro Person für Hin- & Rückfahrt)

TEMPELHOF-SCHÖNEBERG

Wohnanlage am Stadtpark Schöneberg

Die Wohnanlage am Stadtpark Schöneberg, 1930/31 von Rudolf Fränkel errichtet, gehört zu den herausragenden Wohnbauten des Neuen Bauens in Berlin. Fränkel plante sie ursprünglich als Apartmenthaus mit 400 Wohnungen. Doch noch vor Baubeginn wurde das Konzept geändert und es entstanden Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern und eine moderne Tiefgarage. Die Führung mit Claudia Marcy (Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten) stellt sowohl das Leben und Werk des jüdischen Architekten Rudolf Fränkel vor, als auch die von ihm erdachte Wohnanlage.

Führung am 9. September, Beginn 14 Uhr, Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt, Anmeldung erforderlich bis 7. September, E-Mail: c.marcy@gmx.de; Treffpunkt: Freiherr-vom-Stein-Straße 11 (BVG: U-Bhf. Rathaus Schöneberg)

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

Dragoner Areal

Es gibt wohl kaum eine Liegenschaft in Berlin, zu der in den vergangenen Jahren mehr geschrieben wurde. Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn – wie berichtet – sollte das sogenannte Dragoner-Areal längst vom Bund an das Land Berlin übertragen worden sein. Der Eigentümerwechsel ist jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben, in Folge auch die geplante Wohnbebauung der zirka 4,7 Hektar großen Fläche in Kreuzberg.

Der Grund: Der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als aktueller Eigentümerin sind „rechtliche Bedenken“ gekommen. Um dem Ganzen eine eher heitere Note zu geben, wird es zum Denkmaltag einen musikalisch-geschichtlichen Spaziergang auf dem Grundstück geben, veranstaltet von der Nachbarschaftsinitiative Dragopolis. Die Garde-Dragoner-Kaserne wurde in den Jahren 1850 bis 1854 nach Plänen der Militär-Baubeamten Ferdinand Fleischinger und Wilhelm Drewitz errichtet.

Spaziergang am 9. September um 12 Uhr; Treffpunkt: Mehringdamm 20/28, Kiezraum, Kopfgebäude (ehemals Toyota), (BVG: U-Bhf. Mehringdamm)

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Berliner Asylverein für Obdachlose wurde im Jahr 1868 in Wedding gegründet und bestand bis 1976.

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Berliner Asylverein für Obdachlose wurde im Jahr 1868 in Wedding gegründet und bestand bis 1976.

MITTE

Gold fürs Obdachlosenheim

Die Wiesenburg, ursprünglich vom Berliner Asylverein 1896 als Obdachlosenunterkunft eröffnet, ist heute ein Ort für Handwerk, Kunst- und Kulturschaffende. Das damalige Asyl bot Platz für 700 Männer und 400 Frauen pro Nacht. 1897 wurde die Wiesenburg auf der Weltausstellung in Brüssel mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Vor der nun anstehenden Sanierung werden den Besuchern exklusiv und letztmalig auch Teile der Ruinen gezeigt.

Führungen am 8. und 9. September jeweils um 12, 15 und 18 Uhr. Treffpunkt: Haupteingang, Wiesenstraße 55 in Wedding. Von 10 bis 18 Uhr ist auch eine Ausstellung in der Werkhalle zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Wiesenburg zu sehen, offene Werkstätten und Ateliers können besucht werden.

Europacity, Quartier um die Heidestraße

Auf dem Gelände des ehemaligen Lehrter Bahnhofs entsteht derzeit ein großes städtebauliches Projekt. Geplant ist eine gemischte Nutzung; bisher zeichnet sich ein Mix aus Siedlungsbau und Blockrandbebauung ab. Auf der Führung mit Horst Peter Serwene werden die „Architektursprache und das Raumgefühl“ untersucht und es wird der Frage nachgegangen, ob hier ein Quartier mit einer einem Berliner Altbauviertel vergleichbaren Atmosphäre entstehen kann.

Führung am 9. September um 11 Uhr; Treffpunkt: Bilderwand am nördlichen Ausgang des Hauptbahnhofs

Hansaviertel der Interbau 1957

Angrenzend an den Tiergarten entstand aus Anlass der Internationalen Bauausstellung 1957 das Hansaviertel als durchgrünte Siedlung und Prototyp der „Stadt von morgen“. Namhafte Architekten der Nachkriegsmoderne entwarfen Gebäude, die für ihre Zeit zukunftsweisend und stilprägend waren. Zum „Tag des offenen Denkmals“ kann man in rund zweieinhalbstündigen Führungen mehr über sie und ihre Erbauer erfahren.

