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Foto: Sorbetto/iStock; Montage: Fabian Bartel
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Darfs ein bisschen mehr sein? Fintechs versprechen Anlegern gute Erträge - bei äußerst geringem Aufwand.

Verdienen mit Fintechs Geld aus dem Netz

Sie sind die jungen Wilden. Sie wollen alles anders machen als die großen Banken. Ihr Service soll schneller sein, effizienter, einfacher. Mittlerweile gibt es in Deutschland über 400 Start-ups im Finanzbereich. Viele dieser Fintechs unterstützen Anleger bei der Geldanlage. Sie helfen, Angebote für Fest- oder Tagesgeld zu finden oder stellen ihnen Fonds zusammen. Die wenigsten dieser Anbieter haben allerdings eine Banklizenz – und brauchen sie auch nicht. Um die Zahlungen im Hintergrund kümmert sich meist ein klassisches Geldinstitut. Auch sonst sind die Fintechs recht frei in dem, was sie tun. Lediglich für das Crowdfunding gibt es hierzulande bereits konkrete Regeln. So müssen die Anbieter etwa einen Verkaufsprospekt veröffentlichen, wenn Firmen bei Anlegern mehr als 2,5 Millionen Euro einwerben wollen. Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wollen die Fintechs nun jedoch genauer untersuchen. Ihr Finanzstabilitätsrat will prüfen, ob durch sie neue Risiken für das Finanzsystem entstehen. Wir erklären, wie Anleger Fintechs nutzen können – und was sie dabei beachten sollten.

Zocken wie die Profis – das versprechen Plattformen wie Ayondo, Wikifolio oder Etoro. Wer sich bei ihnen anmeldet, kann anderen Händlern folgen und ihre Strategien einfach kopieren. Die Nutzer legen ihr Erspartes dann automatisch so an wie ihre Vorbilder. Social Trading nennt sich das Konzept. Wer dabei als Händler zum Star wird, bestimmen die Follower. Vorkenntnisse müssen die Top-Trader nicht haben – unter ihnen sind ebenso frühere Banker und Vermögensverwalter wie Laien. Sie spekulieren mit Aktien, Rohstoffen, Devisen oder Anleihen. Die Start-ups selbst verdienen an Gebühren oder beim Handel mit.

Das Problem: Für den Verbraucher ist schwer zu erkennen, ob der Händler, dessen Strategie er gerade kopiert, tatsächlich Ahnung hat oder nur Glück. Zumal manche Top-Trader zeitweise geradezu aberwitzig hohe Renditen erzielen – die allerdings durch hoch spekulative Wetten zustande kommen. Sie setzen zum Beispiel auf die Entwicklung von Währungskursen, was schnell nach hinten losgehen kann. Um die Anleger zu schützen, sortieren die Start-ups die Trader in Kategorien ein: Wikifolio zeichnet Händler zum Beispiel je nach Performance als „Rising Star“ oder „Bestseller“ aus. Ayondo arbeitet mit Karrierestufen, die die Trader erklimmen – vom „Street Trader“ bis zum Level „Institutional“. Wer ihnen trauen will, sollte jedoch allenfalls Spielgeld einsetzen – also Geld, auf das man im Zweifel verzichten kann. Denn geht die Wette nicht auf, droht der Totalverlust.

Wissen sollten Verbraucher auch, womit sie da eigentlich handeln. Denn das sind meist nicht einzelne Aktien oder Anleihen – sondern komplizierte Finanzprodukte. Wikifolio arbeitet zum Beispiel mit Zertifikaten, die die Strategie eines Traders künstlich kopieren. Bei Ayondo handeln die Anleger mit Differenzkontrakten (CFDs), mit denen sie auf Kursänderungen spekulieren.

Firmen wie Privatleute bekommen längst nicht mehr nur bei der Bank einen Kredit. Im Netz stellen ihnen auch Kleinanleger Geld zur Verfügung. Weil hinter einem Kredit eine Gruppe von Anlegern (die Crowd) steht, wird das Risiko gestreut. Crowdlending nennt sich das Konzept. Für Anleger ist es interessant, weil sie hohe Zinsen bekommen. Je nach Risiko sind zwischen zwei und 15 Prozent im Jahr drin. Dafür droht im schlimmsten Fall allerdings der Totalverlust: Kann der Kreditnehmer das Geld nicht zurückzahlen, ist es futsch. Bei Auxmoney, einem der größten Anbieter in Deutschland, liegt die Ausfallquote nach eigenen Angaben bei etwa drei Prozent. Damit Anleger ihr Risiko einschätzen können, prüfen die Plattformen vorab die Bonität der Kreditnehmer und veröffentlichen sie.

