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Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Breit angelegt. Am Programm zur Begabtenförderung nehmen auch Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler teil.

Programm "Leistung macht Schule" 125 Millionen Euro für die Begabtenförderung

Leistungsstarke systematisch zu fördern – damit tut sich das deutsche Schulsystem nachweislich schwer. Gezeigt haben das seit 2001 immer wieder internationale Schulstudien: In den erfolgreichsten Ländern schaffen es bis zu dreimal so viele Schüler in die Spitzengruppe der Leistungsstärksten. Und das, obwohl es hierzulande seit Jahrzehnten Angebote für begabte Schülerinnen und Schüler gibt.

Jetzt sollen neue Instrumente in einem bundesweiten Modellversuch entwickelt und evaluiert werden. An dem auf zehn Jahre angelegten Bund-Länder-Programm „Leistung macht Schule“ nehmen 300 Schulen und ein Forschungsverbund von 28 Wissenschaftlern an 15 Unis teil. Finanziert ist die Initiative mit 125 Millionen Euro. Am Dienstag startete sie in Berlin mit einer Konferenz für die beteiligten Schulen und Bildungsforscher.

Langer Weg zur Begabtenförderung

Was ist neu an dem Programm? Schließlich war bereits Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) 2005 angetreten, die Begabtenförderung voranzubringen. Zwei Jahre später vereinbarte sie mit den Ländern ein Millionen-Programm für Bildungsforschung, das Handreichungen auch für die Förderung von Begabten liefern sollte. Konkretisiert hat dies erst Schavans Nachfolgerin Johanna Wanka (CDU) – 2015 mit dem Angebot an die Länder, die Wirksamkeit von Instrumenten der Begabtenförderung zu testen.

Die Kultusministerkonferenz beschloss zwar eine eigene Förderstrategie, lehnte eine vorherige Evaluation aber ab: Man wolle „gleich mit der Umsetzung beginnen“. Bis November 2016 hatten sich Bund und Länder dann zusammengerauft, „Leistung macht Schule“ wurde vereinbart. Am Dienstag konnte die scheidende Bundesministerin Wanka den Startschuss geben – für ein breit angelegtes Programm, das nicht nur Hochbegabten zugute kommen soll.

Mit dabei sind auch Schulen mit vielen sozial Benachteiligten

„Viele unerkannte Talente“ säßen in Klassenzimmern aller Schularten, betonte Wanka. Unter den 300 Grund-, Gemeinschafts- oder Sekundarschulen, Gymnasien und Berufsschulen sind neben solchen mit viel Erfahrung bei der Begabtenförderung auch solche mit wenig Expertise. Mit dabei sind ebenso Schulen mit einem hohen Migrantenanteil sowie sozial benachteiligten Schülern.

Das Interesse der Schulen sei trotz der auf sie zukommenden Mehrarbeit groß, sagte die Vizepräsidentin der KMK Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz. Überall hätten sich sehr viel mehr Kollegien beworben als das Länderkontingent erlaubte. Zwei Schwerpunkte hat das Programm: Die Schulen entwickeln ein Leitbild für die Leistungsförderung und kommen in der Diagnose von Begabungen weiter.

Modellcharakter für alle Schulen bundesweit

Unterstützt werden sie von Teams aus der empirischen Bildungsforschung, der pädagogischen Psychologie und der Fachdidaktik, wie die Leiterin des Verbunds, Gabriele Weigand (PH Karlsruhe) erläuterte. So würden etwa Aufgabenformate für alle Kernfächer entwickelt, mit denen Schüler leistungsdifferenziert lernen und die Lehrkräften helfen, Talente zu identifizieren und gezielt zu fördern. Die Konzepte werden nach fünf Jahren evaluiert – als Best Practice für Schulen bundesweit.

15 Schulen aus Berlin

In Berlin nehmen 15 Schulen teil, davon sechs im Primarbereich: die Carl-Kraemer-, Elisabeth-Christinen-, Dietrich-Bonhoefer-, Clemens-Brentano-, Bernhard-Grzimek- und Renée-Sintenis-Schule. Im Sekundarbereich I nehmen neun Schulen teil: Ellen-Key-Schule, Käthe-Kollwitz-Oberschule, Schule an der Jungfernheide, Gustav-Heinemann-Oberschule, Grünauer Gemeinschaftsschule und Grüner Campus Malchow sowie Albrecht-Dürer-, Emmy-Noether- und Bertha-von-Suttner-Gymnasium.

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