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Foto: Mike Wolff
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Unser Kolumnist George Turner, Berliner Wissenschaftssenator a.D..

Turners Thesen Fachhochschulen, seid praxisnäher!

Vertreter der Wirtschaft fordern, die Hochschulabsolventen müssten besser auf den Einsatz in der Praxis vorbereitet werden. Der Appell ist nicht neu, an der Umsetzung hapert es.

Wie soll eine Ausbildung „praxisnah“ gestaltet werden, wenn die Lehrpersonen selbst über keine praktische Erfahrung verfügen? Es ist nach überkommenem Verständnis allerdings auch nicht Aufgabe der Universitäten, die Studierenden „stromlinienförmig“ auf eine spätere Tätigkeit vorzubereiten. Das heißt nicht, dass der berufliche Einsatz und die Vorbereitung darauf keine Rolle spielen. Aber im Vordergrund stehen die Vermittlung fachlichen Wissens und der Erwerb eines theoretischen Rüstzeugs. Ein nahtloser Übergang von Universitätsabsolventen in die berufliche Praxis ist Illusion.

Der Auftrag der FHs: Vorbereitung auf die Praxis

Anders ist es bei Abgängern von Fachhochschulen. Der Auftrag dieser Hochschulart umfasst die Vorbereitung auf die Praxis. Die dort tätigen Dozenten sollten mehr als ein Praktikum aufzuweisen haben; der Übergang vom Mittelbau der Universitäten sollte nicht die Regel sein.

In die falsche Richtung geht es erst recht, wenn gezielt habilitierte Wissenschaftler von den Universitäten gewonnen werden. Entscheidungsträger in der Politik haben es versäumt, die praxisnahe Ausbildung der Fachhochschulen einzufordern und es zugelassen, dass diese versuchen, sich den Universitäten anzunähern. Die generell nicht zutreffende Aussage, dass sie qualitativ vergleichbare Forschung betreiben, und das Streben nach einem eigenen Promotionsrecht sind Zeichen dafür, dass sie sich von ihrem Kernauftrag entfernen. Die Erwartung der Unternehmen der Wirtschaft, für den unmittelbaren Einsatz vorbereitete Absolventen von den Hochschulen zu bekommen, sollte ein Weck- und Warnruf für die Fachhochschulen sein. Auf diesem Feld sind sie besser geeignet als die Universitäten, den Ansprüchen zu genügen.

Die Konkurrenz mit den Universitäten aussichtslos

Ihnen sollte auch zu denken geben, dass sich die duale Ausbildung in eigenen Institutionen neben den Fachhochschulen großer Beliebtheit erfreut. Zum einen sollten sie sich bestätigt sehen, entsprechende Angebote weiter auszubauen. Zum anderen wäre es in ihrem Interesse, wenn sie erkennen, dass sie sich im Wettbewerb mit den Dualen Hochschulen befinden. Dabei haben sie gute Aussichten – während sie in der Konkurrenz mit den Universitäten aussichtslos sind, allein schon wegen der finanziellen und personellen Ausstattung.

Die Erwartungen der Wirtschaft sind eine Mahnung an die Fachhochschulen zur Korrektur ihrer Ziele, soweit sie ihren angestammten Auftrag vernachlässigen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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