Wählen können Verbraucher im Netz zwischen zwei Arten von Krediten: Beim Peer-to-Peer-Lending geben Privatleute anderen Privatleuten Kredit – das ist über Plattformen wie Smava, Auxmoney oder Lendico möglich. Beim Peer-to-Business-Lending leihen die Anleger das Geld Firmen, zum Beispiel über Anbieter wie Zencap oder Funding Circle.

Neben dem Crowdlending gibt es noch zwei ähnliche Konzepte: Beim Crowdinvesting beteiligen sich die Anleger an Start-ups – in der Regel für mehrere Jahre. Dafür werden sie am Gewinn beteiligt. Möglich ist das über Plattformen wie Companisto oder Bergfürst. Beim Crowdfunding stellen Anleger dagegen Firmen oder Privatpersonen Geld für konkrete Projekte zur Verfügung. Sind die realisiert, bekommen sie ihr Geld samt Rendite zurück oder erhalten das fertige Produkt. Plattformen dafür sind zum Beispiel Startnext oder Visionbakery.

Gemein ist all diesen Angeboten: Sie sind riskant. Wer dennoch investieren will, sollte daher nie zu viel Geld auf ein Projekt oder ein Unternehmen setzen – sondern es lieber streuen.

Zur Bank gehen und sich dort einen Fonds empfehlen lassen? Das ist altmodisch, teuer und aufwendig. So sehen das zumindest die Gründer von Plattformen wie Vaamo, Cashboard oder Easyfolio. Ihr Versprechen: Per Mausklick legen Kunden bei ihnen ihr Geld schnell und breit gestreut an. Die Verbraucher wählen nur ihr Risikoprofil und ihr Sparziel aus – und schon fließt ihr Erspartes automatisch in passende Fonds. Wer ein hohes Risiko auswählt, steckt so mehr Geld in Aktien – wer auf Nummer sicher gehen will, bekommt automatisch einen hohen Anteil Anleihen. Was die Gründer dem Kunden damit abnehmen, ist der Stress, aus einer Vielzahl von Fonds und Anleihen auswählen zu müssen – oft ohne wirklich einschätzen zu können, welche denn nun zu ihrer Risikoneigung passen.

Das Geld der Anleger fließt bei den Start-ups in der Regel in Indexfonds – also in Papiere, die Kursentwicklungen nachzeichnen wie die des deutschen Leitindizes Dax, des amerikanischen Dow Jones oder verschiedener Staats- und Firmenanleihen. Die Start-ups selbst verdienen dabei über eine Gebühr, die meist zwischen 0,2 und 1,2 Prozent des angelegten Betrags liegt. Zum Teil kommen noch Fondskosten oder eine Erfolgsbeteiligung hinzu. Die Anlage ist damit teurer, als wenn Verbraucher selbstständig Indexfonds zeichnen. Gleichzeitig kommen sie aber billiger weg, als wenn sie bei einer Filialbank einen aktiv gemanagten Fonds erwerben.

Das Geld liegt meist bei einer Partnerbank

Das Problem: Für Verbraucher ist es oft nicht so leicht herauszufinden, in welche Papiere die Start-ups das Geld im Detail investieren. So hat das Münchner Start-up Easyfolio zum Beispiel drei Fonds aufgelegt, die in unterschiedlicher Gewichtung in 15 Indexfonds von Investmentfirmen wie Blackrock, State Street oder UBS investieren. Die wiederum stecken das Geld in diverse Aktien und Anleihen. Das Start-up Vaamo dagegen investiert ausschließlich in Papiere der amerikanischen Fondsgesellschaft Dimensional Fund Advisors. Bei der Berliner Firma Cashboard fließt das Geld in ein „wissenschaftlich fundiertes Portfolio“ aus Einzelanlagen: Neben Aktien und Anleihen sind da zum Beispiel auch Immobilien, Privatkredite und Beteiligungen an Start-ups bei.

Dass die Anlage nicht ganz ohne Risiko ist, geben die meisten Gründer offen zu. Längst nicht bei allen Anbietern gibt es einen Kapitalschutz: Ist der nicht vorhanden, kann im schlimmsten Fall das gesamte eingesetzte Geld weg sein. So garantiert das Start-up Cashboard den Kapitalerhalt zum Beispiel nur für eines seiner drei Portfolios. Bei Vaamo heißt es im Kleingedruckten, im Extremfall bestehe das „Risiko des Totalverlusts“. Auch wenn das recht unwahrscheinlich ist, da Vaamo das Geld in verschiedene Indexfonds investiert, sollten Verbraucher sich dieser Gefahr bewusst sein.

Hinzu kommt: Das Geld der Anleger liegt fast nie bei dem Start-up selbst, sondern bei einer Partnerbank. Denn in der Regel haben die Gründer selbst keine Banklizenz. Verbraucher sollten daher im Vorfeld klären, mit welchem Institut das Start-up zusammenarbeitet und wie seriös das ist.

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