Führungen am 9. September um 10 und 15 Uhr. Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt, Anmeldung bis 7. September unter: fuehrungen@hansaviertel.eu; Treffpunkt: Berlin Pavillon, S-Bahnhof Tiergarten (BVG: U-Bhf. Hansaplatz)

LICHTENBERG

Haus Lemke

1932 entwarf Mies van der Rohe das Landhaus für Karl Lemke, einen Druckereibesitzer, und dessen Frau. Es war sein letzter realisierter Entwurf eines Wohnhauses in Deutschland; 1938 emigrierte er in die USA. Der schlichte, eingeschossige Ziegelbau öffnet sich mit wandgroßen Fensterflächen direkt auf die Parklandschaft am Obersee in Hohenschönhausen. Von 2000 bis 2002 erfolgte eine denkmalgerechte Instandsetzung. Baudenkmal, Garten und Kunst sind als gestalterische Einheit zu erleben. Das Haus Lemke ist ein Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Geöffnet am 8. und 9. September jeweils zwischen 11 und 17 Uhr. An beiden Tagen führt um 15 Uhr Kunsthistoriker Andreas Otto durchs Haus. Die Teilnehmerzahl hierfür ist auf je 20 Personen begrenzt, eine Anmeldung ist bis zum 6. September erforderlich, Telefon: 030/97000618, E-Mail: info@miesvanderrohehaus.de, Adresse: Oberseestraße 60 in Hohenschönhausen (BVG: Tram M5)

Foto: Axel Mauruszat

Die Brauerei Königstadt in Pankow hatte über die Jahre viele Nutzer und ist heute ein Gewerbehof.

Foto: Axel Mauruszat

Die Brauerei Königstadt in Pankow hatte über die Jahre viele Nutzer und ist heute ein Gewerbehof.

PANKOW

Brauerei Königstadt

Die von 1885 bis 1906 von Rohmer und Alterthum & Zadek errichtete Brauerei Königstadt stellte die Produktion 1921 ein. Biergarten, Karussell und Konzertlaube bestanden noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Der ehemalige Produktionsbereich der Brauerei ist heute ein Paradebeispiel für die Um- und Weiternutzung historischer Bauten, die viel zu erzählen haben. Die große Ausschankhalle mit mehr als 1500 Plätzen beispielsweise wurde ab 1925 für das neue Massenmedium Film zum Uraufführungskino der Ufa umgerüstet, die Kelleranlagen der Brauerei in ihrer Geschichte unter anderem für Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie, als Luftschutzkeller und für die Pilzzucht genutzt.

Heute führten verschiedene Ansätze zu einer Entwicklung eines Gewerbehofs unter Einbeziehung ansässiger Betriebe und mündeten 2003 im Kauf durch die 1995 gegründete Genossenschaft Gewerbehof Saarbrücker Straße eG.

Führungen am 8. September zur „Brauerei Königstadt gestern und heute“ um 14 und 18 Uhr, Führungen zu den Kelleranlagen der Brauerei um 13 und 17 Uhr durch Architekt Stefan Klinkenberg und den Historiker Martin Albrecht; Treffpunkt: Hoftor. Von 10 bis 22 Uhr findet ein Hoffest der Genossenschaft statt. Adresse: Saarbrücker Straße 24, Pankow

TREPTOW-KÖPENICK

Ehemalige Textilverarbeitungsfabrik Schneider

Die in den Jahren 1896/97 von dem Unternehmer Otto Schneider durch den Maurer- und Zimmerermeister Robert Buntzel errichtete Musterfabrik steht für die Frühzeit der Industrieansiedlung in Niederschöneweide. Der sensible Umbau des Ensembles mit Fabrikhallen und Wasserturm ab 1993 zur Freien Waldorfschule Berlin-Südost wurde fünf Jahre später mit der Ferdinand-von-Quast-Medaille, dem Berliner Denkmalpflegepreis, ausgezeichnet. Heute werden dort Kinder bis zum Abitur unterrichtet.

2013 konnten zwei das Ensemble ergänzende Neubauten fertiggestellt werden. Das Projekt wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert.

Führung: am 8. September um 11 Uhr mit Architekt Axel Ringler; Treffpunkt: Haupteingang, Bruno-Bürgel-Weg 9-11, (BVG: S-Bhf. Oberspree)

Im Programm ist den Veranstaltern zufolge bis zum Schluss Bewegung. Über Änderungen informiert das Landesdenkmalamt Berlin: www.stadtentwicklung.berlin. de/denkmal/denkmaltag2018/?mid=1261

Das bundesweite Programm ist unter www.tag-des-offenen-denkmals.de zu finden. Die mobile Nutzung unterwegs ermöglicht eine kostenfreie App.

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